Corona-Impfung: Wann sind eigentlich die Kinder und Jugendlichen dran?

  • Noch ist kein Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche in Deutschland zugelassen.
  • Und mit einer Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission ist vorerst nicht zu rechnen – obwohl auch die Jüngeren eine Rolle beim Infektionsgeschehen spielen.
  • Der Virologe Christian Drosten rechnet nicht vor Herbst mit aussagekräftigen Daten der Impfstoffhersteller, die eine Zulassung nach sich ziehen.
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Während über 80-Jährige bereits geimpft werden und ein Großteil der Bevölkerung laut Bundesgesundheitsministerium mit einem Impfangebot bis Ende September dieses Jahres kalkulieren darf, ist eine in Deutschland lebende Gruppe bislang noch komplett raus aus der Planung: die Kinder und Jugendlichen unter 16 Jahren. Also diejenigen, die bald auch grüppchenweise wieder in Kitas und Schulen gehen sollen. Für sie ist bislang kein Impfstoff zugelassen. Und das wird wahrscheinlich auch vorerst so bleiben.

Ob es eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche geben wird, sei „bisher noch nicht absehbar“, heißt es in einem Steckbrief der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Corona-Impfung auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts (RKI). „Studien dazu sind jedoch geplant und wurden in kleinem Rahmen auch schon begonnen.“ Sollte es in Zukunft einmal einen Impfstoff für Kinder geben, müsse durch die Zulassungsbehörden sichergestellt sein, dass dieser wirksam ist sowie ein sehr gutes Sicherheitsprofil aufweist. Ein solcher potenzieller Impfstoff würde dann in Deutschland durch die Stiko bewertet werden – wie auch bei den Erwachsenen bereits geschehen.

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Corona-Impfstoffe werden in Studien an Kindern getestet

Eine Impfempfehlung für Kinder kann es im Moment allerdings noch nicht geben, weil es noch keine aussagekräftigen Daten zur Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit für die Altersgruppe der Jüngsten bei den bislang zugelassenen Vakzinen gibt. Der Grund: In den vor der Genehmigung gelaufenen Zulassungsstudien wurden Kinder nicht mit einbezogen. Das ist grundsätzlich so üblich bei neuen Impfstoffen. Erst wenn die Tests an Erwachsenen demonstriert haben, dass die Vakzine sicher und verträglich sind, kommen die Jüngeren in Betracht für Untersuchungen zur Immunantwort.

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Und die laufen bei den in der EU zugelassenen Mitteln von Astrazeneca, Biontech und Moderna bereits. Erst am Freitag haben Forscher der Universität Oxford in einer Mitteilung angekündigt, den mit dem Hersteller Astrazeneca entwickelten Vektorimpfstoff gegen Covid-19 in einer neuen Phase-II-Studie an Sechs- bis 17-Jährigen zu testen. Bislang ist er nur für die über 18-Jährigen zugelassen. 300 Freiwillige aus Großbritannien werden daran teilnehmen. Bis zu 240 der Probanden erhalten das neue Vakzin, der Rest einen Kontrollimpfstoff gegen Meningitis (Hirnhautentzündung), der sich bei Kindern als sicher erwiesen habe. Die Forscher rechnen damit, dass ähnliche Impfreaktionen wie bei Erwachsenen auftreten – also beispielsweise ein schmerzender Arm nach der Injektion. Erste Impfungen sollen noch im Februar stattfinden.

Moderna hat im Dezember angefangen, sein Mittel an Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren in den USA zu testen. Erste Ergebnisse sollen im Frühjahr vorliegen und direkt an die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) übermittelt werden. Der Biontech-Impfstoff ist bislang immerhin bereits für Menschen ab 16 Jahren zugelassen. Eine erste Studie mit dem Impfstoff an Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren ist im Oktober gestartet, Studien bei den noch Jüngeren sollen folgen.

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Braucht es geimpfte Kinder für die Herdenimmunität?

Laut Statistischem Bundesamt machen die unter 20-Jährigen rund 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus. Mathematische Modelle gehen bislang davon aus, dass erst bei einer Immunität von rund 70 Prozent in der Bevölkerung die Übertragungen von Sars-CoV-2 so weit gestoppt werden, dass diese Pandemie eingedämmt wird. Sprich: Solange Kinder und Jugendliche nicht geimpft werden, muss der Anteil der Impfbereitschaft unter Erwachsenen höher ausfallen, um die gewünschten Effekte zu erzielen.

Trotz vieler Debatten und offener Forschungsfragen zur Rolle von Kindern und Jugendlichen bei der Entwicklung der Infektionsdynamik sind sich Wissenschaftler inzwischen einig, dass auch die Jüngeren Sars-CoV-2 übertragen können. Und auch wenn es nicht so oft vorkommt wie bei Erwachsenen: Auch Kinder können an Covid-19 erkranken und Risikofaktoren für einen schweren Verlauf haben. Insgesamt scheinen Kinder aber weniger infektiös zu sein, vermerkt das RKI in seinem Steckbrief zum Coronavirus. Eine Aussage, welche der Altersgruppen innerhalb der Kinder am infektiösesten sei, könne nicht verlässlich gemacht werden. Studien zur Viruslast bei Kindern zeigten aber keinen wesentlichen Unterschied zu Erwachsenen. „Zu beachten ist, dass neben der Empfänglichkeit für eine Infektion auch Anzahl und Art der Kontakte eine Rolle spielen“, betont die Gesundheitsbehörde.

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Christian Drosten: Impfstoffe für Kinder ab Herbst denkbar

Der Virologe Christian Drosten rechnet damit, dass bei erfolgreichen Studien mit Impfstoffzulassungen für Kinder ab Herbst zu rechnen ist. „Darauf können wir nur hoffen“, sagte der Charité-Wissenschaftler Anfang Februar im NDR-Podcast. „Es wird sicherlich um dieses Thema, soll man Kinder impfen, wieder eine separate Debatte geben.“ Es sei zu erwarten, dass in Abwesenheit eines Impfstoffes Kinder in großer Zahl infiziert werden – wie auch in anderen Altersgruppen. Und Kinder nur zu impfen, um die Erwachsenen zu schützen, sei eine zu einfache Überlegung. „Es gibt viele Kinder, die ein Grundrisiko haben und bei denen man nicht möchte, dass die sich mit diesem Virus infizieren“, betonte der Virologe gegenüber dem NDR.

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