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Covid-19-Schutzimpfungen: Wie sicher sind sie für Kinder ab zwölf Jahren?

  • Die Forderungen nach einer systematischen Durchimpfung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden immer lauter.
  • Doch wie sicher sind die zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna für Heranwachsende zwischen zwölf und 17 Jahren wirklich?
  • Die medizinischen Antworten klingen ziemlich eindeutig.
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In der Debatte um die Erreichung einer Herdenimmunität gegen das Coronavirus spielen Jugendliche ab zwölf Jahren eine immer größere Rolle. Nachdem mittlerweile die beiden Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna in Deutschland für Heranwachsende zugelassen sind, rückt die Frage nach der Verträglichkeit der Impfstoffe immer weiter in den Vordergrund.

Wie sicher eine Impfung junger Menschen über zwölf Jahre ist, das wurde mittels mehrerer Studien bisher an den beiden mRNA-Vakzinen von Moderna und Biontech/Pfizer getestet. Die Studien beziehen sich sowohl auf die Wirksamkeit, die bei Biontech/Pfizer wie bei Moderna bei 100 Prozent liegt, als auch auf die möglichen Gegenindikationen. Auch in Israel, den USA und China werden der Altersgruppe ab zwölf Jahren bereits Impfungen angeboten.

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20,5 Prozent der einmal Geimpften sind zwischen zwölf und 17 Jahre alt

Bisher wurden in Deutschland, Stand 2. August, insgesamt 10.524.333 Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren einmal geimpft. Das sind 20,5 Prozent der einmal Geimpften. Vollständig geimpft sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts 4.302.014 Heranwachsende. Das entspricht einem Anteil von 9,9 Prozent der komplett Geimpften.

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Die Ständige Impfkommission (Stiko) hält in der Diskussion über Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche unterdessen an ihrer abwartenden Haltung fest. Derzeit gebe es noch zu wenige Daten zu möglichen gesundheitlichen Folgeschäden für Zwölf- bis 17-Jährige, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens auf NDR Info. „Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben.”

Das bedeutet, dass die Stiko, die hierzulande zuständig für die Empfehlung zu den Corona-Impfstoffen ist, sich weiterhin nur für eine Impfung der Zwölf- bis 17‑Jährigen ausspricht, wenn diese Vorerkrankungen wie beispielsweise Adipositas, Diabetes oder Lungenerkrankungen haben.

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Deutscher Hausärzteverband kritisiert Entscheidung der Gesundheitsminister

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die Stiko mit ihrer Position zur Corona-Schutzimpfungen in einer „Außenseiterposition”. Wesentliche Studien hätten ergeben, dass eine Durchseuchung mit der Delta-Variante viel gefährlicher sei als die Impfung von Kindern, sagte der Bundestagsabgeordnete im Deutschlandfunk.

Scharfe Kritik an der Entscheidung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, das Angebot von Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche auszuweiten, äußert der Deutsche Hausärzteverband. Der Bundesvorsitzende des Verbandes, Ulrich Weigeldt, sprach von einer Missachtung der Kompetenz der Ständigen Impfkommission (Stiko), die bislang keine allgemeine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren abgegeben hat.

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Bundesgesundheitsministerium plant Impfangebote für Jugendliche
1:26 min
Obwohl die Ständige Impfkommission noch keine Empfehlung ausgesprochen hat, will das Bundesgesundheitsministerium nun auch Jugendlichen Impfangebote machen.  © dpa

„Das Risiko liegt mehr bei den nicht impfwilligen Erwachsenen als bei den Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren”, sagte der Hausärztevertreter dem RND. Für Kinder und Jugendliche mit hohem Risiko gebe es ja bereits eine Impfempfehlung. „Warum eine Empfehlung der Stiko dazu zunächst nicht abgewartet werden kann, die sich auf Basis von fundierten Studien zeitnah äußern will, ist mir schleierhaft”, sagte Weigeldt.

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Die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, den Impfstoff bei Heranwachsenden auf dieselbe Weise anzuwenden wie bei Personen ab 18 Jahren. Das Mittel sollte in Form von zwei Injektionen in die Muskeln des Oberarms – im Abstand von vier Wochen – verabreicht werden. Grundlage des Antrags von Moderna war eine Phase-2/3-Studie mit rund 2500 Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren in den USA.

Moderna- und Biontech-Wirksamkeit bei 100 Prozent

Danach lag die Wirksamkeit nach vollständiger Impfung nach Angaben von Moderna bei 100 Prozent. Ab 14 Tagen nach Verabreichung der ersten Dosis sei eine Wirksamkeit von 93 Prozent beobachtet worden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die EMA nach Prüfung der Daten: Sie zeigten, dass das Vakzin in dieser Altersgruppe eine vergleichbare Antikörperantwort wie bei den 18- bis 25‑Jährigen hervorruft. Die Effektivität sei ähnlich wie bei Erwachsenen.

Auch die häufigsten Nebenwirkungen bei Kindern im Alter von zwölf bis 17 Jahren ähneln der EMA zufolge denen bei Personen ab 18 Jahren. Dazu gehören Schmerzen und Schwellungen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, vergrößerte Lymphknoten, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Sie träten meist nur milde bis mittelstark auf und besserten sich nach wenigen Tagen.

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Die gleiche 100-prozentige Wirksamkeitsrate bei Jugendlichen gilt für das Biontech/Pfizer-Vakzin. Das berichtet die US-Fachzeitschrift „The Contagious” und bezieht sich dabei auf eine Studie des Cincinnati Children’s Hospital unter Leitung von Robert W. Frenck Junior, die am 15. Juli im „New England Journal of Medicine” veröffentlicht wurde. An der Studie waren 2260 Probanden im Alter von zwölf bis 15 Jahren beteiligt. 1131 von ihnen erhielten den Biontech-Wirkstoff BNT162b2, 1129 bekamen ein Placebo verabreicht. Sieben Tage nach Gabe der zweiten Dosis wurde eine Effizienz von 100 Prozent bei den Probanden mit dem Wirkstoff festgestellt.

Risiko schwerer Nebenwirkungen verschwindend gering

Das Risiko schwerer Nebenwirkungen wie etwa den beiden Herzerkrankungen Myokarditis (Herzkranzgefäßentzündung) und Perikarditis (Herzbeutelentzündung) sei bei beiden Vakzinen sehr gering, heißt es beim amerikanischen Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS), einer Behörde, die von den beiden US-Dachbehörden Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und der Food and Drug Administration (FDA) betrieben wird.

Mit Stand 26. Juli seien VAERS nach der Gabe von insgesamt 342 Millionen Dosen Covid-19-Impfstoff in den USA 1194 Fälle von Myokarditis und Perikarditis bei Personen unter 30 gemeldet worden. Die meisten Fälle seien nach Impfungen mit den mRNA-Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer aufgetreten – und zwar mehrheitlich bei männlichen Heranwachsenden ab 16 Jahren und jungen Männern. Nach einer Gegenprüfung individueller Krankenakten und anderer medizinischer Daten der betroffenen Patientinnen und Patienten hätten CDC und FDA 699 Fälle von Myokarditis und Perikarditis als wahrscheinliche Folge der Impfungen festgestellt.

Unterdessen scheinen die neuen Zahlen der VAERS auch die Sächsische Impfkommission (Siko) überzeugt zu haben. Denn die Siko empfiehlt jetzt eine Corona-Schutzimpfung für alle Kinder ab zwölf Jahren. Das geht aus einem Update der Empfehlungen zum 1. August hervor. Die Nutzen-Risiko-Abwägung falle demnach zugunsten der Impfung für alle Kinder ab zwölf aus. Die Mediziner hatten dabei vor allem auf die Myokarditis- und Perikarditis-Fälle bei Jugendlichen und jungen Männern im Kontext mit den Impfungen geachtet. Die Sächsische Impfkommission bezieht ihre Empfehlung auf die Impfstoffe von Biontech und Moderna.

Mit epd

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