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  • Corona-Impfung in Schwangerschaft: Neugeborene könnten mit Antikörpern zur Welt kommen

Erste Hinweise: Geimpfte Schwangere bringen Neugeborene mit Corona-Antikörpern zur Welt

  • Erste klinische Untersuchungen zeigen, dass Neugeborene geimpfter Mütter schützende Antikörper gegen Corona haben können.
  • Inwieweit sich mRNA-Impfung, Schwangerschaft und Stillzeit bedingen, müssen aber noch groß angelegte Studien von Biontech und Moderna zeigen.
  • Dass die Corona-Impfung ein Risiko für den Säugling darstellt, halten Impfstoffexperten bislang für unwahrscheinlich.
Alice Mecke
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Hannover. Schwangere und Kinder werden in Deutschland derzeit in der Regel nicht gegen Covid-19 geimpft. Denn es fehlen noch aussagekräftige Daten zu den genauen Auswirkungen einer Impfung. Studien großer Hersteller wie Biontech und Moderna laufen dazu gerade erst an, bislang gilt die Zulassung nur für Erwachsene. Allerdings gibt es erste klinische Hinweise aus Israel und den USA, dass sich der Impfschutz von während der Schwangerschaft geimpften Frauen auf Neugeborene übertragen und auch positive Effekte haben könnte.

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So haben Forscher aus Israel in einer klinischen Untersuchung am Hadassah Medical Center in Jerusalem 20 Frauen begleitet, die während ihrer Schwangerschaft mit beiden Dosen des Biontech-Vakzins geimpft wurden. Der mRNA-Impfstoff habe „eine adäquate serologische Reaktion der Mutter mit anschließendem effizienten transplazentaren Transfer“ ausgelöst. Sprich: Bei den untersuchten Frauen und Säuglingen wurden relevante Antikörper übertragen. Was in der Folge bedeutet, „dass die Impfung schwangerer Frauen einen Schutz für Mütter und Neugeborene vor einer Sars-CoV-2-Infektion bieten kann“, heißt es in der Mitte März auf dem Preprint-Server medrxiv veröffentlichten Studie. Die Ergebnisse müssen allerdings noch unabhängig begutachtet werden.

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Corona-Antikörper bei Neugeborenem: Blut aus der Nabelschnur untersucht

Auch in den USA haben Forscher von einem Neugeborenen berichtet, das bereits mit Corona-Antikörpern zur Welt gekommen sei. Demnach wurde eine hochschwangere Frau in den USA mit dem Vakzin von Moderna gegen das Coronavirus geimpft. Drei Wochen später kam ihre Tochter zur Welt – mit Corona-Antikörpern. Die US-Forscher Paul Gilbert und Chad Rudnick von der Florida-Atlantic-Universität berichten über den Vorfall in einem Preprint-Artikel, der Anfang Februar veröffentlicht wurde. Laut den Forschern handelt es sich um den „ersten bekannten Fall eines Säuglings mit Sars-CoV-2-Antikörpern, die nach Impfung der Mutter im Nabelschnurblut nachweisbar sind“.

Die Forscher analysierten das Blut aus der Nabelschnur des Babys und konnten Antikörper dort gegen das S-Protein von Sars-CoV-2 nachweisen, wie sie schreiben. Eine Blutentnahme der Nabelschnur ist ein Standardprozess nach der Geburt, um die Blutgruppe festzustellen. Bei dieser Untersuchung durchlief die Blutprobe aber auch einen Test auf Sars-CoV-2-Antikörper. Laut Forschern bestehe anhand der Untersuchungsergebnisse „ein Potenzial für einen Schutz und eine Verringerung des Infektionsrisikos vor Sars-CoV-2 durch eine mütterliche Impfung“.

Schwangerschaft, Corona-Impfung, Antikörper: Weitere Forschung nötig

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Gilbert und Rudnick machen jedoch deutlich, dass weitere Untersuchungen erforderlich seien, um festzustellen, ob Säuglinge durch diese Antikörper auch wirklich geschützt sind. Sie fordern daher andere Forscher „dringend“ auf, „Schwangerschafts- und Stillregister zu erstellen sowie Wirksamkeits- und Sicherheitsstudien der Covid-19-Impfstoffe bei schwangeren und stillenden Frauen und ihren Neugeborenen durchzuführen“.

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Stiko: Impfrisiko während Stillzeit „unwahrscheinlich“

Die Stiko (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) teilt zu Impfungen während der Schwangerschaft mit, dass sie es „für unwahrscheinlich (hält), dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt. Eine versehentliche Impfung in der Schwangerschaft ist keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch.“ So könne laut Stiko Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere Corona-Erkrankung in Einzelfällen und nach Nutzen-Risiko-Abwägung sowie nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden.

Auch Biontech/Pfizer wollen Impfung untersuchen

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Die Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer haben im Februar ebenfalls eine Studie zur Corona-Impfung für Schwangere angekündigt. Damit solle die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit des Impfstoffs für werdende Mütter geklärt werden, so die beiden Unternehmen.

Der Impfstoff soll im Rahmen einer klinischen Studie der Phase zwei/drei bei rund 4000 gesunden schwangeren Frauen ab 18 Jahren erprobt werden. Die Impfungen sollen zwischen der 24. und 34. Schwangerschaftswoche erfolgen, wie es hieß. Die Teilnehmerinnen werden dabei zufällig in zwei Gruppen unterteilt werden: Eine Gruppe bekommt den echten Impfstoff, die zweite nur eine Placeboimpfung.

Ciesek sieht kein Risiko bei Corona-Impfung

Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch müssen der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek zufolge keine Angst vor einer Corona-Impfung haben. Der „Mythos“, dass die Impfung unfruchtbar mache, mache vielen Frauen Angst, sagte Ciesek im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ Anfang Februar. Solche „Fehlinformationskampagnen“ würden das Vertrauen in die Impfstoffe untergraben. Es handle sich um „ein Gerücht“.

„Es macht biologisch keinen Sinn und es gibt medizinisch keine Hinweise, dass dieses Gerücht wirklich stimmt und dass die Fruchtbarkeit beeinträchtigt wird durch die Impfung und die Antikörper, die gegen das Spike-Protein gebildet werden“, sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Seit Beginn der Pandemie habe es weltweit Millionen Infektionen gegeben. „Es gibt keinerlei Hinweise oder Berichte, dass das zu einer Unfruchtbarkeit bei Frauen geführt hätte – da werden ja auch Antikörper gebildet.“

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Zwar würden Impfstoffe in frühen Studienphasen nicht an Schwangeren getestet. „Das heißt aber nicht, dass das Unternehmen hier eine spezielle Gefahr sehen würde“, sagte Ciesek. Es sei vielmehr „das normale Vorgehen“, dass man neue Präparate nicht an sensiblen Gruppen wie Kleinkindern oder Schwangeren teste.

mit dpa

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