Forscher: Mehrheit der Impfgegner lässt sich aus Angst nicht impfen

Eine Ärztin impft in der Pinakothek der Moderne einen Mann gegen das Coronavirus.

Eine Ärztin impft in der Pinakothek der Moderne einen Mann gegen das Coronavirus.

Hannover. Psychologe und Angstforscher Borwin Bandelow erwartet, dass nach Ende der Pandemie größtenteils wieder Normalität einkehren wird. „Ich glaube, dass wir zu 90 Prozent wieder in den ganz normalen Zustand zurückkommen“, sagte er im Interview mit der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ). Im Sommer könne laut Bandelow bereits wieder gefeiert werden und so würden „die Corona-Jahre ganz schnell aus dem Gedächtnis geraten“.

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Auch das Verhalten der Menschen passe sich dementsprechend an Vor-Corona-Zeiten an. Sich zur Begrüßung zu umarmen oder auf die Wange zu küssen werde sich „allmählich wieder einschleichen“. Nachhaltige Schäden im kulturellen Verhalten sehe er nicht. Vielmehr werde der „Wunsch nach mehr sozialem Miteinander“ überwiegen. Dennoch würden Menschen weiterhin wachsam vor Infektionskrankheiten bleiben und Masken auch zum Schutz vor Erkältungen oder der Grippe tragen, vermutet Bandelow.

Polarisierung zwischen Geimpfen und Nichtgeimpften

„Was mir ein bisschen Sorge macht, ist die Heftigkeit der Polarisierung zwischen Geimpften und Nichtgeimpften“, so Bandelow. „Nichtgeimpfte werden geschnitten, selbst wenn es sich um alte Freunde handelt. Sie werden nicht mehr eingeladen, über sie wird hinter dem Rücken geredet, vor allem wenn sie deutlich und in großer Vehemenz kundgetan haben, warum sie sich nicht impfen lassen wollen.“ Sie fühlten sich dann zunehmend isoliert und von der Gesellschaft verstoßen. Da Menschen aber soziale Wesen seien, wendeten sie sich an Menschen, „mit denen sie vorher nichts zu tun hatten“. Dann würden sie auch die Meinungen annehmen, die diese Gruppe vertrete – „so verquer diese auch sein mag“.

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Angstforscher: Viele lassen sich aus Angst nicht impfen

Er schätze, dass drei Viertel der Impfgegner und Impfgegnerinnen sich aus Angst nicht impfen lassen und ein Viertel aus Unbekümmertheit. „Sie haben Angst, durch die Impfungen irgendwelche Nebenwirkungen zu erleiden, setzen sich aber durch ihr Verhalten einem wesentlich höheren Risiko aus – nämlich schwer an Corona zu erkranken und auf der Intensivstation zu landen.“

„Wir stellen leider bei den Impfgegnern fest, dass sie das sogenannte Cherry Picking betreiben, wie es Wissenschaftler nennen. Also die Kirschen heraussuchen, die ihnen schmecken – von 97 Studien also nur drei anerkennen, die ihnen in den Kram passen,“ sagte der Psychologe der „HAZ“. „Es muss sich also jeder fragen, ob er nicht einem verzerrten Bild der Wirklichkeit nachläuft.“

RND/mr

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