Corona-Impfung ab 12 Jahren: Wann darf ein Kind selbst entscheiden?

  • Impfungen nähren die Hoffnung auf mehr Normalität.
  • Auch ältere Kinder und Jugendliche sollen bald einen Piks bekommen dürfen.
  • Eltern oder Ärzte - wer am Ende über die Impfung bei den Jüngsten entscheidet.
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Viersen/Berlin. Ob Kinder oder Jugendliche gegen Covid-19 geimpft werden entscheiden sie im Idealfall gemeinsam mit ihren Eltern und Ärzten. Das sagt der Berliner Kinderarzt Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Doch was, wenn es Streit gibt und das Kind die Impfung nicht möchte - oder umgekehrt die Eltern dagegen sind?

Eine generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) wird es wohl nicht geben. Das hat der Vorsitzende, Thomas Mertens, angekündigt. „Es ist keine generelle Empfehlung der Stiko für alle gesunden Kinder zu erwarten“, sagte Mertens am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. Für die Empfehlung einer Impfung bei allen gesunden Kindern reichten die Daten bei weitem nicht aus. In den nächsten Tagen will die Stiko ihre Empfehlung offiziell bekannt geben. Doch Gesundheitsminister Spahn will auch ohne eine Empfehlung der Stiko mit den Impfungen beginnen.

Wer darf also entscheiden, ob das Kind geimpft wird oder nicht? „Wenn mir ein 14-Jähriger klar erklären kann, warum er geimpft werden will und das Thema auch versteht, dann ist eine Impfung ohne Einwilligung der Eltern möglich“, sagte Maske gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Eine Empfehlung an Ärzte, Kinder und Jugendliche ohne Einwilligung der Eltern zu impfen, will er aber nicht aussprechen.

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Das Kind muss einwilligen können

Juristisch gesehen ist bei medizinischen Maßnahmen die Einwilligungsfähigkeit des Kindes zu beachten. „Im Kern also die Frage, ob es die Vor- und Nachteile einer medizinischen Entscheidung abwägen kann“, sagt Ingo Spitczok von Brisinski, Fachbereichsarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der LVR-Klinik Viersen. „Man geht davon aus, dass dies in der Regel ab einem Alter von 14 Jahren gegeben ist.“

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Mit der Tatsache, dass man ab 14 Jahren strafmündig sei, biete der Gesetzgeber schon eine grobe Orientierung, sagte Kinderarzt Maske schon Ende Mai. „Doch am Ende müssen die Ärzte das verantworten. Wenn ein 15-Jähriger nicht den Eindruck macht, dass er die Entscheidung gut abwägen kann, muss man eben doch die Eltern fragen.“

Eltern sollten auf ihre Kinder hören

Ingo Spitczok von Brisinski rät Eltern: „Man sollte das Kind hören zu dem Thema, aber sich selbst auch eine Meinung gebildet haben und versuchen, das Kind zu überzeugen. Etwa, wenn es nicht für die Impfung ist.“ Wenn das an sich einwilligungsfähige Kind dann weiterhin widerspreche und die Impfung nicht wolle, könne man den Eltern aber nicht raten, es dazu zu zwingen.

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Und was ist, wenn es die Eltern nicht wollen, das Kind aber schon? Dann müssen Ärztin oder Arzt im Zweifel entscheiden, ob es einwillungsfähig ist. Falls die Antwort Ja lautet, kann das Kind dann eben sagen: Ich möchte die Impfung, auch wenn die Eltern dagegen sind. „Das ist aber absolut nicht der Idealfall und tatsächlich eine Rarität“, sagt Kinderarzt Maske.

Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sollen sich ab Anfang Juni gegen Covid-19 impfen lassen können. Mit Blick auf Nutzen und Risiko der Impfung ist die Abwägung bei ihnen aber sehr individuell.

Wir haben diesen Artikel am 4. Juni 2021 aktualisiert.

RND/dpa

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