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  • Corona-Impfung auch für Genesene mit Symptomen? Langzeitfolgen von Covid-19 unklar

Long Covid: Ist die Impfung auch für Corona-Genesene mit Symptomen sinnvoll?

  • Was sollten Menschen mit für Long Covid typischen Symptomen beachten, wenn die Impfung gegen Covid-19 ansteht?
  • Immerhin leiden Betroffene unter Umständen noch Wochen bis Monate nach der akuten Infektion unter gesundheitlichen Folgen.
  • Die Antwort ist schwierig – denn Forscher stehen noch ganz am Anfang ihrer Untersuchungen dazu, wie Impfung und Long Covid zusammenhängen.
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Etwa einer von zehn Covid-19-Betroffenen fühlt sich auch drei Monate nach akuter Infektion unwohl, und viele noch viel länger. Das berichtete Hans Kluge, Direktor des WHO-Regionalbüros Europas, vergangene Woche. Unter dem Krankheitsbild „Long Covid“ versammeln sich inzwischen zahlreiche Schilderungen offiziell Genesener, die noch Monate später von gesundheitlichen Folgen beeinträchtigt sind. Die Symptome sind mannigfaltig. Und mit dem Beginn der Impfungen stellt sich nun die Frage: Sollten sich Menschen mit Long Covid ebenfalls impfen lassen, sobald sie an der Reihe sind?

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An sich sind das Phänomen „Long Covid“ und die Abläufe im Körper nach der Akutinfektion noch nicht allzu umfangreich erforscht. Es fehlen aussagekräftige und länger laufende Studien. Daten aus England deuten darauf hin, dass etwa 40 Prozent der hospitalisierten Erkrankten längerfristige Unterstützung benötigen und bei etwa 10 Prozent der nicht hospitalisierten, mild Erkrankten Symptome länger als vier Wochen andauern.

Besonders häufig wird über Luftnot, Muskelschmerzen, Gedächtnisstörungen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, eine ausgeprägte Erschöpfung und Müdigkeit berichtet. „Die Ursachen der Langzeitfolgen von Covid-19 sind unklar und hinsichtlich der Prognose und möglicher Therapieoptionen besteht dringender Forschungsbedarf“, heißt es dazu in den Ausführungen zur Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Long Covid im Speziellen taucht dementsprechend auch nicht in der Stiko-Empfehlung zur Impfung gegen Covid-19 auf – nur die Gesamtgruppe der Genesenen:

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  • Es sei davon auszugehen, dass Personen, die von einer Sars-CoV-2-Infektion oder Covid-19 genesen sind, zumindest vorübergehend über einen gewissen Schutz vor einer Erkrankung verfügen.
  • „Aufgrund dieser anzunehmenden Immunität nach durchgemachter Infektion, zur Vermeidung überschießender Nebenwirkungen und in Anbetracht des bestehenden Impfstoffmangels sollten ehemals an Covid-19 erkrankte Personen nach Ansicht der Stiko unter Berücksichtigung der Priorisierung im Regelfall etwa sechs Monate nach Genesung geimpft werden“, heißt es auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts.
  • Wie vor jeder Impfung solle vorab ärztlich geprüft werden, ob der eigene Gesundheitszustand eine Impfung erlaubt. Im Aufklärungsbogen zur Corona-Schutzimpfung heißt es: Wer an einer akuten Krankheit mit Fieber (38,5 Grad oder höher) leidet, soll erst nach Genesung geimpft werden. Eine Erkältung oder gering erhöhte Temperatur (unter 38,5 Grad) sei jedoch kein Grund, die Impfung zu verschieben.
  • An den Zulassungsstudien der mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech haben auch Teilnehmer mit bereits durchgemachter Infektion teilgenommen. Die Impfung sei von ihnen nicht schlechter vertragen worden, besondere Gefahren gebe es nicht. „Lokale und systemische Reaktionen nach den Impfungen waren teilweise sogar weniger stark ausgeprägt“, heißt es dazu in der Stiko-Empfehlung.
  • Auch die Effektivität der Impfung sei nicht unterschiedlich. Es bestehe deshalb auch nicht die Notwendigkeit, vor der Impfung eine möglicherweise unerkannt durchgemachte Sars-CoV-2-Infektion labordiagnostisch zu prüfen.

Impfung und Long Covid: Ein unerforschter Bereich

Eindeutig belegt ist bei den zugelassenen Impfungen von Biontech, Moderna und Astrazeneca, dass die Mittel vor schwerem akuten Covid-19-Verlauf und Tod schützen. Eine zentrale Frage, der Forscher nun aber auch vermehrt nachgehen wollen: Schützt die Impfung auch vor Long Covid? „Das ist eine unglaublich wichtige Frage, auf die wir einfach keine Antwort wissen“, wird Timothy Henrich, Virologe und zu Langzeitfolgen von Covid-19 forschender Immunologe an der University of California in San Francisco beim Nachrichtenportal „The Verge“ zitiert.

Die an der Yale University forschende Immunologin Prof. Akiko Iwasaki hat dazu bereits einige Arbeitshypothesen formuliert. Impfstoffe könnten möglicherweise gegen Long-Covid-Symptome helfen, weil die angeborene Immunantwort stimuliert werde, mutmaßt die Wissenschaftlerin in einem Twitter-Thread. Das würde voraussetzen, dass eine vorübergehende Entzündung die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ablenkt und dadurch Long Covid überhaupt erst verursacht wird. Erste Studien haben bereits gezeigt, dass Entzündungen in verschiedenen Geweben und bestimmte Autoantikörper, die sich plötzlich gegen den Körper wenden, bei Covid-Patienten mit schwereren Verläufen vorhanden sind.

Um aber anhand von Beweisen festzustellen, welche Mechanismen genau für die durch Impfstoffe vermutete Verbesserung von Long Covid verantwortlich sein könnten, brauche es gute Studien, sagt Iwasaki. Die Ergebnisse könnten sowohl Hinweise darauf liefern, was Long Covid antreibt als auch mögliche Therapieansätze für Long Covid.

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