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Coronavirus in Großbritannien: Schulen auf, Masken runter – kann das gut gehen?

  • In vielen Teilen Großbritanniens beginnt diese Woche der Schulunterricht.
  • Einschränkungen sind nicht geplant, Priorität habe laut UK-Bildungsminister ein „normaler Schulalltag“.
  • Expertinnen und Experten sind besorgt, wie sich dies auf Corona-Fallzahlen auswirken wird.
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Es ist der erste Schultag an der Charter School North Dulwich im Süden Londons. Schülerinnen und Schüler, gekleidet in dunkelblaue Schuluniformen, betreten die Turnhalle und nehmen auf pinken Stühlen an jeweils einem der zahlreichen Tische Platz. Dort werden sie der Reihe nach getestet – auf Covid 19. Auf die Frage, was sie sich für dieses Schuljahr wünschen, finden viele schnell eine Antwort: „Wir hoffen, dass wir dieses Schuljahr nicht in Quarantäne müssen“, berichten sie den Reporterinnen und Reportern des Fernsehsenders Sky News.

Seit dieser Woche gehen die Kinder und Jugendlichen in Wales und England wieder in die Schule. Dort sollen sie zwar regelmäßig getestet werden, weitere Einschränkungen sind momentan jedoch nicht vorgesehen. Sie müssen keine Masken tragen, können sich frei bewegen. Kritik an dieser Strategie üben zahlreiche Gewerkschaften. Sie fürchten, dass die Zahl der Covid-Fälle durch die Öffnung der Schulen ohne weitere Maßnahmen erneut steigen könnten.

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Jetzige Priorität: „Einen so normalen Schulalltag wie möglich“

Aktuell sinkt die Inzidenz in Großbritannien zwar leicht, sie ist jedoch mit einem Wert von 345 weiterhin sehr hoch. Allein am Mittwoch starben 207 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion. Britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler äußern sich besorgt. Der Epidemiologe Tim Spector vom Kings Kollege in London betonte gestern gegenüber der BBC, wie wichtig es sei, sich zweimal impfen zu lassen.

Yvonne Doyle, Direktorin der Gesundheitsbehörde Public Heath England, ging gestern auf die Bedenken angesichts der Schulöffnungen ein, relativierte sie jedoch. „Natürlich erwarten wir, dass die Fallzahlen steigen. Aber das liegt dann vor allem daran, dass wir häufiger testen“, sagte sie der BBC. Priorität habe laut Bildungsminister Gavin Williamson vor allem eines: „Es ist wichtig, dass die Schüler einen so normalen Schulalltag wie möglich haben.“

Die ganz große Katastrophe blieb überraschenderweise aus

Zurück zur Normalität. Dieses Motto gilt in Großbritannien schon seit Juli dieses Jahres. Seit dem sogenannten Freedom Day fielen unter der Regierung von Boris Johnson nahezu alle Corona-Schutzmaßnahmen. Im August ließen dann auch Schottland, Wales und Nordirland die Beschränkungen fallen. Clubs und Pubs wurden geöffnet, das Tragen einer Maske freiwillig und Treffen ohne Auflagen erlaubt.

Während in Deutschland viele Menschen weiterhin Abstand hielten, standen in London die Menschen in der U-Bahn schon bald wieder dicht an dicht. Beobachterinnen und Beobachter fürchteten damals eine erneute Katastrophe. Die Labour-Opposition bezeichnete die Lockerungen als fahrlässig, viele Epidemiologinnen und Epidemiologen hielten sie zumindest für verfrüht.

Doch die ganz große Katastrophe blieb zur Überraschung vieler Expertinnen und Experten aus. Im Gegenteil: Die Infektionszahlen sanken bis Ende Juli sogar. Der Virologe Lawrence Young von der University of Warwick machte dafür das gute Wetter und die damals hohe Impfquote dafür verantwortlich. Im Verlauf des Augusts stiegen die Zahlen in einigen Regionen des Landes dann jedoch wieder deutlich an – vor allem in Schottland, zur Zeit der Schulöffnungen.

Corona-Folgen kosten jährlich 10 Milliarden Pfund

Außerdem litt das Land unter der so genannten „Pingdemie“. Damit gemeint ist der Umstand, dass viele Menschen durch die staatliche Corona-App wegen eines Risikokontaktes in Quarantäne geschickt wurden. Die Folgen für die Wirtschaft waren immens: Restaurants und Pubs blieben geschlossen, Lebensmittelregale leer.

Die finanziellen Folgen durch Covid-19 sind jedoch auch für das britische Gesundheitssystem hoch. Erst gestern hieß es vonseiten des National Heath Service (NHS): Man benötige jährlich 10 Milliarden Pfund mehr, um die durch Covid-19 verursachten Mehrkosten zu decken und eine gute Versorgung aufrechtzuerhalten.

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