Pilotprojekte gestartet: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Corona-Impfungen in Hausarztpraxen

  • Bislang ist es in Deutschland nicht möglich, sich beim Hausarzt gegen Covid-19 impfen zu lassen.
  • Zukünftig werden die Praxen aber eine wichtige Anlaufstelle für Impfwillige sein.
  • Um sich auf die Corona-Impfungen in den Einrichtungen vorzubereiten, haben mehrere Bundesländer Pilotprojekte gestartet.
Laura Beigel
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Wer sich gegen Covid-19 impfen lassen möchte, braucht dafür einen Termin in einem nahe gelegenen Impfzentrum. Die Terminvergabe regeln die Bundesländer individuell – entweder mithilfe eines Onlineportals, einer Telefonhotline oder per postalischer Einladung. Impfungen in Hausarztpraxen, wie sie bei anderen Impfstoffen üblich sind, werden aktuell noch nicht angeboten. Allerdings starten einige Bundesländer jetzt Pilotprojekte, um genau dies zu erproben.

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In welchen Bundesländern finden Pilotprojekte statt?

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In Niedersachsen haben heute fünf Hausarztpraxen mit Corona-Impfungen begonnen. Diese sollen nach Angaben der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ in den Landkreisen Leer, Wesermarsch und Uelzen sowie in Stadt und Region Hannover durchgeführt werden. Welche Ärzte genau gegen Covid-19 impfen, wollten die Kreise nicht mitteilen.

„Um insbesondere die Logistik und Lagerung der Impfstoffe und die technischen Abläufe einmal durchzuspielen und Erfahrungen mit der praktischen Umsetzung im Alltag zu sammeln, starten wir zunächst eine kurze Erprobungsphase von etwa maximal zwei Wochen in den neun Pilotpraxen“, erklärte die niedersächsische Gesundheitsministerin, Carola Reimann. „Voraussichtlich ab April können dann deutlich mehr Praxen in Niedersachsen mit im Boot sein.“

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Auch in Thüringen sollen Hausarztpraxen schon bald beim Impfen gegen das Coronavirus helfen. Geplant ist dazu ein Pilotprojekt, das noch im März starten soll, wie das Thüringer Gesundheitsministerium über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt gab. „Auch in Thüringen wird es im März erste Pilotprojekte mit Impfungen in Hausarztpraxen geben“, schrieb die Pressestelle des Ministeriums. Dies sei mit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen so vereinbart worden.

Ein Modellprojekt für Corona-Schutzimpfungen durch niedergelassene Ärzte hat das Saarland Ende Februar auf den Weg gebracht. Sieben spezialisierte Hausarztpraxen quer durchs Land verteilt werden daran teilnehmen, gab das Gesundheitsministerium bekannt. Beteiligt sind die Kassenärztliche Vereinigung, die Ärztekammer und der Hausärzteverband.

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In Mecklenburg-Vorpommern werden schon seit Anfang Februar Impfungen in Hausarztpraxen durchgeführt – zumindest im Landkreis Nordwestmecklenburg. Einmal pro Woche sollen in insgesamt zehn Praxen je nach bereitstehender Impfstoffmenge jeweils bis zu 24 Menschen geimpft werden.

Zudem startet Brandenburg in dieser Woche mit einem Pilotprojekt, das bis Ende des Monats auf 50 Hausarztpraxen ausgeweitet werden soll. Bisher umfasst es Praxen in den Städten Bad Belzig, Senftenberg, Pritzwalk und Wittenberge. Welche Ärzte genau teilnehmen, soll zunächst nicht genannt werden, um einen Ansturm auf die Einrichtungen zu vermeiden.

„Wir wollen Erfahrungen sammeln und zeigen, wie das Impfen in Arztpraxen möglich ist“, sagte Holger Rostek, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), der „Märkischen Allgemeinen“ (MAZ).

Wer soll in den Hausarztpraxen gegen Covid-19 geimpft werden?

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Geimpft werden sollen in Niedersachsen nur impfberechtigte Personen, die jünger sind als 65 Jahre und zur höchsten Priorisierungsgruppe gehören. Also beispielsweise Mitarbeiter in der ambulanten Pflege, Mitarbeiter in Kindergärten, Ärzte sowie deren Praxispersonal.

Mecklenburg-Vorpommern will insbesondere älteren Bewohnern ländlicher Regionen kurze Wege zum Impfen ermöglichen. Zunächst sollen Menschen, die älter als 80 Jahre sind, in den Hausarztpraxen geimpft werden. Eine Impfung erhalten die Senioren außerhalb der normalen Sprechzeiten.

In Brandenburg werde sich das Angebot auf Patienten der jeweiligen Praxen beschränken, sagte Holger Rostek von der KVBB. „Es können sich dort keine praxisfremden Patienten impfen lassen.“

Wie werden die Impftermine organisiert?

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Bei dem saarländischen Modellprojekt sollen jeder Praxis aus einer Warteliste wöchentlich 100 Personen der höchsten Priorisierungsstufe zugeteilt werden, die in der Nähe wohnen. „Diese werden vom System zu einer Impfung in der Hausarztpraxis eingeladen, die Praxis selbst erhält eine Liste und vereinbart dann mit den ihr zugeteilten Personen einen Erstimpftermin und im Zeitraum von neun Wochen den Zweitimpftermin“, erklärte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Hausärzte vereinbaren mit den zugeteilten Personen einen Termin zur Erst- und Zweitimpfung. Den Impfstoff sowie das Impfzubehör erhalten die Praxen über die Kassenärztliche Vereinigung. Die organisatorischen Vorbereitungen laufen den Angaben zufolge bereits.

In Mecklenburg-Vorpommern können die Senioren Impftermine für die Hausarztpraxen über die Landeshotline vereinbaren. Niedersachsen will in den Hausarztpraxen hingegen Menschen impfen, die von den regionalen Impfzentren zugewiesen werden. Den Zentren würden Listen der zu impfenden Personen vorliegen, sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen auf Anfrage des RND.

Holger Rostek von der brandenburgischen Kassenärztlichen Vereinigung appellierte an Impfwillige, nicht auf gut Glück bei den Arztpraxen vorbeizuschauen. Stattdessen würden impfberechtigte Patienten von den Praxisärzten über das Pilotprojekt informiert. Die Hausärzte wüssten, welche ihrer Patienten dafür infrage kämen, sagte Rosteck der „MAZ“.

Warum sind Impfungen in den Praxen grundsätzlich noch nicht möglich?

Als Hauptgrund wird zumeist die Beschaffenheit der Impfstoffe angeführt. Die in der EU zugelassenen mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna müssen beispielsweise stark gekühlt werden, was den Transport und die Lagerung erschwert. Der Einsatz von Ultratiefkühlschränken, die die Stabilität der Impfstoffe garantieren, wurde deshalb zunächst auf die Impfzentren beschränkt. Inzwischen gab Biontech jedoch bekannt, dass sein Vakzin auch bei Temperaturen zwischen minus 25 Grad bis minus 15 Grad gelagert werden könne – anstatt der bisherigen minus 70 Grad.

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Große logistische Herausforderungen sieht Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, inzwischen nicht mehr. Die Impfstoffe, auch der von Biontech, ließen sich im normalen Kühlschrank mehrere Tage lagern. Das sei vor Ort gut zu handhaben. Selbst wenn Impflinge ihre Termine versäumten, bereite das keine Schwierigkeiten: „Dann suchen wir aus dem Computer die Adressen derjenigen Patienten raus, die als Nächstes dran wären“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Wann sind bundesweite Impfungen in Hausarztpraxen möglich?

Laut einem Bericht der Funke Mediengruppe plant Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den bundesweiten Start für die Impfungen bei Hausärzten ab April. „In den meisten Ländern wird die Zahl der verfügbaren Impfdosen bereits im April die von den Ländern gemeldeten maximalen Kapazitäten in den Impfzentren übersteigen“, zitiert die Funke-Mediengruppe aus einem Vorschlag zur Änderung der Nationalen Impfstrategie.

Die Hausärzte sehen sich in der Lage, ohne großen Vorlauf mit der Corona-Impfung in den Praxen zu starten. „Wir können sofort loslegen“, sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt dem epd. „Das ist kein Problem, wenn die Impfstoffe wie in die Impfzentren auch an die Praxen verteilt werden.” Es gebe keinen vernünftigen Grund, die Impfungen in den Praxen jetzt nicht anlaufen zu lassen, betonte der Mediziner. „Wir können das, wir sind flexibel und wir können die Menschen, die noch unsicher sind, ob sie sich impfen lassen wollen, auch überzeugen.“

mit Material von dpa und epd

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