Florida, Texas, Kalifornien: Die neuen Corona-Hotspots in den USA

  • Über 3,2 Millionen Infizierte, fast 135.000 Tote: Die USA kriegen die Ausbreitung des Coronavirus nicht unter Kontrolle.
  • Nach New York haben sich drei Bundesstaaten zu den neuen Hotspots entwickelt: Florida, Kalifornien und Texas.
  • Die frühen Lockerungen haben sich gerächt, meint US-Immunologe Anthony Fauci.
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Die USA zählen nach Angaben der Johns-Hopkins Universität über 3,2 Millionen Corona-Infizierte und knapp 135.000 Tote (Stand 12.07.2020, 11.50 Uhr) – mehr als jedes andere Land der Welt. Seit der ersten Zuspitzung der Pandemie im März ist es dem Land nicht gelungen, weniger als 20.000 Neuninfektionen pro Tag zu erreichen. Im April war New York noch der Corona-Hotspot in den USA. Doch während sich die Lage dort beruhigt hat, verzeichnen vor allem die Bundesstaaten Texas, Kalifornien und Florida einen starken Anstieg der Zahlen.

Fauci: Lockerungen in manchen Bundesstaaten kamen zu früh

Die USA meldeten jüngst einen neuen Rekordwert bei den Corona-Neuinfektionen. Über 66.000 neue Fälle wurden an nur einem Tag gezählt – das entspricht einem Drittel der Gesamtzahl an bestätigten Infektionen in Deutschland. Trotz der negativen Erfahrungen, die die US-Amerikaner in New York mit über 32.000 Toten machen mussten, ist die Ausbreitung des Coronavirus außer Kontrolle geraten. Doch warum eigentlich?

Dass die USA täglich derart hohe Anstiege bei den Neuinfektionen verzeichnen, führt US-Immunologe Anthony Fauci auch auf die Zerstrittenheit der amerikanischen Politik zurück: “Ich denke, man muss davon ausgehen, dass es ohne eine solche Spaltung einen koordinierteren Ansatz geben würde.” Einigen Politikern in den Vereinigten Staaten, allen voran Präsident Trump und einigen Gouverneuren, wurde mehrfach vorgeworfen, in der Pandemie Entscheidungen unter politischen und nicht gesundheitlichen Gesichtspunkten zu treffen.

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Fauci nennt jedoch einen anderen, schwerwiegenderen Grund für den extremen Anstieg der Fälle: Der Immunologe macht frühe Lockerungen in einigen Bundesstaaten für die neuen, teils dramatischen Corona-Ausbrüche in vielen Teilen der USA verantwortlich. “In einigen Staaten sprangen die Gouverneure und Bürgermeister im Wesentlichen über die Richtlinien und Kontrollpunkte und öffneten etwas zu früh”, sagte Fauci. Als Beispiel dafür, dass einige Richtlinien außer Acht gelassen wurden, nannte er Florida.

Corona-Hotspot Florida: County in Miami mit vielen positiven Tests

In Florida öffneten schon im Mai nach und nach die Geschäfte und an den Stränden versammelten sich schnell wieder viele Badegäste. Im Juni kamen Bars hinzu, doch sie wurden angesichts der steigenden Fallzahlen wieder dicht gemacht. Gouverneur Ron DeSantis musste deshalb auch am nationalen Feiertag am 4. Juli viele Strände schließen. In dem Bundesstaat zählen die Behörden gut 230.000 bestätigte Infektionen und 4000 Tote. Erst kürzlich starben innerhalb eines Tages 120 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Virus, einen Tag zuvor gab es 9000 Neuinfizierte – ein trauriger Rekord für Florida. Die Krankenhäuser stoßen an ihre Grenzen. Im County Miami-Dade, einem der Corona-Hotspots in Florida, fielen 33 Prozent der Corona-Tests positiv aus. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Corona stieg in den vergangenen 13 Tagen um 76 Prozent.

Für den Bezirk von Miami in Florida ordnete der Politiker Carlos Gimenez am vergangenen Montag eine Schließung von Restaurants, Fitnessstudios und Ferienwohnungen an – sieben Wochen, nachdem diese wieder öffnen durften. “Wir wollen sicher stellen, dass unsere Krankenhäuser weiterhin das Personal haben, das für die Rettung von Leben erforderlich ist”, sagte er. Trotz der steigenden Coronavirus-Fallzahlen hat der Freizeitpark “Walt Disney World” in Florida seine Türen wieder für Besucher geöffnet. Am Eingang werde die Körpertemperatur gemessen und Abstands- und Hygieneregeln müssten eingehalten werden. Medienberichten zufolge kamen zur Eröffnung Tausende Besucher.

Corona-Hotspot Kalifornien: Immer mehr Lockerungen

Kalifornien hingegen galt am Anfang der Corona-Krise in den USA als Vorbild. Der bevölkerungsreichste Bundesstaat hatte als einer der ersten strenge Ausgangsbeschränkungen verhängt. Die Zahl der Corona-Fälle blieb somit gering, auch die sogenannte Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag zeitweise unter 1,0. Inzwischen wurden nach den Lockerungen jedoch knapp 310.000 Fälle und 7000 Tote registriert. Ähnlich wie in Florida füllten sich schon im Mai wieder die Strände, Restaurants und Geschäfte. Aktuell melden die Behörden im Schnitt 8000 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden. Die Hälfte der 58 sogenannten Counties (Bezirke) stehen mittlerweile auf einer “Watchlist”, also einer Beobachtungsliste. Die Gesundheitsbehörden behalten die betroffenen Counties hinsichtlich gemeldeter Neuinfektionen und Covid-19-Patienten auf Intensivstationen im Blick.

Anfang Juli reagierte Kalifornien auf den Anstieg der Coronavirus-Neuinfektionen mit einer Rücknahme von Lockerungen. In 19 stark betroffenen Bezirken, darunter auch Los Angeles County, mussten Restaurants ihre Innenbereiche wieder schließen. Das gilt auch für den Betrieb von Kinos, Weingütern, Museen und Zoos. Auch werden Friseurläden, Salons und Fitnesscenter in San Francisco nicht wie geplant in der kommenden Woche wieder öffnen. Die Einschränkungen sollen mindestens noch gut anderthalb Wochen lang gelten. Wegen mehrerer Infektionsfälle in Gefängnissen musste Kalifornien bereits 8000 Gefangene vorzeitig entlassen.

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Chronologie des Coronavirus
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Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © RND
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Corona-Hotspot Texas: Maskenpflicht erst seit Anfang Juli

Texas bewegt sich hinsichtlich der Corona-Infektionen ebenfalls in einer ähnlichen Größenordnung wie Kalifornien und Florida. Der Bundesstaat, der hinter Kalifornien die zweithöchste Bevölkerungszahl hat, meldete inzwischen fast 260.000 Infektions- und über 3200 Todesfälle seit Beginn der Pandemie. Schon Ende April war der Lockdown hier beendet worden, doch Texas musste Ende Juni gleichwohl als einer der ersten US-Bundesstaaten die Lockerungen wieder zurückfahren. Restaurants mussten wieder ihre Kapazitäten verringern, Bars wurden sogar ganz geschlossen. Denn die Infektionszahlen steigen extrem an – und die Krankenhäuser sind heillos überlastet. Und noch ist kein Ende in Sicht: “Es wird kritisch und ich glaube, wir befinden uns auf dem Weg zur Hölle”, kommentierte etwa Dr. Joseph Varon vom Krankenhaus “United Memorial Medical Center” in Houston in Hinblick auf die kommenden zwei Wochen gegenüber “Sky News”.

In Texas vollzog Gouverneur Greg Abbott angesichts des dramatischen Anstiegs der Neuinfektionen eine Kehrtwende. Der Republikaner ordnete Anfang Juli eine Maskenpflicht für alle Bezirke mit 20 oder mehr Corona-Fällen an. Damit könne die Ausbreitung des Virus nicht nur verlangsamt, sondern auch die Wirtschaft am Laufen gehalten werden, erklärte Abbott. Der Schritt war bemerkenswert. Immerhin hatte Abbott noch im Juni gesagt: “Die Regierung kann nicht vorschreiben, dass Einzelpersonen Gesichtsmasken tragen müssen.” Trotz der verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des Virus hat Texas in der vergangenen Woche einen Rekordwert von über 10.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages verzeichnet.

RND/bk/dpa/AP

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