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  • Corona-Impfung in Deutschland: Ablauf, Reihenfolge, Nebenwirkungen - alle Infos im Überblick

Wie läuft die Corona-Impfung ab?

  • Am 27. Dezember ging es offiziell los: Nun werden in Deutschland die ersten Menschen gegen das Coronavirus geimpft.
  • Für Kinder gibt es bisher keine Daten und deshalb keine Impfempfehlung.
  • Die Terminvergabe wird in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt.
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Berlin. Die Corona-Impfung von besonders gefährdeten Personengruppen hat in Deutschland begonnen. Am Sonntag wurden vor allem Seniorinnen und Senioren in Pflegeinrichtungen geimpft. Doch noch reichen die vorhandenen Impfdosen nicht aus. Die Antworten zu den wichtigsten Fragen:

Corona-Impfung: Wer ist wann dran?

Der Bund lässt den Corona-Impfstoff der Unternehmen Biontech und Pfizer je nach Bevölkerungsanteil an insgesamt 27 feste Standorte in den Bundesländern liefern. Ab dann sind die Länder für Lagerung und Verteilung sowie die Beschaffung von Impfzubehör wie Lösungsmittel, Spritzen und Kanülen zuständig.

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Als erste Gruppe Zugang zur Impfung bekommen sollen Ältere über 80 Jahre, zudem Personal etwa in Notaufnahmen oder Corona-Stationen sowie in der Altenpflege. Insgesamt umfasst diese Gruppe der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge rund 8,6 Millionen Menschen.

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Spahn: „Wir starten die Impfkampagne mit großen Schritten“
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Der Bundesgesundheitsminister sprach am zweiten Weihnachtsfeiertag, einen Tag vor Impfbeginn in Deutschland und in der EU.  © Reuters

In einer weiteren Stufe können sich Ältere zwischen 75 und 79 Jahren impfen lassen, sowie Menschen mit Demenz oder einer geistigen Behinderung in Einrichtungen, dort tätiges Personal und Menschen mit Downsyndrom. Anschließen wird die Impfung den 70- bis 74-Jährigen angeboten, Menschen nach Organtransplantationen, Bewohnern und Personal in Gemeinschaftsunterkünften – etwa Minderjährigen (ab 16 Jahren), Asylsuchenden, Obdachlosen, engen Kontaktpersonen von Schwangeren und Pflegebedürftigen.

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Als nächstes sollen Menschen zwischen 65 und 69 Jahren sich impfen lassen können, sowie Lehrkräfte, Erzieher, Inhaftierte, Saisonarbeiter, Beschäftigte in Verteilzentren oder der fleischverarbeitenden Industrie, weiter 60- bis 64-Jährige, Personal in Schlüsselpositionen der Landes- und Bundesregierungen sowie Mitarbeiter im Einzelhandel, der Polizei, der Feuerwehr und des ÖPNV.

Als Letzte Zugang zum Impfstoff bekommen werden Menschen unter 60 Jahren, die weder Vorerkrankungen haben noch mit Risikopatienten in Kontakt kommen oder berufsbedingt viele Menschen treffen. Das entspricht etwa 45 Millionen Menschen.

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Spahn kündigte aber „fließende Übergänge“ an. Nach einer sehr starken Priorisierung zu Beginn erwartet er immer größere verfügbare Impfstoffdosen und neue Zulassungen – etwa des Serums der Firma Moderna.

Wie wirkt der Impfstoff von Biontech und Pfizer?

Der Impfstoff ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff. Eine Impfung dieser Art wurde zuvor noch nie bei Menschen zugelassen. Das Mittel enthält im Gegensatz zu herkömmlichen Impfstoffen keine abgeschwächten oder abgetöteten Viren, stattdessen werden Virusgene verimpft. Der Impfstoff enthält die genetische Information der Viren in Form von mRNA. Nach der Impfung produziert der Körper selbst einzelne Bauteile des Erregers, was eine Reaktion des Immunsystems auslöst. Bei späterem Kontakt mit dem Coronavirus erkennt das Immunsystem das Protein wieder und kann den Erreger schnell gezielt bekämpfen.

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Nach Impfstart: Rufe nach schnellerer Produktion
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Nach dem Start der Corona-Impfungen gibt es Forderungen nach einem höheren Tempo bei der Impfstoffproduktion.  © dpa
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Wie schnell tritt eine Immunisierung ein?

Laut Biontech sind zwei Impfdosen nötig, damit die Impfung ihre volle Wirkung entfalten kann. Diese sollen in einem Abstand von 21 Tagen verabreicht werden. Dabei wird jeweils eine Impfdosis von 30 Mikrogramm verabreicht. Sieben Tage nach Erhalt der zweiten Dosis soll ein Immunschutz erreicht werden. Dieser lag nach Angaben des Herstellers in den Studien bei 95 Prozent. Allerdings liegen keine statistisch aussagekräftigen Daten für die Wirkung in verschiedenen Altersgruppen vor. Vor allem für die Hauptrisikogruppe der Älteren, bei der Impfungen in aller Regel deutlich schlechter wirken, fehlt noch ein solcher Nachweis. Das mittlere Alter der Probanden in der Studie lag bei 51 Jahren.

Welche Nebenwirkungen hat der Impfstoff?

Als häufigste Nebenwirkungen wurden in den klinischen Studien Reaktionen an der Injektionsstelle beobachtet (84,1 Prozent), Müdigkeit (62,9 Prozent), Kopfschmerzen (55,1 Prozent), Muskelschmerzen (38,3 Prozent), Schüttelfrost (31,9 Prozent), Gelenkschmerzen (23,6 Prozent) und Fieber (14,2 Prozent).

Seit ihrer Einführung kam es in einzelnen Fällen zu starken allergischen Reaktionen auf die Impfung wie Atemnot, Herzrasen und Hautausschlag. In den USA musste eine Frau deswegen in der Intensivstation behandelt werden. Die amerikanische Aufsichtsbehörde FDA geht mindestens fünf solcher Fälle nach, berichtete Reuters. Auch in Großbritannien war es nach der Impfung bei zwei Mitarbeitern des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes NHS zu akuten allergischen Reaktionen gekommen. Bei ihnen, nicht aber bei den Betroffenen in den USA, war zuvor eine Neigung zu allergischen Symptomen bekannt gewesen.

Die britischen Behörden raten Menschen, die zu akuten allergischen Reaktionen neigen, sich vorerst nicht impfen zu lassen. Auch Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch sollten vorerst von einer Impfung absehen. Die amerikanische Behörde CDC empfiehlt Personen mit einer Vorgeschichte schwerer allergischer Reaktion auf Impfungen oder Injektionen, sich vor der Impfung ärztlich beraten zu lassen. Von den deutschen Behörden wurde eine solche Warnung bisher nicht ausgesprochen.

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Wie werden etwaige Nebenwirkungen überwacht?

Die Verträglichkeit des Impfstoffs wird auch nach der Zulassung weiter überprüft. Dafür setzt das zuständige Paul-Ehrlich-Institut auf Meldungen von Herstellern, Ärzten, aber auch von Patienten. Das geht etwa über die Plattform «nebenwirkungen.bund.de» oder eine App. Über die App werden Geimpfte etwa in bestimmten Zeitabständen nach jeder Impfung nach gesundheitlichen Beschwerden befragt- oder auch, ob nach der Injektion noch eine Corona-Infektion auftrat.

Wo wird der Impfstoff produziert? Wie lange dauert das?

Biontech will mit seinem US-Partner noch in diesem Jahr weltweit 50 Millionen Dosen liefern. 2021 sollen dann bis zu 1,3 Milliarden hergestellt werden - etwa in Mainz, Idar-Oberstein und Marburg. Dann wird dem Unternehmen zufolge das Ausgangsmaterial zu Pfizer nach Belgien gebracht, wo das Präparat weiterverarbeitet, abgefüllt und etikettiert wird. Die Herstellung des Impfstoffs dauere eine Woche, heißt es vom Unternehmen. Qualitätskontrolle und Freigabe benötigten dann weitere drei Wochen.

Wie viele Impfdosen erhält Deutschland?

Die erste Lieferung von Biontech/Pfizer sind am 26. Dezember eingetroffen. Erwartet würden 151.125 Impfdosen, teilte die Berliner Gesundheitsverwaltung mit, die derzeit der Gesundheitsministerkonferenz vorsteht. Am 28. Dezember folgen demnach weitere 521.625 Impfdosen, am 30. Dezember 672.750.

Spahn twitterte: „Im Januar werden jede Woche mindestens weitere 670.000 Dosen ausgeliefert.” Zuvor hatte er für das erste Quartal die Zahl elf bis 13 Millionen genannt. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für eine Corona-Impfung von 5,5 bis 6,5 Millionen Menschen reichen. Insgesamt hat sich der Bund über einen EU-weiten Schlüssel und nationale Vereinbarungen bisher mehr als 300 Millionen Dosen gesichert – von Biontech und anderen Herstellern.

Was steht in der Impfverordnung des Bundes?

Die Corona-Impfverordnung regelt, wem die Impfung zuerst zugänglich gemacht werden soll. „Eine Priorisierung ist notwendig, weil zunächst nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, um alle Menschen zu impfen, die das wünschen“, begründet das Bundesgesundheitsministerium die Impfverordnung des Bundes.

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Wie läuft die Corona-Impfung ab?

Im Abstand von drei Wochen erhält jeder Patient jeweils eine Dosis in den Oberarm – genauer gesagt in den Deltamuskel. „Er könnte im Prinzip in jeden Muskel gespritzt werden, aber die Stelle am Arm ist eben gut zugänglich“, sagt der Rostocker Virologie-Professor Andreas Podbielski. Der Wirkstoff der Corona-Impfung bleibt für einige Stunden im Muskel und der Körper hat so Zeit, ihn zu erkennen und darauf zu reagieren.

Wie funktioniert die Anmeldung zur Corona-Impfung?

Die Anmeldung zur Corona-Impfung ist nur mit Termin möglich. Die Terminvergabe regeln die Bundesländer, hier kommt es zu unterschiedlichen Verfahren. In Baden-Württemberg zum Beispiel ist geplant, dass neben einer App die telefonische Anmeldung über die bundesweit einheitliche Nummer 116 117 oder auch direkt in größeren Impfzentren erfolgen kann. Niedersachsen wiederum hat eine landeseigene Hotline zur Terminvergabe, über die die Menschen die Anmeldung zur Corona-Impfung vornehmen können. Manche Länder schreiben ihre Bürger auch direkt an und laden sie zur Corona-Impfung ein.

Wo wird gegen Corona geimpft?

In der Anfangsphase findet die Corona-Impfung in regionalen Impfzentren statt, die von den Ländern eingerichtet und betrieben werden. Eine Kühlung des Impfstoffes von minus 70 Grad ist nicht in jeder Arztpraxis möglich. Bis zu 442 Impfzentren sollen deutschlandweit zur Verfügung stehen. Zehntausende Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Helfer haben sich für Einsätze gemeldet. Mobile Impfteams sollen etwa in Pflegeheime und Krankenhäuser gehen.

Kostet die Corona-Impfung etwas?

Nein. Die Corona-Impfung soll kostenlos sein, egal ob und wie jemand versichert ist. Die Kosten für die Impfstoffe übernimmt der Bund. Dafür stehen im Etat 2021 zunächst 2,7 Milliarden Euro bereit. Die Kosten rund um die Corona-Impfung insgesamt taxiert Spahn auf bis zu 6 Milliarden Euro.

Kinder gegen Corona impfen, ist das sinnvoll?

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) steht die Corona-Impfung erst einmal nur für Erwachsene zur Verfügung. Er sei „bei Kindern und Jugendlichen noch nicht genügend auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht“ worden. Ein Grund sei, dass Kinder allein aus ethischen Gründen nicht für frühe Tests vorgesehen seien. „Vor der Prüfung an Kindern muss sichergestellt sein, dass in den Studien bei Erwachsenen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sind“, schreibt das RKI auf seiner Webseite. Kinder erkranken zudem nur sehr selten schwer, meist zeigen sie keine oder nur milde Symptome. Ob es auch eine Empfehlung für eine Impfung von Kindern gegen Corona geben wird, ist laut RKI bisher noch nicht absehbar.

Keine Daten zur Impfung von Schwangeren

Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller dürfen bei sogenannten Phase-III-Studien, in denen der Impfstoff an vielen freiwilligen Probanden getestet wird, keine schwangeren Frauen teilnehmen. Dementsprechend gibt es keine Daten darüber, wie sicher eine Corona-Impfung für Schwangere ist. Die Pharmazeutische Zeitung (PZ) berichtet, dass Studien an Schwangeren mit dem Biontech-Impfstoff geplant seien.

Kontaktpersonen von Schwangeren gehören laut dem Bundesgesundheitsministerium in die Gruppe der Menschen mit hoher Priorität. Schwangere könnten daher auch indirekt durch eine Impfung dieser Personen geschützt werden.

RND/dpa/saf

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