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PEI-Bericht: Fünf- bis Elfjährige haben meist „milde und vorübergehende“ Impfreaktionen

Impfungen bei Kindern starten am Donnerstag in MV. (Symbolbild)

Ein Kind wird gegen Covid-19 geimpft.

Lassen sich Kinder und Jugendliche zwischen fünf und elf Jahren gegen Covid-19 impfen, entwickeln sie überwiegend „milde und vorübergehende“ Impfreaktionen. Das berichtet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in seinem neuesten Sicherheitsbericht, der Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach einer Corona-Impfung für den Zeitraum vom 27. Dezember 2020 bis 31. Dezember 2021 umfasst. Es sind die ersten Sicherheitsdaten zur Corona-Impfung von Fünf- bis Elfjährigen.

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Ende November vergangenen Jahres hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche zwischen fünf und elf Jahren in Europa zugelassen. Seit Mitte Dezember 2021 wird das Vakzin in Deutschland verimpft – vorrangig an Kinder mit Vorerkrankungen und Kinder, die mit Risikopersonen Kontakt haben, wie es die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt. Fünf- bis Elfjährige ohne Vorerkrankungen können sich zurzeit bei individuellem Wunsch, nach Einwilligung der Erziehungsberechtigten und einem ärztlichen Aufklärungsgespräch impfen lassen.

Seitdem die Impfungen mit dem Biontech-Vakzin für Kinder und Jugendliche zwischen fünf und elf Jahren in Deutschland möglich sind, hat das PEI 398 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen in der Altersgruppe verzeichnet. Darunter waren Reaktionen, wie sie auch von den Corona-Impfungen von Erwachsenen bekannt sind: Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Erbrechen, Unwohlsein oder Ermüdung.

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Fünf schwerwiegende Nebenwirkungen gemeldet

Es gab unter den geimpften Fünf- bis Elfjährigen aber auch fünf Verdachtsmeldungen zu unerwünschten, schwerwiegenden Impfreaktionen. Ob diese Nebenwirkungen tatsächlich im Zusammenhang mit der Impfung stehen, muss noch überprüft werden. Das PEI berichtet von neu aufgetretenem Typ-1-Diabetes, einer Immunthrombozytopenie (eine Blutungsstörung durch Rückgang der Blutplättchen, Anm. d. Red.), Erbrechen und Fieber sowie einmal Fieber und einmal eine Synkope (Ohnmacht, Anm. d. Red.). Die Melderate der schwerwiegenden Reaktionen beziffert die Behörde mit 1,14 Fällen pro 100.000 Impfungen.

Drei Kinder zwischen fünf und elf Jahren wurden nicht mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin geimpft, sondern mit einem Impfstoff, der für diese Altersgruppe nicht zugelassen ist. Bei einer weiteren Meldung wurden keine Angaben zum verwendeten Impfstoff gemacht. Von den 5,3 Millionen Fünf- bis Elfjährigen in Deutschland sind bis jetzt rund 630.000 vollständig geimpft, wie Daten des Impfdashboards des Bundesgesundheitsministeriums zeigen (Stand: 8. Februar 2022).

Corona-Impfstoffe zum Teil Off-Label verimpft

Im Sicherheitsbericht des PEI finden sich zudem 103 Verdachtsfälle von Nebenwirkung, in denen die Geimpften jünger als fünf Jahre waren. Alle seien nicht schwerwiegend erkrankt. In 20 Fällen handele es sich um gestillte Säuglinge, bei denen unerwünschte Reaktionen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung der Mutter beobachtet wurden, schreibt die Behörde. Die restlichen 83 Kinder mit Impfnebenwirkungen scheinen Off-Label geimpft worden zu sein; denn eine Impfstoffzulassung für Kinder unter fünf Jahren gibt es in Europa noch nicht.

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„Die Entscheidung eines Off-Label-Einsatzes können wir generell nicht befürworten“, sagte Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Ende November vergangenen Jahres dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Dazu braucht es eine sorgfältige Abwägung von individuellem Nutzen und Risiko.“ Das könne nur im persönlichen Gespräch mit dem Patient und der Patientin beziehungsweise den Eltern und dem impfenden Arzt oder der Ärztin erfolgen.

Nebenwirkungen sind mehrheitlich problemlos ausgeheilt

Die gute Nachricht des PEI-Berichts: Die beobachteten Impfnebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen sind wieder abgeklungen. In 76,4 Prozent der Verdachtsmeldungen waren die Betroffenen zum Zeitpunkt der Meldung wieder vollständig genesen; 9,8 Prozent waren auf dem Weg der Besserung. 8,6 Prozent der Kinder mit Nebenwirkungen seien noch nicht genesen gewesen, bei 5,6 Prozent sei der Fallausgang unbekannt, so das PEI. „Es wurde kein bleibender Schaden und kein Todesfall berichtet“, heißt es weiter.

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Die Daten sind vielversprechend. Es muss dabei aber berücksichtigt werden, dass im Zeitraum des PEI-Berichts nur wenige Tausend Kinder zwischen fünf und elf Jahren gegen Covid-19 geimpft waren. Das heißt, sehr seltene Nebenwirkungen konnten eventuell noch nicht erfasst werden. Darauf weist auch die Stiko hin, weshalb sie vorerst keine allgemeine Impfempfehlung für die Fünf- bis Elfjährigen ausspricht.

US-Studie weist kaum Impfnebenwirkungen bei Kindern nach

In den USA ist die Datenlage besser: Dort hat eine Auswertung der Gesundheitsbehörde CDC von Anfang Januar ergeben, dass bei insgesamt rund 8,7 Millionen an Fünf- bis Elfjährigen verimpften Dosen zwölf Kinder eine Herzmuskelentzündung als sehr seltene Nebenwirkung entwickelt haben. Keines der Kinder musste im Krankenhaus behandelt werden. Häufiger seien stattdessen leichte Reaktionen wie Fieber und Erbrechen aufgetreten – was sich mit den Ergebnissen des PEI deckt.

Außerdem kann angenommen werden, dass es sich bei den vom PEI registrierten Verdachtsmeldungen wohl mehrheitlich um beobachtete Impfnebenwirkungen von Kindern mit Vorerkrankungen handelt, für die die Corona-Impfung in Deutschland aktuell empfohlen wird. Bei ihnen haben sich kaum schwerwiegende Nebenwirkungen gezeigt, woraus geschlussfolgert werden könnte, dass eine Corona-Impfung für Kinder ohne Vorerkrankungen gleichermaßen sicher ist. Dazu gibt es zurzeit aber noch keine soliden Daten.

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