Corona-Impfung: Sieben Gründe, die spätestens jetzt dafür sprechen

  • Für Menschen, die sich nicht gegen Covid-19 impfen lassen, wird der Alltag bald schwieriger.
  • Um die Impfquote zu erhöhen, setzt die Politik auf Lohneinbußen bei Quarantäne und kostenpflichtige Schnelltests.
  • Welche Argumente überzeugen abseits von Druckmitteln?
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Die Covid-Impfung gilt als das Argument schlechthin, damit die Pandemie ihren Schrecken verliert. So betonte diese Woche Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass bis zum kommenden Frühjahr eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus und damit das Ende der Pandemie in Deutschland erreicht sei. „Herdenimmunität wird immer erreicht“, erklärte er der „Augsburger Allgemeinen“. Die Frage sei nur wie: ob durch Impfung oder Ansteckung. Die Impfung sei definitiv der sicherere Weg dorthin.

Die Impflücken im Land bereiten Politik, Ärzteschaft und Corona-Fachleuten angesichts der vierten Welle in Herbst und Winter Sorge. In Deutschland sind 63,6 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft, 67,5 Prozent haben mindestens eine Impfdosis erhalten. Bei den 18- bis 59-Jährigen sind 69 Prozent geschützt, bei den über 60-Jährigen sind es 84 Prozent (Stand 23. September).

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Wie also die Quote heben? Um Skepsis, Unsicherheiten, Ängsten und Desinteresse zu begegnen, helfen Argumente. Und da ist die Liste bei der Corona-Impfung durchaus lang. Die Gründe, die bei jedem und jeder ganz persönlich für eine Impfung sprechen können, gehen deutlich über die Herdenimmunität hinaus. Ein paar Beispiele:

1) Keine Angst mehr vor Geschmacksverlust, Intensivstation und Tod

Das Risiko für eine Covid-19-Erkrankung ist in pandemischen Zeiten stark erhöht. Wirklich zuverlässig schützen kann nur eine Impfung – die Infektion oder den Krankheitsverlauf stoppende Medikamente gibt es nicht. Inzwischen ist zwar klar, dass die Wirksamkeit der zugelassenen Vakzine vor Infektion bei der Delta-Variante deutlich geringer ausfällt. Auch, dass Impfdurchbrüche vorkommen können und der Immunschutz bei Älteren und Menschen mit Immunsuppression mit der Zeit wieder abnehmen kann.

Aber alle Impfstoffe schützen weiterhin in hohem Maße vor einem schweren Covid-19-Verlauf. Das heißt dann konkret: Die Impfung schützt in den allermeisten Fällen vor einem schweren Lungenversagen, vor schwerwiegenden Entzündungen im gesamten Körper. Sie bewahrt vor schwerer Atemnot, vor einer wochenlangen Behandlung und Beatmung auf der Intensivstation – und nicht zuletzt vor dem Tod. Es sinkt auch das Risiko, später an für Long Covid typischen Symptomen zu leiden. Geschmacksverlust, neurologische Probleme, Gedächtnisstörungen – all das kann durch Covid-19 ausgelöst und durch die Impfung vermieden werden.

2) Die Corona-Impfung ist viel risikoärmer als die Gefahr durch Covid-19

Wer sich impfen lässt, geht kein größeres Risiko ein als nach der Einnahme anderer Medikamente oder Impfungen. Umfangreiche Zulassungs- und Beobachtungsstudien und die für die Impfstoffe zuständigen Behörden in der EU und Deutschland kommen allesamt zum Schluss: Alle hierzulande zugelassenen Impfstoffe sind sicher, wirksam und verträglich. Der Nutzen der Impfung überwiegt die Risiken bei Weitem. Wäre das anders, würden die Vakzine nicht zugelassen sein und auch nicht von der Ständigen Impfkommission empfohlen werden. Auf die Expertise der Fachgremien kann man vertrauen. Sie arbeiten evidenzbasiert.

Wie bei jeder Impfung und bei jedem Medikament können auch bei den Covid-19-Impfstoffen Impfreaktionen und Nebenwirkungen auftreten. In der Regel sind aber nur für wenige Tage bis maximal einige Wochen nach der Injektion Symptome zu erwarten – etwa Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Fieber.

Es kann in Einzelfällen auch schwerere unerwünschte Ereignisse geben – das aber nur selten bis sehr selten. Heißt: Eine Nebenwirkung tritt dann bei einer Person auf 10.000 bis 100.000 Geimpften auf. Je nach Impfstoff und je nach zu impfender Person mit individueller Risikoindikation kann beispielsweise ein allergischer Schock oder eine Herzmuskelentzündung auftreten. Beides kann aber auch behandelt werden – und führt dann nicht zum Tod. Zu den individuellen Risiken wird vor der Impfung im persönlichen Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin aufgeklärt und beraten.

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3) Keine Quarantäne mehr und weniger Schnelltests

Wer vollständig geimpft ist, wird als Kontaktperson von Quarantänemaßnahmen ausgenommen. Nur wenn eine Infektion festgestellt wurde, müssen sich auch Geimpfte isolieren. Wer geimpft ist, kann laut nationaler Teststrategie auch in vielen Situationen auf Antigen-Schnelltests verzichten. Mit den 2G und 3G-Regeln in den Bundesländern werden Alltag und Teilhabe für Geimpfte einfacher.

Gerade im Herbst und Winter ist vermehrt mit Ausbrüchen im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu rechnen. Es dürfte dann auch wieder häufiger passieren, dass es im Bekannten-, Familien- und Kollegenkreis, in Schule und Kita, bei Partys und größeren Veranstaltungen zu Infektionen kommt. Wer Kontakt zu einer infizierten Person hat, sich in Cluster-Situationen befindet oder sich selbst angesteckt hat, muss sich als nicht geimpfte Person in Deutschland für bis zu 14 Tage in häusliche Isolation begeben.

Ungeimpfte müssen sich auch auf mehr finanzielle Erschwernisse gefasst machen. Für Verdienstausfälle wegen einer angeordneten Quarantäne soll es für die meisten spätestens ab 1. November keine Entschädigung mehr geben. Das haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern mehrheitlich beschlossen. Greifen soll dies für alle, für die es eine Impfempfehlung gibt und die sich auch impfen lassen können. Ab dem 11. Oktober müssen auch Schnelltests selbst bezahlt werden, die zum Beispiel den Zugang zu Restaurants oder Veranstaltungen erlauben.

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4) Die Impfung schützt Familie, Freunde, Bekannte

Das Risiko, sich als vollständig geimpfte Person mit Sars-CoV-2 zu infizieren und auch andere anzustecken, ist nicht um 100 Prozent reduziert. Aber in der Summe ist das Risiko einer Virusübertragung stark vermindert. Das heißt, je mehr Geimpfte aufeinandertreffen, umso besser sind auch die nicht Geimpften, erst einfach Geimpften oder auch Geimpften, bei denen der Immunschutz nicht (mehr) ausreichend ausfällt, geschützt.

Das gilt auch für Kolleginnen und Kollegen, die eigene Familie, den Freundeskreis. Menschen, die uns nah sind, mit denen wir täglich im Kontakt sind, die womöglich vorerkrankt sind und das höchste Risiko für Covid-19 tragen und denen man das auch nicht immer sofort ansieht, sind also geschützt. Es kann auch ohne die Herdenimmunität auf der Ebene der Gesamtbevölkerung eine Art Herdenimmunität im eigenen Kontaktkreis entstehen – wenn alle geimpft sind.

5) Viele geimpfte Erwachsene schützen die Kinder

Vor allem die ungeimpften Kinder und Jugendliche trifft die vierte Infektionswelle durch die ansteckendere Delta-Variante. Von den über Zwölfjährigen sind bislang nur 30 Prozent geimpft, für unter Zwölfjährige gibt es bis voraussichtlich 2022 keinen zugelassenen Impfstoff. Es bleiben also nur die bekannten Schutzmaßnahmen als Option: Neben Maske tragen, Abstand halten, Lüften und Wechselunterricht können Erwachsene einen großen Anteil daran haben.

„Eine generell niedrige Infektionslast hilft, dass die Schulen aufbleiben können“, betont etwa der Virologe Florian Klein von der Uniklinik Köln. „Jeder Erwachsene, der sich impfen lässt, trägt dazu bei, das Infektions­geschehen zu verringern.“ Je mehr Geimpfte es gibt, umso niedriger ist also das Ansteckungsrisiko für Kinder und Jugendliche. Sie erkranken zwar statistisch gesehen weniger häufig schwer an Covid-19. Unter pandemischen Bedingungen steigt das Risiko dann aber doch an. Auch zu den Langzeitfolgen einer Infektion ist bei Kindern noch nicht viel bekannt.

6) Immer weniger Corona-Maßnahmen durch höhere Impfquote

Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger Ansteckungen und Erkrankungen finden statt. Dadurch werden Lockerungen und Freiheiten für alle stückchenweise immer mehr möglich. Zu beobachten ist das dieser Tage beispielsweise in Dänemark. Das Land hat bei einer Impfquote von 85 Prozent breitflächig Corona-Maßnahmen beendet.

Jede geimpfte Person mehr ist also ein Schritt hinaus aus der Pandemie, aus der unkontrollierten Verbreitung und des exponentiellen Wachstums der Infektionen, welche die Einschränkungen ja erst erfordern. Zwar wird das Virus in Zukunft sehr wahrscheinlich weiter in geringerem Maße zirkulieren und auch Menschen krank machen. Allerdings ist die weltweite Krise dann beendet, Corona ist ein Krankheitsrisiko unter vielen.

In Deutschland könnte dieser von Fachleuten als endemisch betitelte Zustand schon eher eintreten. Denn hierzulande gibt es das Privileg, ausreichend Impfstoff zur Verfügung zu haben. Ein Großteil der Welt wartet noch auf Lieferungen – und das wird Berechnungen von Forschenden auch noch bis 2023 andauern.

7) Risiko für weitere Virusvarianten sinkt

Das Coronavirus wird ansteckender – und mancherorts auch tödlicher. Elf griechische Namen stehen inzwischen auf der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) betriebenen Liste der besorgniserregenden und unter Beobachtung stehenden Virusvarianten. Die Bezeichnungen reichen von Alpha, Beta, Gamma und Delta bis hin zu Zeta, Eta, Kappa und Lambda. Eines demonstrieren diese Namen alle miteinander: Das Coronavirus Sars-CoV-2 verändert sich permanent, seit es in der Welt zirkuliert.

Corona-Expertinnen und -Experten rechnen damit, dass in Zukunft noch weitere Mutanten entstehen – oder bereits unentdeckt zirkulieren. Je eher eine Bevölkerung weitreichend durchgeimpft ist, umso geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Virusvarianten bei hoher Anzahl an Infektionen den Impfschutz stark gefährden könnten.

Dieser Artikel wurde am 23. September aktualisiert.

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