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  • Corona-Impfung für stillender Mütter: Profitieren Säuglinge vom Impfstoff? Studien sprechen dafür

Studien sprechen für Covid-Impfung stillender Mütter, auch Säuglinge könnten profitieren

  • Eine Corona-Impfempfehlung für stillende Mütter hat die Ständige Impfkommission bislang nicht ausgesprochen.
  • Immer mehr Studien zeigen, dass sie von einer Impfung profitieren würden – genauso wie ihre Kinder.
  • Die Corona-Impfung regt die Bildung von Antikörpern an, die sich auch in der Muttermilch finden lassen.
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Nicht jedem rät die Ständige Impfkommission (Stiko), sich gegen Covid-19 impfen zulassen. So mangelt es beispielsweise nach wie vor an einer Impfempfehlung für stillende Mütter. Warum? Die Datenlage zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe für diese Personengruppe ist noch zu gering. „Die Stiko hält es jedoch für sehr unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt“, heißt es in der aktuellen Impfempfehlung des Expertengremiums. Anstatt ihnen zu schaden, scheint eine Corona-Impfung den Müttern und Kindern vielmehr zu nützen, wie mehrere Studien zeigen konnten.

Stillende Mütter entwickeln robuste Immunantwort

Eine dieser Untersuchungen wurde von Kathryn Gray, Spezialistin für Mutter-Fötus-Medizin am Brigham and Women’s Hospital in Boston, vorgenommen. Sie und ihr Team hatten 131 Frauen rekrutiert, von denen 84 schwanger waren, 31 stillten und 16 kein Kind erwarteten. Alle hatten entweder den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer oder den von Moderna erhalten. Das Forscherteam kam zu dem Ergebnis, dass stillende Mütter eine ähnliche robuste Immunantwort durch die Impfung entwickeln wie schwangere und nicht schwangere Frauen. Die Ergebnisse müssen noch von einem unabhängigen Expertengremium begutachtet werden.

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Sollten sie tatsächlich fundiert sein, könnte das bedeuten, dass eine Corona-Impfung für stillende Mütter ebenfalls von Nutzen sein könnte. Und auch die Neugeborenen profitieren womöglich. Denn die bei stillenden Müttern nachgewiesenen Antikörper gegen das Coronavirus waren auch in der Muttermilch zu finden – teilweise noch mehrere Wochen lang, wie eine Studie aus Israel verdeutlicht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten in Muttermilchproben von 84 stillenden, geimpften Mitarbeiterinnen im Gesundheitswesen die Mengen von zwei bestimmten Antikörpern gemessen: Immunglobulin A (IgA) und Immunglobulin G (IgG).

Die Konzentration der IgA-Antikörper habe schnell zugenommen und sei zwei Wochen nach der ersten Impfung signifikant erhöht gewesen, berichten die Studienautoren im Fachmagazin „Journal of the American Medical Association“. Die Menge der IgG-Antikörper sei hingegen in den ersten drei Wochen gering ausgefallen, um dann in der vierten Woche anzusteigen. „Antikörper, die in der Muttermilch dieser Frauen gefunden wurden, zeigten eine starke neutralisierende Wirkung, was auf eine potenzielle Schutzwirkung gegen Infektionen beim Säugling hindeutet“, schreiben die Forschenden.

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mRNA der Impfstoffe ist nicht in Muttermilch nachweisbar

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe spricht in diesem Zusammenhang von einer „Nestimmunität“, die durch die impfinduzierten Antikörper in der Muttermilch hervorgerufen wird. In einer gemeinsamen Empfehlung mit zehn anderen Fachgesellschaften heißt es: „Es wird empfohlen, stillenden Frauen eine mRNA-basierte Impfung gegen Covid-19 anzubieten und zu ermöglichen.“ Eine Stillpause während der Impfung sei nicht erforderlich. Der Grund: Die mRNA kann nicht in der Muttermilch nachgewiesen werden.

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Das war eine der großen Sorgen unter werdenden und jenen Müttern, die gerade entbunden hatten, der eine kleine US-amerikanische Studie der University of California nachgegangen ist. Das Forscherteam um Yarden Golan Maor hatte Muttermilchproben von sechs Frauen gesammelt, nachdem diese geimpft worden waren. Fünf von ihnen hatten das Vakzin von Biontech/Pfizer erhalten, eine den Wirkstoff von Moderna. Selbst nach zwei Tagen fanden sich in der Muttermilch der Teilnehmerinnen keine Spuren der mRNA. Die Studie, die auf dem Preprint-Server medRxiv erschienen ist, soll nun ausgeweitet werden, um diese ersten Ergebnisse zu bekräftigen.

Nebenwirkungsprofil ist noch unklar

Die bisherigen Studiendaten zum Impfschutz von stillenden Müttern und ihren Kindern sind vielversprechend. Zwei Fragen sind jedoch noch ungeklärt. Erstens: Ist am Ende der Nutzen der Impfung größer als potenzielle Risiken? Und zweitens: Wie viel Schutz bieten die in der Muttermilch nachgewiesenen Antikörper den Säuglingen?

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Die Nutzen-Risiko-Abwägung ist nicht ganz eindeutig. Denn über potenzielle Risiken ist bisher wenig bekannt. Auch weil stillende Mütter aus rechtlichen und ethischen Gründen von den klinischen Impfstoffstudien ausgeschlossen waren, in denen die Hersteller häufige Impfreaktionen und Nebenwirkungen hätten identifizieren können.

In der israelischen Studie, die 84 Teilnehmerinnen umfasste, seien keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse aufgetreten – weder bei den Müttern noch bei ihren Kindern. 40 Frauen (47,6 Prozent) klagten nach der ersten Impfung über lokale Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, acht (9,5 Prozent) über Müdigkeit. Nach der zweiten Impfung berichteten 34 Mütter (40,5 Prozent) über Schmerzen an der Einstichstelle, 28 (33,3 Prozent) über Müdigkeit und zehn (11,9 Prozent) über Fieber.

WHO und CDC empfehlen Corona-Impfung für stillende Mütter

Die Studienautoren schreiben zudem, dass vier Säuglinge während des Untersuchungszeitraums nach der Impfung der Mutter Fieber entwickelten. „Alle hatten Symptome einer Infektion der oberen Atemwege, die ohne Behandlung abklangen – mit Ausnahme eines Säuglings, der aufgrund seines Alters zur Untersuchung auf neonatales Fieber aufgenommen und bis zum Vorliegen der Kulturergebnisse mit Antibiotika behandelt wurde“, heißt es in der Untersuchung. Andere unerwünschte Ereignisse seien nicht eingetreten.

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Erst wenn eine manifeste Nutzen-Risiko-Analyse möglich ist, und dabei der Nutzen überwiegt, dürfte die Stiko eine Impfempfehlung für stillende Mütter aussprechen. Andere Expertengremien und Organisationen sind da schon weiter. Neben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen auch die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) stillenden Müttern eine Corona-Impfung. „Aufgrund der Wirkungsweise dieser Impfstoffe im Körper wird davon ausgegangen, dass Covid-19-Impfstoffe kein Risiko für stillende Personen oder deren gestillte Säuglinge darstellen“, schreibt die US-amerikanische Gesundheitsbehörde auf ihrer Internetseite. „Daher können stillende Personen einen Covid-19-Impfstoff erhalten.“

Antikörper können Coronavirus im Labor neutralisieren

Die Frage, wie viel Schutz die in der Muttermilch nachgewiesenen Antikörper den Neugeborenen bieten, kann ebenfalls noch nicht klar beantwortet werden. Erste Hinweise zu ihrer Wirksamkeit liefert beispielsweise eine niederländische Studie. Allerdings sind die dabei untersuchten Immunglobulin A-Antikörper nicht durch eine Corona-Impfung, sondern durch eine Corona-Infektion angeregt worden. Die Forscherinnen und Forscher hatten Muttermilchproben untersucht und dabei eine Vielzahl von Antikörpern nachgewiesen, die in der Lage gewesen seien, das Virus im Labor zu neutralisieren. Die Studie muss noch von unabhängigen Expertinnen und Experten überprüft werden.

Die Ergebnisse decken sich mit Befunden einer US-amerikanischen Studie, die in einem Fachmagazin der American Society for Microbiology erschienen ist. Auch diese hatte IgA- und IgG-Antikörper in Muttermilchproben gefunden, die Sars-CoV-2 im Labor neutralisieren konnten. Das Forscherteam kommt zu dem Schluss, dass Mütter ihre Kinder weiter stillen sollten, selbst wenn sie leicht bis mittelschwer an Covid-19 erkranken. Denn die Muttermilch biete wahrscheinlich „spezifische immunologische Vorteile für Säuglinge“.

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