Corona-Regeln: Die ungeklärten Fragen betreffen meistens die Kinder

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
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  • In dieser Woche: Große Verwirrung um neue Regeln.
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Liebe Leserinnen und Leser,

die Unsicherheit ist zurück. Für ein paar Wochen war – relativ – klar, was derzeit erlaubt ist und was nicht. Jetzt scheinen sich die Regeln, Empfehlungen und Anweisungen gefühlt täglich zu ändern. Es wird intensiv über Maßnahmen und Konzepte diskutiert, obwohl noch völlig unklar ist, ob sie überhaupt gelten werden – oder doch schon irgendwo gelten? Das Treffen von Bundeskanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten hat diese Woche nicht zur Aufklärung beigetragen. Im Gegenteil: Die Entscheidung über strengere Maßnahmen wurde vertagt. Noch mehr Zeit zum Spekulieren. Weiter bloß von Woche zu Woche planen.

Der Frust ist besonders bei Lehrern, Eltern und Schülern groß. „Wie ein Versuchskaninchen“ oder „wie Kanonenfutter“ fühlen sie sich, berichten Betroffene. „Jeden Morgen denkst du: Mal gucken, was heute passiert. Ich träume sogar schon davon“, erzählt eine Grundschullehrerin. Denn wenn es ein Thema gibt, das sich durch diese Pandemie zieht, dann ist es, dass die größten ungeklärten Fragen meistens die Kinder zu betreffen scheinen. Dabei geht es nicht nur um die immer noch diskutierte Frage, ob die Jüngsten nun Treiber der Pandemie sind oder nicht. Es fehlt auch der politische Rahmen – etwa dafür, wie die Schulen und Kitas gut durch den Winter kommen.

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Ein bisschen Ordnung haben wir versucht, in diesem Text zu schaffen: Freunde treffen, Maske tragen, Spielplatz: Welche Regeln gelten für Kinder im Teil-Lockdown? Tatsächlich ist aber oft die beste Lösung, wenn Sie sich direkt bei Ihrer Kommune über die geltenden Regeln informieren – das Regelchaos lässt grüßen.

Wir wollen Sie trotzdem so gut wie möglich informieren. Bleiben Sie gesund!

Anna Schughart

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Erkenntnis der Woche

Nach dem deutschen Pharmaunternehmen Biontech hat nun auch der US-Konzern Moderna diese Woche bei Impfstofftests einen Schutz von mehr als 90 Prozent gemeldet. Die beiden Impfstoffe weisen große Ähnlichkeit auf – und verbreiten damit eine ähnliche Hoffnung. Doch bei beiden Impfstoffen gibt es auch noch ähnliche, offene Fragen: Wie gut schützen die Impfstoffe in bestimmten Altersgruppen? Wie lange hält ihr Schutz? Noch stammen die Informationen, die man zu den Vakzinen von Biontech und Moderna hat, aus Pressemitteilungen und nicht aus veröffentlichten Studien. Aber auch wenn es noch Unsicherheiten gibt: Dass es nun zwei vielversprechende Impfstoffkandidaten gibt, darf Mut machen.

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Alltagswissen

Restaurants und Fitnessstudios sind geschlossen, Kontakte sollen beschränkt werden: Doch auch, wer sich strikt an die derzeit geltenden Anti-Corona-Maßnahmen hält, muss hin und wieder Nahrungsmittel einkaufen. Wie groß ist die Gefahr, sich dabei mit Corona zu infizieren? Viele Studien gibt es dazu nicht. Einzelne Untersuchungen aus den USA und China zeigen aber, dass es in Supermärkten auch zu Infektionen kommen kann. US-Forscher um den Mediziner Justin Yang nehmen an, dass viele Infektionen bei Supermarktmitarbeitern auf Kunden zurückgehen könnten.

Deutsche Experten halten jedoch Masken und die sogenannten Spuckscheiben an der Supermarktkasse für wirksame Mittel. Eine dicht sitzende Alltagsmaske könne die Menge an Umgebungsviren „zwischen zehn und dreißig Prozent reduzieren, eine medizinische FFP2-Maske weit über 90 Prozent“, schätzt der Göttinger Aerosolforscher Eberhard Bodenschatz.

Zitat der Woche

Kunden, die keine Masken tragen, lassen sich oft nichts sagen.

Petra Ringer von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi über Anfeindungen und auch tätliche Angriffe auf Verkäufer

Forschungsfortschritt

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Wenn ein Patient Covid-19 überstanden hat, gilt er als genesen. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass er auch wieder gesund und fit ist. Die Langzeitfolgen von Covid-19 werden derzeit in vielen verschiedenen Studien untersucht. Selbst nach leichten Verläufen werden längerfristig Müdigkeits­erscheinungen, Merkstörungen, Gedächtnis­probleme oder Wortfindungs­störungen beobachtet. Wissenschaftler aus Großbritannien haben nun herausgefunden, dass die Organe auch bei Patienten mit milden Corona-Symptomen langfristig beeinträchtigt sein können. Das trifft zudem auch bei jüngeren und auch sonst gesunden Menschen zu. Eine Frage, auf die es aber bisher laut Recherchen von RND-Autor Christoph Höhland noch keine wirkliche Antwort gibt: Welche Kosten verursachen diese Langzeitfolgen für Kranken- und Rentenkassen?

Pandemie im Ausland

In Österreich gilt seit Dienstag ein Lockdown. Häuser und Wohnungen dürfen nur mit triftigem Grund verlassen werden. Bis zum 6. Dezember gelten für die neun Millionen Einwohner strikte Ausgangsbeschränkungen. An Großveranstaltungen ist dort, wie auch in Deutschland, überhaupt nicht zu denken. Anders in Taiwan: Dort fand am Wochenende das „Road to Ultra Taiwan“-Festival statt, bei dem Zehntausende Fans elektronischer Musik ausgelassen feierten. Möglich ist das unter anderem, weil Taiwan Corona sehr früh ernst genommen hat, analysiert RND-Autor Daniel Killy. Die Quarantänevorgaben sind strikt und das Land hat auch viel aus der ersten Sars-Epidemie gelernt.

Ein in diesen Zeiten ungewohntes Bild: Tanzende Menschen während der Taiwan Pride Parade. Mehr als 130.000 Teilnehmer waren am 31. Oktober bei der Umzug für die Rechte von LGBT auf den Straßen der Hauptstadt Taipeh. © Quelle: imago images/ZUMA Wire

Was kommt

Erneute Beratungen: Nachdem die Ministerpräsidenten am Montag verbindlichere Corona-Regeln abgelehnt hatten, gehen die Verhandlungen am Mittwoch kommender Woche in die nächste Runde. Kanzlerin Angela Merkel rechnet allerdings mit schwierigen Verhandlungen über eine Corona-Strategie bis Weihnachten und Silvester.

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Schon jetzt zeichnet sich allerdings ab, dass in den kommenden Wochen den Antigentests eine immer größere Rolle zukommen wird. Mit Antigenschnelltests könne man Menschen, die hoch ansteckend seien, schnell und sehr sicher entdecken, sagt die Virologin Sandra Ciesek. Sie glaube, „dass wir mehr Bereiche, die uns wichtig sind, absichern könnten mit diesen Tests“, etwa Besuche in Altenheimen oder Schulen. RND-Autorin Anne Grüneberg hat untersucht, welche Chancen darin für Messen, Konzerte und Fußballspiele bestehen. Allerdings warnt eine aktuelle Charité-Studie auch: Nicht alle Corona-Schnelltests sind zuverlässig.

Was die Pandemie leichter macht

Oft genug sind Kollegen auch enge Freunde oder Bekannte. Ratsam ist es deshalb, ruhig ab und zu zum Telefon zu greifen, und ein kurzes Gespräch über private Themen zu führen. © Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/

Die Homeofficebasics kennt inzwischen jeder: Ordentlicher Bürostuhl, auf die Zahl der gearbeiteten Stunden achten, eine gute Internetverbindung. Doch der tägliche Kontakt mit den Kollegen lässt sich nicht so einfach ersetzen. „Es kommen weniger neue Kontakte, neuer Input und spontane Ideen zustande. Dabei ist das eigentlich entscheidend bei Teamarbeit“, sagt Wolfgang Prinz, Homeofficeexperte beim Fraunhofer-Institut für Informationstechnik. Er rät deshalb zum Beispiel zu digitalen Meetings ohne Agenda, auf denen einfach mal geplauscht werden kann. Eine Alternative können auch Tools aus dem Gamingbereich sein, wie beispielsweise Discord, das eine permanente Audioverbindung mit mehreren Beteiligten erlaubt.

Unterhaltungstipps für digitale Familienfeiern, hat RND-Redakteurin Mila Krull gesammelt: vom Escape-Room bis zum Onlinewichteln.

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