Corona-Impfungen: So ist der Stand weltweit

  • Israel und Großbritannien impfen im Akkord.
  • Deutschland hinkt hinterher und andere Länder müssen erst noch mit Massenimpfungen starten.
  • Weltweit sind die Impfkampagnen- und quoten höchst unterschiedlich – ein Überblick.
Alice Mecke
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Hannover. Den ersten Piks in Europa gab es in Großbritannien. Am 8. Dezember 2020 erhielt die 90 Jahre alte Margaret Keenan die erste Corona-Impfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer. In den USA wurde einige Tage später, am 14. Dezember 2020, Sandra Lindsay, eine Intensivschwester am Long Island Jewish Medical Center in New York geimpft. Sie erhielt ebenfalls den Biontech-Pfizer-Impfstoff. In Deutschland wurde – außerplanmäßig – am 25. Dezember die erste Corona-Impfung einer 101-jährigen Heimbewohnerin verabreicht. Seitdem ist eine Menge passiert.

Internationale Zahlen sammelt die Onlineplattform Our World in Data (Owid). Diese sammeln Owid-Mitarbeiter in der Regel auf den Webseiten der Gesundheitsministerien. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht. Demnach wurden insgesamt bis zum 31. Januar weltweit 98.986.057 Corona-Impfungen verabreicht. Pro 1000 Einwohner macht das 7,1 Impfungen auf der Welt. Doch die weltweite Verteilung ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO extrem ungleich: Bisher wurden rund drei Viertel der Dosen in nur zehn Ländern gespritzt.

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Das absolute Vorreiterland ist Israel. Mehr als 4,8 Millionen Impfungen wurden bereits verabreicht, fast ein Drittel der Bevölkerung hat bereits die erste Impfung erhalten, so viel wie nirgends auf der Welt. Zudem wurde die Corona-Impfkampagne in Alters- und Pflegeheimen abgeschlossen. Insgesamt seien rund 160.000 Personen jeweils zweimal geimpft worden, darunter auch Pflegepersonal, teilte der zuständige Rettungsdienst Magen David Adom am Montag mit.

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate impfen auf Hochtouren, pro 1000 Einwohner erfolgten bereits 322 Corona-Impfungen, damit belegen sie weltweit den zweiten Platz. Auf Platz drei der weltweit meisten Corona-Impfungen kommt Großbritannien. Am Samstag verzeichnete das Land einen Rekord in Sachen Impfung: Nach Angaben der Regierung wurden im Vereinigten Königreich knapp 600.000 Impfdosen an nur einem Tag verabreicht. Die Zahl der Erstimpfungen liegt bei mehr als 9,7 Millionen.

Israel und Großbritannien: Keine schnelle Erholung

Weltweit wird mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, wie schnell und in welchem Umfang die Zahl der Infektionen und die Sterberate in den Impfvorbildländern sinken. Sechs Wochen nach Beginn der Impfkampagne in Israel bleiben die Infektionszahlen in dem kleinen Mittelmeerland hoch, 652.246 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages wurden laut John Hopkins Universität (JHU) verzeichnet (Stand: 2. Februar). Israelische Experten sehen die schnellere Ausbreitung der in Großbritannien erstmals entdeckten Mutation als Grund dafür und mahnen zur Geduld.

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Clalit, eine der größten Krankenkassen im Land, hat eine Gruppe von 200.000 Geimpften im Alter über 60 mit einer gleich großen Gruppe Nicht-Geimpfter verglichen. Demnach war die Zahl der Infizierten in der geimpften Gruppe bereits zwei Wochen nach der ersten Dosis um 33 Prozent niedriger als in der nicht-geimpften Gruppe.

Auch in Großbritannien bleibt die Lage angespannt. Zwar ist die Zahl der Neuinfektionen im Vereinigten Königreich in den vergangenen Wochen deutlich gesunken, doch liegt sie mit mehr als 18.000 Fällen, die allein am Montag gemeldet wurden, noch immer auf einem hohen Niveau. Auch bei der Zahl der Todesfälle gibt es einen Abwärtstrend. Am Montag wurden 406 neue Fälle verzeichnet. Dennoch liegt Großbritannien mit mehr als 3,8 Millionen Fällen weltweit auf Platz vier der meisten Corona-Fälle.

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Herdenimmunität: Nötige Impfquote hängt von Wirksamkeit ab

Die Idee der Herdenimmunität: Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger erkranken an Corona, da jede Infektionskette schnell wieder abbricht. Durch Herdenimmunität werden auch Personen geschützt, die sich noch nicht haben impfen lassen oder das auch gar nicht können.

Schätzungen der WHO zufolge müssten 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung gegen Covid-19 vollständig immun sein, also zwei Impfdosen erhalten haben, damit Infektionsketten regelmäßig unterbrochen werden können. Die für den Herdenschutz nötige Impfquote hängt allerdings auch von der Wirksamkeit der Impfstoffe oder der natürlichen Reproduktionszahl des Virus ab – und kann deshalb auch höher liegen.

Corona-Impfungen: Blick nach Europa

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In Europa hat die EU-Gesundheitsbehörde ECDC am Montag erste Vergleichsdaten zur Verabreichung und Verteilung der Corona-Impfstoffe in Europa veröffentlicht. Allerdings sind diese Daten zum derzeitigen noch nicht wirklich vergleichbar.

In der EU kommt Dänemark laut der Owid-Daten derzeit auf die meisten Impfungen pro 1000 Einwohner (32,5), gefolgt von Rumänien (30,4), Finnland (26,3) und Spanien (26,1). In Deutschland liegt die Zahl pro 1000 Einwohner bei 23,3, in absoluten Zahlen wurden mehr als 2,4 Millionen Menschen geimpft. Damit liegt die Bundesrepublik eher im Mittelfeld.

Doch in der gesamten Europäischen Union laufen die Impfkampagnen eher schleppend, wenngleich sich die EU-Kommission vehement gegen Kritik wehrt. Am Montag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das europäische Vorgehen bei der Corona-Impfstoffbeschaffung verteidigt und um Verständnis für das Tempo geworben. Der Weg sei an einigen Stellen langsamer gewesen, sagte sie am Montag nach Beratungen mit den Ländern, Vertretern der EU-Kommission und Impfstoffherstellern in Berlin. „Aber ich finde, es gibt auch gute Gründe dafür, dass er langsamer war.“

Merkel begründete das langsamere Impftempo in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern unter anderem damit, dass etwa in Europa die Produktionskapazitäten im Vergleich zu den USA begrenzt seien, dass die EU lange über Haftungsfragen verhandelt habe und sich zudem nicht für eine Notzulassung von Impfstoffen entschieden habe.

Corona-Impfung: Wie geht es in Deutschland weiter?

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Bis zum Sommer sollen die Lieferungen des begehrten Corona-Impfstoffs in Deutschland deutlich anziehen. Nach dem „Impfgipfel“ von Bund und Ländern hoffen vor allem die Kommunen auf mehr Planungssicherheit bei den Impfungen für die Bürger. Doch bis in den April hinein rechnet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erst einmal noch mit „harten Wochen der Knappheit“ beim Impfstoff.

Auf Twitter teilte das Bundesgesundheitsministerium nun mit, die vorübergehenden Engpässe bei Moderna könnten mit zusätzlichen Lieferungen der beiden anderen Impfstoffhersteller Biontech und Astrazeneca kompensiert werden. Demnach würden die beiden Unternehmen bis 22. Februar 1.747.000 Impfdosen mehr als geplant liefern. Damit würden die von Moderna zu wenig gelieferten 43.200 Dosen mehr als ausgeglichen. Das Bundesgesundheitsministerium veröffentlichte zudem die detaillierten Lieferzusagen der Hersteller.

Das planen Länder, die noch nicht impfen

  • Im Iran bescheinigte man dem eigenen Impfstoff „Coviran Barekat“ hohe Wirksamkeit und will noch vor März mit Massenimpfungen starten.
  • Ab Ende Februar wird in Australien mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer gegen das Coronavirus geimpft.
  • Südafrika als zahlenmäßig am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenes Land des Kontinents hat am Montag seine erste Flugzeugladung Impfstoffe erhalten. Eine Million Dosen vom britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca und der Universität Oxford sollen vor allem den 1,25 Millionen Mitarbeitern des öffentlichen und privaten Gesundheitssystems zugute kommen.
  • Mit der Corona-Impfung der Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen kann wahrscheinlich in zwei Wochen begonnen werden. Dies sagte Ministerpräsident Mohammed Schtaje am Montag. Aus unterschiedlichen Quellen würden zunächst 50.000 Impfdosen bereitgestellt.
  • Taiwan hat fast 20 Millionen Dosen Corona-Impfstoff geordert, darunter zehn Millionen von Astrazeneca, wobei die ersten ab März eintreffen sollen.
  • In Neuseeland erwarte die Regierung demnächst die Zulassung für den Corona-Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer, eine erste Lieferung werde bis Ende März erwartet. Laut Premierministerin sollten erste Massenimpfungen erst Mitte des Jahres beginnen, da das Land von Lieferfristen der Pharmaunternehmen abhängig sei und noch nicht genauer planen könne.
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