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Corona-Impfstoffe der zweiten Generation: Was planen Curevac, Biontech, Astrazeneca und Moderna?

Tübingen: Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit. In dem Unternehmen wird nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht.

Tübingen: Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit. In dem Unternehmen wird nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht.

Die Pandemie verändert sich – und damit werden sich auch die Impfstoffe verändern. Die in Deutschland zugelassenen Vakzine zum Schutz vor Covid-19 werden nicht die letzten sein, mit denen im großen Stil geimpft wird. Rund die Hälfte der Weltbevölkerung hat inzwischen zwar eine erste Dosis erhalten und die Impfkampagnen laufen noch. Trotzdem arbeiten große und auch kleinere Hersteller bereits an Rezepturen für die Impfstoffe der zweiten Generation.

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Da Corona bleiben wird und sich in Form von Varianten weiter verändert, tüfteln die größeren Pharmaunternehmen wie Biontech, Moderna und Astrazeneca insbesondere daran, mit der zweiten Impfstoffgeneration einen guten und möglichst langfristigen Schutz vor Mutationen zu bieten.

Kleinere Unternehmen und Forschungsgruppen entwickeln zudem spezifische Ansätze. Etwa, um immungeschwächten Menschen zu helfen, die keinen soliden Immunschutz mit den bisherigen Vakzinen aufbauen können. Oder auch, um neben dem Schutz vor Erkrankung auch die Infektion an sich im Körper per Impfung restlos zu verhindern. Das war ursprünglich auch der Plan bei den Impfstoffen der ersten Generation. Mit der Delta-Variante hat der Schutz vor Infektion aber stark abgenommen.

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Herausforderung für Impfstoffe: Das Coronavirus verändert sich ständig

Bereits mit dem Auftauchen der Alpha-Variante Ende 2020, also zeitgleich mit dem Start der ersten Impfungen, war klar, dass Impfstoffe irgendwann mindestens angepasst und im Laufe der Zeit auch weiterentwickelt werden müssen. „Die Variantenanpassung wird eine neue Wissenschaft sein“, prognostizierte beispielsweise Biontech-Chef Uğur Şahin bereits Ende Februar und kündigte an, Impfstoffe der zweiten Generation in den Blick zu nehmen.

Inzwischen sind vier klinische Studien seines Unternehmens fortgeschritten, allesamt in Phase II bis III. Getestet wird unter anderem eine Auffrischimpfung mit einer Injektion für zuvor zweifach mit dem ersten Biontech/Pfizer-Impfstoff Comirnaty Geimpfte. Auch eine Erstimpfung mit zwei Injektionen für bislang Ungeimpfte wird entwickelt, mit speziell an die Betavariante angepasster mRNA – quasi als Prototyp für weitere Mutanten. Darüber hinaus testen Biontech-Forschende zwei Vakzine, die mRNA enthalten, die jeweils an andere Corona-Varianten angepasst sind. Konkret geht es um die Alpha- und Delta-Variante. Außerdem entwickelt das Mainzer Unternehmen einen sogenannten bivalenten Impfstoff, der sowohl an die Alpha- und Delta-Variante angepasste mRNA enthält.

Moderna entwickelt bivalente Auffrischimpfung

Der US-amerikanische Impfstoffhersteller Moderna entwickelt ebenfalls Auffrischimpfungen, die besser vor den Corona-Varianten schützen sollen. Die Moderna-Forschenden testen neben einem Booster-Vakzin gegen das ursprüngliche im chinesischen Wuhan aufgetretene Virus sowie einem Vakzin gegen die südafrikanische Variante unter anderem auch ein bivalentes Vakzin mit zwei verschiedenen mRNA-Strängen: Zusätzlich zu der mRNA-1273 aus dem ersten Moderna-Vakzin soll die Auffrischimpfung auch an die Beta-Variante angepasst sein. Die Vakzine werden für Menschen entwickelt, die zuvor bereits zweifach mit dem ersten Impfstoff des US-Hersteller geimpft worden sind. Aktuell befinden sich die klinischen Studien in Phase II bis III.

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Astrazeneca testet Vakzine gegen Beta

Astrazeneca testet im Rahmen klinischer Studien im Vereinigten Königreich, Südafrika, Brasilien und Polen aktuell eine Auffrischimpfung mit Vektorviren, die auch als Erstimpfung erprobt wird. Das Vakzin enthält ein an die Beta-Variante angepasstes Gen für Spike-Proteine. Ansonsten ist der Impfstoffkandidat nach Angaben des britisch-schwedischen Pharmakonzerns mit dem bereits zugelassenen Vakzin gegen Covid-19 identisch. Als Auffrischimpfung soll eine Injektion, als Erstimpfung zwei Injektionen nötig sein.

Impfstoff als Nasenspray

Nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller befinden sich noch weitere Corona-Impfstoffe zweiter Generation in Entwicklung, die andere Ansätze verfolgen. Die Medizinische Hochschule Hannover entwickelt etwa einen Nasensprayimpfstoff, der eingeatmet werden soll. Das Vakzin soll verhindern, dass Geimpfte das Virus ohne Symptome übertragen können. Der Impfstoffkandidat befindet sich derzeit noch in vorklinischer Entwicklung.

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Die Universität Tübingen testet einen Impfstoff, der speziell immungeschwächte Menschen schützen soll – darunter vor allem Krebspatientinnen und Krebspatienten, die sich in der Chemotherapie befinden. Bei dem Vakzinkandidaten handelt es sich um einen peptid-basierten Impfstoff: Er enthält sogenannte Peptide, also Bruchstücke von Proteinen des Coronavirus, die die T-Zellen des Immunsystems zur Bekämpfung von Sars-CoV-2 aktivieren sollen. Die klinische Studie durchläuft aktuell noch Phase I.

Curevac plant neuen Versuch mit Corona-Impfstoff zweiter Generation

Auch das Tübinger Biotechunternehmen Curevac will sich mit seinem britischen Partner GlaxoSmithKline (GSK) auf die Entwicklung eines neuen Covid-19-Impfstoffs konzentrieren. Den Zulassungsantrag zu seinem ursprünglich entwickelten Impfstoff hat Curevac (CVnCoV) diese Woche hingegen zurückgezogen. Dieses Vakzin wies nur eine geringe Wirksamkeit von 48 Prozent auf. Nun sollen neue klinische Studien in den nächsten Monaten zum zweiten Impfstoffkandidaten beginnen. Die Pandemie entwickle sich weiter zu einer Endemie, dadurch änderten sich die Bedürfnisse im Bereich der öffentlichen Gesundheit, sagte Franz-Werner Haas, Vorstandsvorsitzender von Curevac.

Der neue Impfstoff soll unter anderem einen länger anhaltenden Schutz gegen neue Varianten in einer einzigen Impfung bieten. „Wir sehen, dass wir mit CVnCoV nicht mehr Teil der ersten Welle von Pandemieimpfstoffen sein können. Aber wir haben die feste Absicht, gemeinsam mit unserem Partner eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung eines neuen, verbesserten Impfstoffs der zweiten Generation einzunehmen“, erklärte Haas.

Curevac und GSK gehen davon aus, dass sie in den nächsten Monaten in die klinische Entwicklung eintreten werden. Ziel ist laut Haas, die behördliche Zulassung für die Marktreife eines verbesserten Covid-19-Impfstoffs im Jahr 2022 zu erreichen. Im Vergleich zum ersten Impfstoff weise CV2CoV, der mRNA-Impfstoffkandidat der zweiten Generation, in Tiermodellen eine bis zu zehnfach höhere Immunogenität auf.

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