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Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson: Warum es gegen Delta eine zweite Impfung braucht

  • Die Einfachimpfung mit dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson reicht gegen die Delta-Variante wohl nicht aus – das legt zumindest eine US-amerikanische Studie nahe.
  • Vorsorglich wollen die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern im Herbst allen Deutschen, die das Vektorvakzin erhalten haben, eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff anbieten.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie befürwortet dieses Vorgehen.
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Um sich vor der ansteckenden Virusvariante Delta zu schützen, braucht es nach ersten Erkenntnissen eine vollständige Impfserie. Von den Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca sind demnach zwei Impfdosen notwendig, während das Vakzin von Johnson & Johnson nur einmal verabreicht werden muss. So empfiehlt es derzeit die Ständige Impfkommission (Stiko). Doch gerade die Einfachimpfung, für die sich bislang 2.477.929 Deutsche entschieden haben (Stand: 5. August), könnte gegen Delta nicht ausreichen.

Studie: Schutzwirkung gegen Delta fällt gering aus

Eine auf dem Preprintserver Bio Rxiv veröffentlichte Laborstudie von Ende Juli deutet darauf hin, dass die einmalige Dosis des Johnson-&-Johnson-Impfstoffs eine deutlich schwächere Schutzwirkung gegen die Virusvariante erzielt, verglichen mit den Wirkstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna. „Die Impfung mit Ad26.COV2.S [dem Impfstoff von Johnson & Johnson, Anm. d. Red.] sorgte für IC50-Titer gegen die Beta-, Delta-, Delta-plus- und Lambda-Varianten, die um das Fünf- bis Siebenfache abnahmen, was zu mittleren neutralisierenden Antikörpertitern von 33, 30, 41 beziehungsweise 36 gegen Viren mit den Beta-, Delta-, Delta-plus- und Lambda-Varianten-Spikes führte“, schreibt das Forscherteam um Nathaniel Landau von der Grossman School of Medicine in New York.

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Es könne also unter Umständen ein verminderter Schutz vor Infektionen mit den Virusvarianten vorliegen. „Es ist wahr­scheinlich, dass die neutralisierenden Antikörpertiter gegen die ‚variants of concern‘, die durch die einmalige Impfung mit Ad26.COV2.S hervorgerufen werden, durch eine Immunisierung oder durch einen heterologen Boost mit einem der mRNA-Impfstoffe verbessert werden.“

Immunologe befürwortet Kreuzimpfung

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Genauso eine Boosterimpfung haben die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern am Montag bei einer gemeinsamen Konferenz beschlossen. Alle mit dem Vektorvakzin von Johnson & Johnson Geimpften sollen ab September ein Auffrischungsangebot erhalten – und zwar mit einem der mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. „Das wäre eine Kreuzimpfung“, erklärte Prof. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND), „von der wir wissen, dass sie gut funktioniert.“ Geimpfte seien danach sehr gut vor dem Coronavirus geschützt. „Daher kann ich dieses Vorgehen aus immunologischer Sicht nur unterstützen.“

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Die Appelle von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an die noch nicht gegen das Coronavirus geimpften Bürger werden immer eindringlicher.  © dpa

Eine Kreuzimpfung, auch als heterologes Impfschema bezeichnet, empfiehlt die Stiko derzeit all denjenigen, die eine einzelne Impfdosis des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca erhalten haben – unabhängig vom Alter der zu impfenden Person. Statt einer zweiten Dosis des Vektorimpfstoffs soll in einem zeitlichen Abstand von mindestens vier Wochen eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff folgen. Seine Entscheidung begründet das Expertengremium, das am Robert Koch-Institut angesiedelt ist, unter anderem mit dem Vorteil, „dass eine vollständige Immunisierung in einem kürzeren Zeitrahmen erreicht werden kann“. Auch hätten mehrere Studien eine hohe Wirksamkeit der Kreuzimpfung gezeigt.

Deutsche Studie untermauert Wirksamkeit der Kreuzimpfung

Erst in der vergangenen Woche war erneut eine Untersuchung zur Kreuzimpfung im Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“ erschienen. Durchgeführt worden war sie von der Technischen Universität München, dem Helmholtz-Zentrum München, dem Universitätsklinikum Erlangen und dem Universitätsklinikum Köln. Die Studie hatte Blutproben von rund 500 Menschen analysiert, die acht bis zwölf Wochen nach ihrer ersten Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca eine zweite Impfung mit dem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer bekommen hatten.

„Die neutralisierende Antikörperantwort war bei diesen Probandinnen und Probanden sehr viel stärker ausgeprägt als bei Menschen, die zweimal das Vakzin von Astrazeneca bekamen“, hatte das Uniklinikum Erlangen mitgeteilt. Die Immun­reaktion auf die Kombinationsimpfung sei mindestens genauso gut gewesen wie die Antikörperantwort nach zwei Impfungen mit Biontech.

Ob eine ähnliche Wirksamkeit auch bei einer Kreuzimpfung mit dem Johnson-&-Johnson-Impfstoff erzielt werden kann, lässt sich bislang noch nicht abschätzen. „Es gibt keine klinische Studie, die diese Wirkung direkt unterstützt“, schrieb Impfstoffforscher Shane Crotty vom La Jolla Institute of Immunology auf Twitter. Allerdings gebe es „sehr gute Daten“ aus Studien mit dem Astrazeneca-Vakzin. Da es sich bei beiden um Vektorwirkstoffe handelt, die auf einem Adenovirus basieren, sei es „sehr wahrscheinlich“, dass sich eine ähnlich gute Wirksamkeit bei der Kreuzimpfung „Johnson & Johnson und mRNA-Impfstoff“ zeigt.

Mit Material von dpa

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