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Schlachthof Tönnies: Welche Rolle spielt kalte Luft bei Virus-Ausbruch?

  • Das Coronavirus Sars-CoV-2 könnte sich besser ausbreiten, wenn es kälter wird.
  • Kritisch wird es vor allem, wenn viele Menschen in Gebäuden aufeinander treffen.
  • Das Zentrum des Corona-Ausbruchs bei Tönnies liegt laut Ministerpräsident Laschet in der Fleischzerlegung.
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Berlin. Welche Rolle spielen gekühlte Räume bei der Übertragung des Coronavirus? Diese Frage stellt sich nach dem massiven Corona-Aubruch bei Tönnies. Denn laut Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet liegt das Zentrum des Corona-Ausbruchs in der Fleischzerteilung des Konzerns. Lediglich 24 Infizierte im Kreis Gütersloh seien Nicht-Mitarbeiter von Tönnies.

Mehrere Gründe für Ausbrüche in der Fleischindustrie

Warum das Coronavirus sich besonders in der Fleischindustrie so hartnäckig verbreitet, kann das Robert-Koch-Institut noch nicht eindeutig sagen. Präsident Lothar Wieler ist sich jedoch sicher, dass es mehrere Gründe gibt, die die Verbreitung begünstigen. Wir gehen davon aus, dass es „sowohl... als auch“ ist“, sagte Wieler bei einer Pressekonferenz des RKI am Dienstag in Berlin. In engen Wohnungen habe es das Virus einfacher, dass sei einer der Grundregeln, sagte der RKI-Präsident. Niedrige Temperaturen, um das Fleisch zu kühlen, könnten bei der Übertragung des Corona-Virus ebenso eine Rolle spielen, wie Aerosole, bei der über die Luft Stoffe übertragen werden.

Welche Folgen hat das für die Ausbreitung im Sommer?

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Als weitgehend gesichert gilt, dass die Corona-Ausbreitung derzeit durch einen Sommereffekt vermindert wird - allerdings wohl nur ein bisschen. Er beruht auf Faktoren wie UV-Licht und Wärme und darauf, dass sich Menschen nun eher draußen statt drinnen treffen. Ähnlich wie auch Grippeerreger sind laut Virologe Christian Drosten mit Sars-CoV-2 verwandte Coronaviren des Menschen im Winter am aktivsten. “Wenn es kälter wird, wird das Virus besser übertragen”, hatte er im NDR-Podcast gesagt.

Eine vor Kurzem vorgestellte Studie hatte Hinweise darauf ergeben, dass sich das Corona-Infektionsgeschehen besonders stark in Regionen mit ähnlicher Temperaturspanne und Luftfeuchtigkeit abspielt. Stark betroffene Städte hatten demnach 20 bis 30 Tage vor dem ersten Coronatoten Durchschnittstemperaturen von fünf bis elf Grad und eine spezifische Luftfeuchtigkeit von drei bis sechs Gramm pro Kilogramm Luft. Klar ist aber auch, dass bei der Ausbreitung viele weitere Faktoren Einfluss haben - nicht zuletzt die jeweils getroffenen Maßnahmen.

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Chronologie des Coronavirus
2:33 min
Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © RND

Bekannt ist, dass UV-Licht Viren schneller unschädlich machen kann. Temperatur und Luftfeuchtigkeit haben Einfluss darauf, wie rasch die Tröpfchen, über die das Virus etwa beim Sprechen, Singen oder Husten von Mensch zu Mensch getragen wird, verdunsten. Zudem wird Sars-CoV-2 nach derzeitigem Kenntnisstand auch über Aerosole - winzige Tröpfchenkerne aus Flüssigkeit und Partikeln wie Viren - übertragen. Sie können lange in der Luft bleiben und sich in geschlossenen Räumen ansammeln.

Aerosole in der Schlachterei: Ein offenes Geheimnis

Wie infektiös Aerosole unter Kühlhausbedingungen sind, lässt sich noch nicht sagen. Prinzipiell könnten sie sich in geschlossenen Räumen sogar über Stunden halten und infektiös sein, wie der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, sagte. Ein Atemstoß enthalte etwa 1000 Teilchen. "Draußen ist die Verdünnung stark, innen sammelt es sich."

Bei der Luftfeuchtigkeit deuteten erste Analysen darauf hin, dass in der kalten Jahreszeit womöglich Luftbefeuchter das Ansteckungsrisiko in Räumen verringern könnten, hatte Stephanie Pfänder von der Ruhr-Universität Bochum kürzlich erklärt. Von anderen Atemwegsinfektionen ist bekannt, dass trockene Raumluft die Tröpfchen mit Viruspartikeln eintrocknen lässt, sie bleiben in der Folge länger infektiös. Zudem kann der Körper solche Erreger bei feuchter Luft besser abwehren. Die hohe Luftfeuchtigkeit in Schlachthöfen dürfte die Verbreitung daher eher vermindern als verstärken.

Virus-Konzentration in Gebäuden höher als draußen

Entscheidend ist: Die Dosis macht das Gift. Im Freien verflüchtigen sich ausgestoßene Viruswolken wesentlich rascher als in Innenräumen - so sie nicht sehr gut gelüftet werden. Drosten hält das vermehrte Zusammensein in geschlossenen Räumen im Winter für einen entscheidenden Faktor beim Ausbreitungsrisiko. Studien haben gezeigt, dass die Coronavirus-Konzentration innerhalb von Gebäuden meist höher ist als an öffentlichen Plätzen.

Kritisch wird es also vor allem, wenn Menschen sich wieder mehr drinnen als draußen treffen - was letztlich natürlich auch ein Temperatureffekt ist. Ob es im Herbst und Winter zu einem rasanten Anstieg der Fallzahlen kommen wird oder nicht, hängt Experten zufolge vor allem von der Zahl der Infizierten im Spätsommer ab, davon, wie gut es gelingt, Infektionsketten früh aufzuspüren und zu unterbrechen - und von unser aller Verhalten. Abstand bleibt das Gebot, so lange sich die Pandemie nicht durch Impfungen stoppen lässt.

RND/dpa

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