Ende der Impfwoche: mehr großes Ganzes statt kleines Karo!

  • Die Impfwoche von Bund, Ländern und Kommunen geht zu Ende.
  • Nur rund 200.000 haben sich pro Tag locken lassen – im Juni waren es häufig mehr als eine Million täglich.
  • Es muss endlich eine Strategie her, die gesellschafts­politisch taugt, sonst wird es ein düsterer Herbst, meint Daniel Killy.
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50.000 Menschen feiern beim Stadion­­konzert ausgelassen ohne Masken, sämtliche Corona-Einschränkungen sind Geschichte – die Quote der komplett Geimpften liegt bei 75 Prozent: In Deutschland gehen viele sehnsüchtige Blicke gen Norden, zu unserem Nachbarn Dänemark.

Bei uns hingegen liegt der Prozent­satz der Durch­geimpften bei knapp 63 Prozent. Eine Pizza zum Piks, ein Imbiss zur Impfung, das sind die Methoden, mit denen das Industrie­land Deutschland während einer Aktions­woche versuchte, impffaule Bürger an die Nadel zu kriegen. Alternativ wird auf dem Boulevard für eine Impfprämie von 50 Euro geworben.

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Man fasst sich an den Kopf. Müssen wir wirklich mit Belohnungen dazu gebracht werden, durch zwei kleine Injektionen für unsere eigene und die Gesundheit unserer Mit­menschen zu sorgen? Common Sense, der berühmte angel­sächsische Gemein­schafts­sinn, der lässt sich leider nicht behördlich verordnen – und eine Impfpflicht ist hierzulande politisch nicht durchsetzbar, weil verfassungs­rechtlich nicht unum­stritten.

Es bleiben also nur eher sanfte Methoden. Genauer gesagt, eine: die Überzeugungs­arbeit. Hier bedarf es aber auch einer stärkeren politischen Hand. Den kleinen, wenn auch lautstarken Teil der Bevölkerung, der Verschwörungs­mythen anhängt oder diese Gesellschaft offen ablehnt, den gilt es, statistisch auszupreisen.

Alle anderen aber, die zögern, sich vielleicht fürchten vor der Impfung und deren möglichen Implikationen, die muss man anders überzeugen als mit Wurst oder Pizza – mit Freizügigkeit. Hier heißt das Zauberwort 2G: Wer geimpft und/oder genesen ist, für den entfallen sofort alle Beschränkungen bis auf den Mund-Nasenschutz.

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Das funktioniert in einigen Bundesländern schon – und täglich werden es mehr. 2G, das ist sowohl verfassungs­rechtlich und ethisch unbedenklich, da es ja die Wieder­einsetzung in einen normalen Rechts­zustand bedeutet und nicht das Zuerkennen dubioser Privilegien.

Was wir brauchen, das sind keine Appetit­häppchen oder 50-Euro-Alimente – das ist 2G: Wer sich impfen lässt (sofern es seine medizinische Disposition zulässt), muss mehr dürfen dürfen als Menschen, die sich dem Selbst- und Allgemein­schutz verweigern. So einfach könnte es sein – und die Impfquote, sie würde dann auch wieder spürbar steigen. Gefragt ist bei der Bekämpfung der Pandemie eben das große Ganze und nicht das kleine Karo.

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