Schweden meldet höchste Todesrate seit 20 Jahren

  • Schweden geht mit seinen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus einen Sonderweg.
  • Neue Zahlen des Statistikamts zeigen: Im April hat das Land die meisten Todesopfer der vergangen 20 Jahre verzeichnet.
  • Die Zahlen der bestätigten Todesfälle durch das Coronavirus sind im Wochenvergleich rückläufig.
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Hannover. Kein Lockdown, Abstandsregeln in Eigenverantwortung, geöffnete Schulen, Bars und Restaurants: Schweden fährt in der Corona-Krise einen eigenen Sonderweg. Doch nun musste das Land für den Monat April die seit Jahren höchste Sterberate verzeichnen. Wie die schwedische Statistikbehörde mitteilte, starben in Schweden, einem Land mit 10,3 Millionen Einwohnern, im vergangenen Monat 10.458 Menschen – mehr als in allen anderen Monaten der vergangenen Jahrzehnte.

Der schwedische Sonderweg hat in der EU für viel Diskussionen gesorgt. Zwischenzeitlich verfassten Wissenschaftler einen offenen Brief an die schwedische Regierung, um sie zum Umdenken aufzufordern - ohne Erfolg. Lediglich fünf Restaurants mussten Ende April geschlossen werden, da nicht ausreichend Abstand zwischen den Besuchern eingehalten wurde und die Behörden die Restaurants mehrfach dazu aufforderte.

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Die meisten Todesfälle seit 1993

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In einer Pressemitteilung des schwedischen Statistikamts heißt es: “Wir müssen bis zum Dezember 1993 zurückgehen, um mehr Tote in nur einem Monat zu haben.” Thomas Johansson von der Statistikbehörde erklärte, dass im Dezember 1993 11.057 Menschen verstorben sind - die höchste Todeszahl seit 1918, das Jahr, in dem die spanische Grippe grassierte.

“Im Vergleich zur Masse starben jedoch im Januar 2000 mehr Menschen als im April dieses Jahres. Zu dieser Zeit starben 110,8 Menschen pro 100.000 Einwohner. Im April dieses Jahres starben 101,1 pro 100.000 Einwohner”, heißt es in der Meldung weiter. Angaben, beziehungsweise Gründe zu den erhöhten Todesfällen wurden nicht gemacht.

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Rückgang der Todesopfer

In der Meldung der Statistikbehörde, wird auch von einem Rückgang der Todesopfer durch das Coronavirus berichtet. “In Stockholm, das von der Corona-Pandemie schwer betroffen ist, sinkt die Zahl der Todesopfer nach dem Höhepunkt der 15. Woche weiter. In der 19. Woche wurden 414 Todesfälle gemeldet, 363 Todesfälle weniger als in der 15. Woche.”

In der 19. Woche gab es zudem nur einen Landkreis, dessen Todesopfer über den durchschnittlichen Zahlen lag. Das schwedische Statistikamt vergleicht nach eigenen Angaben die vorläufigen Statistiken über Todesfälle mit einem Durchschnitt für die entsprechenden Zeiträume aus den Jahren 2015 bis 2019.

Nach Angaben der Johns Hopkins-Universität sind in Schweden 30.799 Menschen infiziert. 3743 Menschen sind in Folge des Coronavirus verstorben und 4971 gelten als geheilt (Stand: 20. Mai).

RND/Alice Mecke


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