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Corona-Impfung ab zwölf Jahren: Warum hat die Impfkommission ihre Meinung geändert?

  • Die Ständige Impfkommission (Stiko) spricht sich jetzt für eine Corona-Impfung für alle ab zwölf Jahren aus.
  • Mittlerweile könnten mögliche Risiken der Impfung in der Altersgruppe zuverlässiger beurteilt werden, erklärte das Gremium.
  • Die Vorteile der Impfung würden gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen.
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Monatelang war die Ständige Impfkommission zurückhaltend. Obwohl die Europäische Arzneimittelagentur den Impfstoff von Biontech/Pfizer und Moderna für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen hatte, hatte das deutsche Gremium keine generelle Impfempfehlung ausgesprochen.

Stattdessen wurde die Immunisierung in der Altersgruppe bislang vor allem jenen empfohlen, die bestimmte Vorerkrankungen wie Fettleibigkeit oder chronische Lungenkrankheiten haben – oder Menschen mit besonderem Corona-Risiko im Umfeld.

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Die Stiko wägt im Unterschied zur EMA andere Faktoren ab. Während die EMA vor allem allgemein die Prüfung von Daten zu Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität prüft, bewertet die Stiko, welchen Nutzen und welche Risiken eine Impfung für eine einzelne Person und für die Gemeinschaft hat. Im Fall der Covid-Impfung von Kindern ab zwölf Jahren ging es der Stiko dabei vor allem um die Sicherheit der Impfstoffe. Stiko-Chef Thomas Mertens zufolge fehlten Daten zu möglichen Folgen der Herzmuskelentzündungen, wenngleich der Akutverlauf meist nicht schwerwiegend sei.

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Stiko spricht sich für Corona-Impfung für alle ab 12 aus
1:23 min
Die Ständige Impfkommission (Stiko) spricht sich nun für Corona-Impfungen für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren aus.  © dpa

Im Unterschied zu Kindern würden Erwachsene schwerer an Covid-19 erkranken und der Nutzen der Impfung für den Einzelnen und die Einzelne sei damit klar, argumentiert Mertens. Die damalige Impfempfehlung ging zudem davon aus, dass Kinder in Deutschland ein geringes Risiko haben, an Covid-19 zu erkranken und ihre Impfung auch nur eine geringe Auswirkung auf den Pandemieverlauf haben werde.

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Mögliche Risiken können zuverlässiger beurteilt werden

Was hat sich also inzwischen geändert?

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Die Beurteilung von Nebenwirkungen: In Ihrer Mitteilung, mit der die Stiko die Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ankündigt, beziehen sich die Experten und Expertinnen unter anderem auf Daten aus den USA. Dort seien nahezu 10 Millionen Kinder geimpft worden. Daher „können mögliche Risiken der Impfung für diese Altersgruppe jetzt zuverlässiger quantifiziert und beurteilt werden”. Die sehr seltenen Herzmuskelentzündungen seien eine Impfnebenwirkung, die meist männlichen Betroffenen müssten in der Mehrzahl der Fälle ins Krankenhaus, hätten aber jedoch bei entsprechender medizinischen Versorgung einen unkomplizierten Verlauf. Andererseits wiesen Daten aus dem Ausland darauf hin, „dass Herzbeteiligungen durchaus auch bei Covid-19-Erkrankungen auftreten”, so die Stiko. Weitere Hinweise auf schwere Nebenwirkungen nach einer mRNA-Impfung bei Kindern habe es bisher nicht gegeben.

Die Delta-Variante erhöhe das Infektionsrisiko für Kinder und Jugendliche während der vierten Welle. Das zeigten aktuelle mathematische Berechnungen.

Unklar bleibe dagegen, ob und wie häufig es bei Kindern zu Long Covid kommt.

Nutzen überwiegt Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen

Das alles führt bei der Stiko zu der Einschätzung, dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen. Der offizielle Empfehlungstext liegt noch nicht vor, Änderungen sind in einem Abstimmungsverfahren mit Bundesländern und Fachkreisen noch möglich.

„Diese Empfehlung zielt in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor Covid-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen ab”, erklärte die Stiko. Unverändert solle die Impfung nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko durchgeführt werden. Man spreche sich „ausdrücklich dagegen aus, dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird”.

RND/dpa/asu

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