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Party in Israel, Skepsis in China: So impfen andere Länder gegen Corona

  • Während die Inzidenzzahlen in Deutschland täglich steigen, können Israelis längst wieder zwanglos in den Bars und Restaurants von Tel Aviv feiern.
  • Das Impftempo kann darüber entscheiden, wie schnell Beschränkungen gegen die Ausbreitung des Virus aufgehoben werden können.
  • Ein Überblick, wie andere Länder gegen Corona vorgehen – und wie das das Leben seiner Bewohnerinnen und Bewohner beeinflusst.
Markus Schönherr
Win Schumacher
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Ein vermasselter Impfkampagnenstart, zu wenig Impfstoff und fehlende Organisation: In Deutschland läuft das Impfen seit Beginn des Jahres nur schleppend an. Insgesamt wurden 9.209.527 Menschen geimpft – das sind gerade einmal 11,1 Prozent (Stand 30.03.2021). Die Hoffnungen liegen nun auf dem neuen Quartal ab April. Aber wie klappt das Impfen in anderen Ländern eigentlich? Ein Überblick.

United Kingdom: „Ein kleiner Schritt Richtung Freiheit“

Die Erleichterung war im ganzen Land spürbar, als es am Montag wieder erlaubt war, draußen Tennis zu spielen und in Freibecken schwimmen zu gehen. Als sich wieder zwei Haushalte oder maximal sechs Menschen im Garten oder Park treffen durften. Man könne „diesen kleinen Schritt in Richtung Freiheit gehen“, sagte Premierminister Boris Johnson, „wegen monatelanger Opfer und Anstrengungen“.

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Tatsächlich galt in Großbritannien drei Monate lang ein harter Lockdown inklusive der Stay-at-Home-Regel, laut der die Bürger ihr Zuhause nur zum Einkaufen, Sport und aus wenigen anderen Gründen verlassen durften. Zwar bleiben weiterhin alle Geschäfte, Restaurants oder Friseure geschlossen, private Kontakte in Innenräumen außerhalb des eigenen Haushalts sind ebenfalls nicht gestattet.

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Doch Mitte April soll es weitere Lockerungen geben. Immerhin sind die Infektionszahlen wie auch die der an oder mit Covid-19 Verstorbenen massiv gesunken. Das liegt einerseits am Lockdown, andererseits am großen Impferfolg. Knapp 31 Millionen Menschen auf der Insel haben bereits ihre erste Impfung erhalten und damit fast 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

Etwa 3,7 Millionen Bürger – und damit rund 7 Prozent aller Erwachsenen – sind vollständig mit beiden Dosen geimpft. Man verabreicht die Vakzine mit Unterstützung von Ehrenamtlichen und des Militärs jeden Tag, auch an Sonn- und Feiertagen, ob in Kliniken oder Hausarztpraxen, in Apotheken oder Heimen, in zu Impfzentren umfunktionierten Fußball-Stadien oder Kathedralen.

Die Briten sind stolz auf den Erfolg des Programms, umgesetzt mit großer Effizienz vom nationalen Gesundheitsdienst NHS und schon ab April 2020 von einer von der Regierung betrauten „Vaccine Taskforce“ organisiert. Die Bürger erhalten – je nachdem, welcher Alters- beziehungsweise Risikogruppe sie angehören – SMS und Briefe mit ihren Terminen. Und das Vertrauen in den NHS ist groß, dementsprechend auch die Bereitschaft, sich impfen zu lassen.

Im Königreich, wo dank schnellerer Zulassung bereits seit dem 8. Dezember geimpft wird, verfolgt man die Strategie, den Abstand zwischen den beiden Impfungen auf zwölf Wochen zu verlängern, um trotz Impfstoffknappheit so vielen Menschen wie möglich einen gewissen Schutz zu gewähren.

Großbritannien und Israel haben ein hohes Impftempo vorgelegt. Besonders die USA wollen jetzt schnell aufholen. © Quelle: imago/Agencia EFE/Xinhua/ZUMA Wire/McPhoto/Russian Look/VCG/RND-Montage Behrens

Jüngste Untersuchungen geben dem Vorgehen Recht. Die Taktik rette Leben, sagte der Wissenschaftler Anthony Harnden von der Universität Oxford. Sie könnte den Briten bald schon weitreichende Freiheiten gewähren. Nach schrittweisen Lockerungen will die Regierung am 21. Juni alle Corona-Regeln aufheben – und eine Rückkehr zum normalen Leben ermöglichen.

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China: Hohe Impfskepsis trotz guter Infrastruktur

Auf den ersten Blick wirkt die chinesische Impfgeschwindigkeit überaus beeindruckend: Bis zum Wochenende haben die Behörden stolze 100 Millionen Dosen verabreicht. Doch hochgerechnet auf die Bevölkerungsgröße von 1,4 Milliarden ist die Volksrepublik beim Durchimpfen pro 100 Personen derzeit nur etwa halb so schnell ist wie etwa Deutschland.

An der Impfstoffproduktion hapert es jedoch nicht, denn China hat seine Kapazitäten im Vergleich zu Februar mehr als verdreifacht. Über fünf Millionen Impfdosen pro Tag werden im Reich der Mitte gefertigt. Und auch die Infrastruktur zum Impfen steht längst bereit.

Doch entgegen der weitläufigen Meinung gibt es unter vielen Chinesen eine hohe Impfskepsis. Aktuelle Studien aus Shanghai und der Provinz Zhejiang kommen zu dem Ergebnis, dass sich nur rund die Hälfte der Bewohner impfen lassen wollen.

Das hat zum einen mit vergangenen Impfskandalen heimischer Pharmaunternehmen zu tun, aber hängt auch mit dem epidemiologischen Erfolg der Behörden zusammen. Derzeit spielt nämlich eine Ansteckungsgefahr aufgrund der extrem niedrigen Infektionszahlen im Alltag praktisch keine Rolle mehr. Der Anreiz, sich impfen zu lassen, ist dementsprechend niedriger.

Der größte Unterschied zwischen der chinesischen und deutschen Impfstrategie liegt in der Priorisierung: In der Volksrepublik werden Seniorinnen und Senioren nicht als Erstes geimpft, sondern werden bislang ausgeschlossen. Noch wollen die Behörden mehr Daten zur Sicherheit der Impfstoffe für gehobene Altersgruppen sammeln, heißt es.

Afrika: Noch Jahre bis zur Herdenimmunität?

Vergangenen Donnerstag landete eine Transportmaschine am Flughafen von Juba. Südsudans Gesundheitsministerin, Elizabeth Acuei, sprach von einem „historischen Ereignis“, denn an Bord befanden sich die ersten Impfdosen gegen das Coronavirus. Sie gaben dem ostafrikanischen Land, gezeichnet von Armut und Bürgerkrieg, neue Hoffnung.

Laut WHO haben 44 von Afrikas 54 Staaten ihre ersten Impfstoffe erhalten – entweder dank Spenden, durch Direktkäufe bei den Herstellern, oder über die Impfinitiative COVAX. Auch der Südsudan sicherte sich seine Dosen über die globale Allianz, durch die reiche Länder den ärmeren den Zugang erleichtern.

Bisher konnten knapp acht Millionen Afrikaner immunisiert werden. Bei einer Bevölkerung von 1,2 Milliarden scheint das gering, dennoch lobt die WHO: „Die Länder kommen in der ersten Auslieferungsphase gut vorwärts.“

Trotz erster Erfolge herrscht Sorge in der Afrika-Zentrale der WHO. Denn Berichten zufolge strich das Institute of India alle großen Vakzin-Lieferungen ins Ausland, um die indische Bevölkerung zu priorisieren. Der Pharmariese war Afrikas wichtigste Impfstoffquelle.

„Während einige reiche Länder dabei sind, ihre gesamte Bevölkerung zu impfen, ringen viele in Afrika darum, überhaupt ihre Risikogruppen abzudecken“, so WHO-Regionaldirektorin Matshidiso Moeti.

Für mehr Solidarität zwischen den Weltregionen plädiert auch der Direktor der kontinentalen Gesundheitsbehörde, Dr. John Nkengasong: „Es gibt keinerlei Grund für uns als Menschheit, in dieser Pandemie in einen Vakzin-Krieg zu treten. Verlierer wären wir alle.“

USA: Wettlauf mit der vierten Welle – Impftempo wird weiter erhöht

Der Präsident hatte das Rednerpult schon verlassen, als ihm ein Reporter noch eine Frage hinterherrief: „Meinen Sie, dass die Bundesstaaten bei der Öffnung pausieren sollen?“ „Ja“, antwortete Joe Biden ebenso kurz wie entschieden. Zuvor schon hatte er eindringlich an die Gouverneure appelliert, die teilweise aufgehobene Maskenpflicht wieder einzuführen. Eigentlich machen die USA seit Bidens Amtsantritt in der Corona-Pandemie positive Schlagzeilen: In Rekordgeschwindigkeit hat seine Regierung eine rasante Impfkampagne hochgefahren. Tag für Tag erhalten rund drei Millionen Amerikaner eine Spritze. Jeder Dritte hat inzwischen mindestens eine Dosis bekommen, jeder Sechste ist voll geschützt.

Doch seit Neuestem bereiten Experten andere Zahlen große Sorgen: Die Infektionen legen wieder zu. Rochelle Walensky, Chefin der Gesundheitsbehörde CDC, warnte am Montag eindringlich vor einem „drohenden Unheil“. Das Land habe „so viel Grund für Hoffnung“, sagte die renommierte Wissenschaftlerin: „Aber im Moment habe ich Angst.“ Nachdem die Covid-Neuinfektionen in den USA seit dem Jahresbeginn drastisch gesunken waren, hat die Kurve vor zwei Wochen die Richtung gewechselt. Am Montag infizierten sich nach Daten der Johns Hopkins-Universität 68 000 Menschen – gut 30 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Vor allem im Nordosten breitet sich das Coronavirus aus. In New York City etwa liegt die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen bei 450. Landesweit steht der Wert bei 130.

Vor allem jüngere, ungeimpfte Menschen müssen in Kliniken. Viele haben sich mit der britischen Variante infiziert. So kommt es zum Wettlauf zwischen der Impfkampagne und der drohenden vierten Welle in den USA, wo bereits 560 000 Menschen an Covid-19 gestorben sind. „Wir können das gewinnen, wenn wir nur ein bisschen länger ausharren“, ist Topinfektionsexperte Anthony Fauci überzeugt. Joe Biden macht kein Hehl daraus, dass er die Entwarnung, die viele – vor allem republikanische – Bundesstaaten ausgesprochen haben, für verfrüht und gefährlich hält.

Tatsächlich müssten sich die Amerikaner wahrscheinlich nur wenige Wochen gedulden. Denn anders als in Deutschland kommt die Impfkampagne rasend schnell voran. Mehr als 145 Millionen Dosen wurden bereits verabreicht. Bis zum 19. April sollen 90 Prozent aller Amerikaner impfberechtigt sein. In Texas, Kansas, Louisiana, North Dakota, Ohio und Oklahoma gibt es seit Montag keinerlei Priorisierungen mehr. In New York können sich alle über 30-Jährigen für einen Termin anmelden. Anlass zur Hoffnung gibt auch eine Studie der CDC. Danach schützen die Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna bereits nach einer einzigen Spritze zu 80 Prozent vor Infektionen.

Russland: Das Ausland will Sputnik - das eigene Volk verschmäht den Stoff

Russland verkauft seinen Impfstoff gegen Corona in die ganze Welt, aber die eigene Bevölkerung verweigert sich dem Vakzin. Dem Staat und den Herstellern ist das nur recht. Denn das erleichtert den internationalen Prestigeerfolg, und auch das Volk ist zufrieden, weil es nicht mit einem Serum behelligt wird, dem es nicht traut.

4,5 Prozent der Russen haben nach Angaben des Internetportals Gogov.ru bisher eine Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten – eine Zahl, die erstaunlich wenig Widerspruch hervorruft. Offizielle Zahlen zur Impfquote werden in Russland nicht veröffentlicht, doch Gogov.ru gilt als seriös. Das müsste der Ziffer 4,5 Brisanz verleihen, denn sie macht weniger als die Hälfte des deutschen Vergleichswertes von 10,1 Prozent aus, der im internationalen Vergleich ja auch hinterherhinkt.

Doch während das lahme Impftempo in Deutschland zu einer erhitzten gesellschaftlichen Debatte geführt hat, bleibt der entsprechende Aufschrei in Russland aus. „Volk, Staat und Impfstoffhersteller sind mit der derzeitigen Situation alle zufrieden“, sagt der Virologe Wassilij Wlassow von der Wirtschaftshochschule Moskau dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „In der Bevölkerung trauen viele den heimischen Impfstoffen wie Sputnik V oder EpiVacCorona nicht“, erklärt der Experte, „denn in den sozialen Netzwerken kursieren Gerüchte über schädliche Nebenwirkungen.“

Ob es diese tatsächlich gebe, könne von außen kaum nachgeprüft werden. Doch da Russland im Gegensatz zu Westeuropa oder den USA kaum offizielle Angaben zu wissenschaftlich nachweisbaren Begleitsymptomen veröffentliche, werde solchen Parolen oftmals geglaubt. Zudem unterschätzten die Menschen die tödliche Gefahr, die von Corona ausgehe, weil der Staat die offiziellen Corona-Todeszahlen verharmlose.

„Dem Kreml ist es außerdem nur recht, wenn die eigene Bevölkerung russische Impfstoffe nicht nachfragt“, legt Wlassow dar, „denn dann können sie außenpolitisch als ‚Soft Power‘ eingesetzt werden.“ Tatsächlich hat Russland seinen wichtigsten Corona-Impfstoff Sputnik V bislang in 57 Ländern registrieren können. „Bei diesem internationalen Prestigeerfolg sind die Hersteller zudem natürlich froh, dass sie im Inland keine Diskussion über mangelnde Produktionskapazitäten führen müssen, wie das in Deutschland geschieht.“

Israel: Zurück ins Leben mit dem „Grünen Pass“

Die Partylaune ist zurück. In den Restaurants und Bars von Tel Aviv und Jerusalem wird wieder geflirtet, gezecht und gefeiert – fast, als gäbe es keine Pandemie auf dieser Welt. Über 5,2 der rund neun Millionen Israelis sind inzwischen geimpft. 53 Prozent haben bereits die zweite Dosis erhalten (Stand 29.03.). Weltweit ist kein Land schneller mit den Impfungen. Bereits seit Ende Februar ist für viele Israelis ein Stück Normalität zurückgekehrt. Seither konnten nicht nur die meisten Schulen, Geschäfte, Märkte und Einkaufszentren wieder öffnen.

Auch Fitnesstudios, Schwimmbäder, Hotels, Theater und andere Kultur- und Freizeiteinrichtungen dürfen wieder aufmachen – diese allerdings nur für Israelis, die ihre Immunisierung mit einem „Grünen Pass“ auf dem Mobiltelefon oder einem ausgedruckten QR-Code nachweisen können. Ihnen stehen nun auch Kinos, Konzerthallen und Kunstausstellungen wieder offen. Mit der Kontrolle des Passes scheint man es jedoch kaum irgendwo sehr genau zu nehmen. Trotz der Lockerungen sank die Zahl der täglichen Neuinfektionen zuletzt stetig von mehr als 10.000 Mitte Januar auf zuletzt unter 500.

Auch die Zahl der Schwererkrankten und Toten nahm in den vergangenen Wochen deutlich ab. Israel ist ein junges Land, etwa 30 Prozent der Bürger sind unter 16 Jahre alt. Diese Altersgruppe kann bisher noch nicht geimpft werden. Doch auch für eine mögliche zukünftige Impfung von Jugendlichen und Kindern scheint der Staat vorgesorgt zu haben.

Dies ließ er sich einiges kosten: Mitte März war erstmals aus dem Finanzministerium zu vernehmen, dass bisher insgesamt 2,6 Milliarden Schekel (mehr als 660 Millionen Euro) für Impfstoffe gegen Covid-19 ausgegeben wurden. Laut Medienberichten wurden bis dato insgesamt 25 Millionen Impfdosen erworben. Dem Kabinett liegt bereits ein weiterer Antrag des Gesundheitsministeriums zur Beschaffung von zusätzlichen 30 Millionen vor.

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