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  • Corona-Impfung: Alter, Dosen, Impfabstand – was empfiehlt die Stiko? Ein Überblick

Biontech, Moderna, Astrazeneca, Johnson & Johnson: Was empfiehlt die Stiko für die Corona-Impfung?

  • Regelmäßig aktualisiert die Ständige Impfkommission ihre Empfehlungen zu den Corona-Impfstoffen.
  • Dabei den Überblick zu behalten, ist nicht immer einfach.
  • Wie viele Dosen braucht es? Wann muss der Impfschutz aufgefrischt werden? Ein Überblick.
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Mit vier Impfstoffen können sich die Menschen in Deutschland inzwischen gegen Covid-19 impfen lassen. Da wäre zum einen das Vakzin von Biontech/Pfizer, das Ende Dezember 2020 als erstes im Kampf gegen das Coronavirus in Europa verfügbar gewesen ist – und auf einer mRNA-Technologie basiert, ebenso wie der Wirkstoff von Moderna. Zum anderen gibt es mit den Wirkstoffen von Astrazeneca und Johnson & Johnson zwei Vektorimpfstoffe, die schwere Covid-19-Krankheitsverläufe verhindern sollen.

Je weiter die Pandemie vorangeschritten ist, desto mehr Wissen konnten Forschende über das Virus sammeln. Entsprechend häufig haben sich die Impfempfehlungen zu den Corona-Vakzinen geändert, für die in Deutschland die Ständige Impfkommission (Stiko) zuständig ist.

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Auch heute noch, beinahe zwei Jahre nach dem ersten Erregernachweis in Wuhan, aktualisiert das Expertengremium mit Sitz am Robert Koch-Institut regelmäßig seine Empfehlungen, basierend auf dem aktuellen Daten- und Wissensstand. Wer sollte wann eine zweite Impfdosis erhalten? Für wen braucht es Auffrischungsimpfungen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Ab welchem Alter können die Corona-Impfstoffe genutzt werden?

Biontech/Pfizer: Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer ist in Europa für alle Personen ab 12 Jahren zugelassen.

Moderna: Das mRNA-Vakzin von Moderna können alle Personen ab 12 Jahren erhalten.

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Astrazeneca: Die Stiko hatte den Impfstoff von Astrazeneca nach der Zulassung zunächst nur für Menschen unter 65 Jahren empfohlen. Denn damals gab es aus den Zulassungsstudien nur wenige Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Älteren. Erst später gab das Expertengremium grünes Licht für den Einsatz bei über 65-Jährigen.

Als es schließlich unter den Jüngeren zu einer auffälligen Häufung von Hirnvenenthrombosen gekommen war, änderte sich die Empfehlung erneut. Im April entschied die Stiko, dass der Astrazeneca-Wirkstoff nur noch über 60-Jährigen verabreicht werden soll. Jüngere können sich aber nach individueller Risikoakzeptanz und ärztlicher Aufklärung weiterhin mit dem Vakzin impfen lassen.

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Johnson & Johnson: Auch das Vektorvakzin von Johnson & Johnson empfiehlt die Stiko nur noch für über 60-Jährige. Alle unter 60-Jährigen können aber nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoakzeptanz weiterhin mit dem Wirkstoff geimpft werden.

Corona-Impfung: Wie viele Dosen braucht es?

Biontech/Pfizer: Für einen vollständigen Impfschutz braucht es zwei Dosen.

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Moderna: Auch bei diesem Vakzin sind zwei Dosen notwendig.

Astrazeneca: Das Vakzin von Astrazeneca empfiehlt die Stiko inzwischen nur noch für eine Erstimpfung. Für eine zweite Impfung soll ein mRNA-Impfstoff (Biontech/Pifzer oder Moderna) verwendet werden. Expertinnen und Experten sprechen in diesem Fall von einem heterologen Impfschema. Umgangssprachlich wird das auch Kreuzimpfung genannt

Anfangs hatte die Stiko von Astrazeneca noch zwei Impfdosen empfohlen. Weil sich jedoch das heterologe Impfschema mit einem mRNA-Impfstoff als ebenso sicher, aber wirksamer erwiesen hatte, änderte das Expertengremium seine Empfehlung. Im Fall, dass kein mRNA-Impfstoff zur Zweitimpfung genutzt werden kann oder dies nicht gewünscht ist, kann aber weiterhin auf das Astrazenenca-Vakzin zurückgegriffen werden.

Johnson & Johnson: Bis vor Kurzem brauchte es von dem Impfstoff von Johnson & Johnson nur eine einzelne Dosis. Weil unter Johnson-&-Johnson-Geimpften vermehrt Impfdurchbrüche aufgetreten waren und die Wirksamkeit gegen die Delta-Variante geringer ausgefallen war, entschied sich die Stiko Anfang Oktober dazu, eine zweite Impfdosis zu empfehlen. Bei einer zweiten Impfung soll – wie bei Astrazeneca – ein mRNA-Impfstoff verwendet werden.

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Das Robert Koch-Institut habe die bisherigen Angaben überprüft und eine um bis zu 5 Prozent höhere Impfquote mitgeteilt.  © Reuters

Welche Impfabstände müssen eingehalten werden?

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Biontech/Pfizer: Zwischen der ersten und der zweiten Impfung sollten drei bis sechs Wochen vergehen.

Moderna: Bei diesem mRNA-Vakzin empfiehlt die Stiko einen Abstand von vier bis sechs Wochen.

Astrazeneca: Werden Personen zwei Dosen des Astrazeneca-Vakzins verabreicht, sollte zwischen beiden Impfungen ein zeitlicher Abstand von neun bis zwölf Wochen eingehalten werden. Bei einem heterologen Impfschema – wenn also ein mRNA-Impfstoff zur Zweitimpfung verwendet wird – rät die Stiko zu einem Abstand von mindestens vier Wochen.

Johnson & Johnson: Wer bereits eine Dosis des Wirkstoffs erhalten hat, soll eine zusätzliche Impfung ab vier Wochen nach der Johnson-&-Johnson-Impfung wahrnehmen.

Muss ein zeitlicher Abstand zwischen einer Corona-Impfung und einer anderen Impfung eingehalten werden?

Anfänglich hatte die Stiko entschieden, dass zwischen einer Corona-Impfung und der Gabe anderer Impfstoffe ein Mindestabstand von 14 Tagen eingehalten werden muss. Diese Empfehlung hat das Gremium Ende September überarbeitet.

Ab sofort muss zwischen der Corona-Impfung und der Impfung mit einem Totimpfstoff, der etwa zur Tetanusimpfung verwendet wird, kein Impfabstand mehr eingehalten werden. Die Vakzine können also gleichzeitig verabreicht werden. Als Begründung für die geänderte Impfempfehlung führt die Stiko eine inzwischen umfangreichere Datenlage zur Sicherheit und Verträglichkeit der Corona-Vakzine an.

Was gilt für die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen?

Zunächst hatte die Stiko eine Corona-Impfung nur für 12- bis 17-Jährige mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Adipositas oder Trisomie 21 sowie mit einem hohen Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf empfohlen. Im August folgte dann eine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren. Sie sollen zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs (Biontech/Pfizer oder Moderna) erhalten.

Der Grund, warum das Expertengremium nicht gleich zu Beginn eine allgemeine Impfempfehlung ausgesprochen hatte, war eine unzureichende Datenlage. Das Risiko für mögliche Nebenwirkungen einer Impfung bei unter 18-Jährigen ließ sich auf Basis der Daten aus den Zulassungsstudien nicht genau beurteilen. Anhand von Daten aus den USA kam die Stiko schließlich doch zu dem Entschluss, dass der Nutzen die Risiken einer Impfung überwiegt.

Für unter Zwölfjährige ist hingegen noch kein Corona-Impfstoff zugelassen. Die Firmen Biontech und Pfizer treiben aber die Zulassung ihres Wirkstoffs für jüngere Kinder voran. In den USA haben sie beispielsweise Anfang Oktober eine Zulassung bei der Arzneimittelbehörde FDA beantragt.

Was gilt für die Corona-Impfung von Genesenen?

Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat, sollte sich nach Einschätzung der Stiko trotzdem impfen lassen. Weil das Immunsystem nach Kontakt mit dem Virus eine Immunität aufbaut, genügt aber eine einzelne Dosis, um eine hohe Antikörperantwort zu erzielen. Das Gremium rät dazu, diese Impfung sechs Monate nach einer symptomatischen Infektion durchzuführen. Sie kann jedoch auch schon vier Wochen nach dem Ende von Symptomen erfolgen. Verwendet werden können alle zugelassenen Corona-Impfstoffe.

Sind Personen asymptomatisch an Covid-19 erkrankt, kann eine einzelne Impfdosis bereits ab vier Wochen nach einer gesicherten Labordiagnose verabreicht werden. Menschen, die sich nach einer Erstimpfung mit dem Virus infiziert haben und einen direkten Erregernachweis vorweisen können, sollten sich laut Stiko sechs Monate nach Ende der Symptome beziehungsweise nach der Diagnose ein weiteres Mal impfen lassen. Auch hier ist eine Impfstoffgabe ab vier Wochen nach dem Ende der Symptome möglich.

Ob Genesene zu einem späteren Zeitpunkt noch eine zweite Impfung benötigen, ließe sich zurzeit nicht sagen, teilt die Stiko mit. Umstritten ist bereits der Zeitpunkt der ersten Impfung. Die Gesellschaft für Virologie hatte in diesem Zusammenhang auf Daten aus mehreren Ländern verwiesen, wonach eine durchgemachte Corona-Infektion noch ein Jahr lang vor Reinfektionen und schweren Krankheitsverläufen schützt. Sie sprach sich deshalb dafür aus, die Impfempfehlung anzupassen.

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Was gilt für die Corona-Impfung von Schwangeren und stillenden Müttern?

Auch sie können sich mittlerweile gegen Covid-19 impfen lassen. Die Stiko empfiehlt Schwangeren eine Impfung ab dem zweiten Trimenon. Diese sollen zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs (Biontech/Pfizer oder Moderna) bekommen – ebenso wie stillende Mütter. Wird eine Schwangerschaft erst nach der Erstimpfung festgestellt, sollte die Zweitimpfung ab dem zweiten Trimenon erfolgen. Eine Impfung im ersten Trimenon sei „keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch“, heißt es in der Impfempfehlung des Expertengremiums.

Welche Personen sollen eine Auffrischungsimpfung erhalten, also ein drittes Mal geimpft werden?

Seit September können sich alle Menschen ab 60 Jahren noch ein drittes Mal gegen Covid-19 impfen lassen. Das hatten die Gesundheitsministerinnen und -minister zuvor beschlossen. Eine Stiko-Empfehlung gab es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht. Inzwischen hat das Expertengremium nachgezogen und empfiehlt Auffrischungsimpfungen für:

  • Menschen mit einer Immunschwäche
  • Menschen, die 70 Jahre und älter sind
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • Pflegepersonal mit direktem Kontakt zu Risikopersonen
  • medizinisches Personal mit direktem Patientenkontakt

Welche Impfstoffe stehen für die Boosterimpfungen zur Verfügung?

Für eine Boosterimpfung verwendet werden sollen mRNA-Impfstoffe, empfiehlt die Stiko. Somit kommen nur die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna infrage.

Wann sollte eine Auffrischungsimpfung erfolgen?

Grundsätzlich soll eine dritte Dosis frühestens sechs Monate nach der zweiten Impfung verabreicht werden – unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde. Für immungeschwächte Menschen gelten jedoch Ausnahmen: Schwer immundefiziente Personen, bei denen von einer stark verminderten Impfwirkung ausgegangen werden muss, können schon vier Wochen nach der zweiten Impfung eine dritte erhalten.

„Über eine Auffrischimpfung im Abstand von weiteren circa 6 Monaten zur primären Impfserie muss bei diesen Personen im Einzelfall entschieden werden“, schreibt die Stiko in ihrer Impfempfehlung von Ende September.

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