Johnson & Johnson: Das ist über den Corona-Impfstoff Ad26.COV2-S bekannt

  • Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat die bedingte Zulassung für den Corona-Impfstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson in Europa empfohlen.
  • Das Vakzin unterscheidet sich in einigen Aspekten von den bisher in der EU zugelassenen Impfstoffen.
  • Acht wichtige Fragen und Antworten rund um den Impfstoff Ad26.COV2-S im Überblick.
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New Brunswick. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat grünes Licht für den Corona-Impfstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson gegeben. Am Donnerstag empfahl die Behörde die bedingte Zulassung für Ad26.COV2-S in Europa.

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Während bei den bisher in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca zwei Impfungen notwendig sind, genügt bei Ad26.COV2-S eine einzelne Dosis. Aber es gibt noch weitere Aspekte, in denen sich das Johnson & Johnson-Vakzin von anderen Präparaten unterscheidet.

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1. Wie funktioniert der Impfstoff von Johnson & Johnson im Körper?

Bei Ad26.COV2-S handelt es sich um einen Vektorimpfstoff. Dieser basiert auf einem Adenovirus – also einem harmlosen, menschlichen Schnupfenvirus, das die Erbinformationen für das Spikeprotein des Coronavirus enthält. Bindet das Schnupfenvirus an die menschlichen Zellen, werden die genetischen Informationen freigegeben und Antigene von Sars-CoV-2 produziert, die dem Immunsystem präsentiert werden. So kann die gewünschte Immunantwort ausgelöst werden.

Die Wirkungsweise ist die gleiche wie beim Vakzin von Astrazeneca. Allerdings werden unterschiedliche Adenoviren verwendet: Johnson & Johnson setzt das Adenovirus 26 ein, während der Impfstoff von Astrazeneca auf dem Virus ChAdY25 basiert.

2. Wie sicher ist Ad26.COV2-S?

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Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA veröffentlichte zum Impfstoff von Johnson & Johnson ein Meeting Briefing Document, in dem sie wichtige Erkenntnisse zu Ad26.COV2-S zusammengetragen hat.

Darin ist von größeren Sicherheitsbedenken keine Rede. Mehr als 43.000 Probanden hatten an der klinischen Phase-drei-Studie von Johnson & Johnson teilgenommen. Rund 34 Prozent von ihnen waren älter als 60 Jahre, etwa 41 Prozent hatten Vorerkrankungen wie Diabetes, Adipositas oder Bluthochdruck. Unter den Teilnehmern traten insgesamt 723 Covid-19-Fälle auf. Davon entfielen 541 Fälle auf die Gruppe, die nicht das Vakzin, sondern ein Placebopräparat erhielt, und 182 Fälle auf die Impfstoffgruppe.

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In einigen Bundesländern sei bereits die Mehrheit der über 80-Jährigen geimpft, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.  © Reuters

Die Studie unterscheidet bei den Covid-19-Erkrankungen ferner, wie viele Tage nach den Impfungen vergingen, bis bei den Probanden Symptome auftauchten. 116 Menschen in der Impfstoffgruppe und 348 Teilnehmer in der Placebogruppe erkrankten mindestens 14 Tage nach der Impfung an Covid-19. Bei 66 Geimpften und 193 Placebogruppenmitgliedern traten mindestens 28 Tage nach der Impfstoffgabe Symptome auf.

Hinzu kommt, dass 31 Teilnehmer zwei Wochen nach der Impfung wegen einer Covid-19-Erkrankung stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Davon stammten zwei Probanden aus der Impfstoffgruppe und 29 aus der Placebogruppe. Knapp einen Monat nach der Impfstoffgabe gab es 16 Hospitalisierungen – alle entfielen jedoch auf die Placebogruppe. In der Impfstoffgruppe traten keine Fälle mehr auf.

Bis zum 5. Februar 2021 verzeichnete die Johnson-&-Johnson-Studie zudem sieben Covid-19 bezogene Todesfälle in der Placebogruppe. In der Impfstoffgruppe kam es zu keinem Todesfall.

3. Welche Impfreaktionen sind bekannt?

Bei rund 6700 Studienteilnehmern wurde genauer untersucht, wie sie auf den Vektorimpfstoff reagieren. Die häufigsten Reaktionen im Zusammenhang mit Ad26.COV2.S waren Schmerzen an der Injektionsstelle (48,6 Prozent), Kopfschmerzen (38,9 Prozent), Müdigkeit (38,2 Prozent) und Muskelschmerzen (33,2 Prozent). Diese Symptome seien jedoch „überwiegend leicht und moderat“ gewesen und ein bis zwei Tagen nach der Impfung abgeklungen.

Zudem traten in der Impfstoffgruppe zahlenmäßig häufiger Reaktionen wie Nesselsucht, Thromboembolien und Tinnitus auf als in der Placebogruppe. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Daten nicht ausreichend, um einen kausalen Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen und dem Impfstoff festzustellen“, heißt es im Meeting Briefing Document der FDA.

Johnson & Johnson berichtete ferner über eine schwerwiegende Überreaktion, die zwei Tage nach der Impfstoffgabe beobachtet wurde und wahrscheinlich auf Ad26.COV2.S zurückzuführen ist. Nicht tödliche, schwerwiegende, unerwünschte Ereignisse, die nicht im Zusammenhang mit Covid-19 stehen, seien selten und in beiden Studiengruppen mit einer Rate von 0,4 Prozent vertreten gewesen. Die Gesamtfieberrate beziffert Johnson & Johnson mit 9 Prozent.

4. Wie wirksam ist die Impfung?

Erste Ergebnisse seiner klinischen Phase-drei-Studie gab Impfstoffhersteller Johnson & Johnson Ende Januar bekannt. Demnach bietet Ad26.COV2.S 28 nach der Impfung einen Schutz von rund 66 Prozent gegen moderate bis schwere Covid-19-Erkrankungen.

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Der Impfstoff des US-amerikanischen Pharmazieherstellers Johnson & Johnson soll schwere Covid-Verläufe und Todesfälle verhindern.  © Reuters

In Hinblick auf schwere bis kritische Covid-19-Verläufe variiert die Wirksamkeit des Vektorvakzins je nach Beobachtungszeitpunkt. So schützt Ad26.COV2.S zwei Wochen nach der Impfstoffgabe zu rund 77 Prozent vor Covid-19 bedingten Krankenhausaufenthalten und Todesfällen; nach 28 Tagen beträgt der Impfschutz hingegen etwa 85 Prozent.

Eine niedrigere Wirksamkeit wurde für die Untergruppe der Teilnehmer im Alter von 60 Jahren und älter mit Komorbiditäten beobachtet. Im Meeting Briefing Document der FDA heißt es ferner: Die Wirksamkeitsergebnisse für einige andere Untergruppen mit kleinen Teilnehmerzahlen (über 75 Jahre, bestimmte ethnische Untergruppen) sind nur begrenzt interpretierbar.

5. Schützt der Impfstoff auch vor den neuen Coronavirus-Varianten?

Es ist nicht auszuschließen, dass der Vektorimpfstoff zumindest gegen die südafrikanische Virusvariante B.1.351 schützt. Warum? Johnson & Johnson hatte seine klinische Phase-drei-Studie in acht Ländern auf drei Kontinenten durchgeführt, darunter auch Südafrika und Lateinamerika. Der Impfschutz vor einer moderaten bis schweren Covid-19-Erkrankung lag nach Angaben des Pharmakonzerns in Lateinamerika bei 66 Prozent und in Südafrika bei 57 Prozent – jeweils 28 Tage nach der Impfung.

Fast alle Covid-19-Fälle in Südafrika (95 Prozent) waren auf eine Infektion mit der Coronavirus-Variante B.1.351 zurückzuführen. Aufgrund der vergleichsweise hohen Wirksamkeit in diesem Land lässt sich schlussfolgern, dass Ad26.COV2.S wohl auch gegen B.1.351 wirksam ist. Genaue Untersuchungen gab es bisher jedoch noch nicht.

Unklar ist zudem, inwiefern der Vektorimpfstoff gegen die britische Mutante B.1.1.7 oder die brasilianische Variante P.1 schützt. In der Studie von Johnson & Johnson gab es keine Fälle mit diesen Coronavirus-Varianten.

6. Worin unterscheidet sich Ad26.COV2.S von anderen zugelassenen Impfstoffen?

Der Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson weist zwar eine geringere Wirksamkeit als die bisher in der EU zugelassenen Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca auf, allerdings muss berücksichtigt werden, dass bei Ad26.COV2.S nur eine einzelne Impfdosis notwendig ist. Für die anderen drei Impfstoffe werden bisher zwei Impfdosen empfohlen.

Eine Studie aus Israel hatte vor Kurzem gezeigt, dass es 15 bis 28 Tage nach der Gabe der ersten Dosis des mRNA-Impfstoffs von Biontech und Pfizer rund 85 Prozent weniger symptomatische Infektionen gab. Vergleicht man diese Ergebnisse mit denen der Johnson & Johnson-Studie, wird deutlich, dass Ad26.COV2.S durchaus mit anderen Vakzinen mithalten kann.

Gegenüber den mRNA-Impfstoffen bietet Ad26.COV2.S außerdem einen logistischen Vorteil: Das Vektorvakzin ist drei Monate bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad haltbar. Nachdem eine Dosis aus den Impfstofffläschchen entnommen wurde, kann das Mittel bis zu sechs Stunden bei zwei bis acht Grad oder bis zu zwei Stunden bei Raumtemperatur (maximal 25 Grad) gelagert werden. Die mRNA-Vakzine benötigen hingegen noch niedrigere Minustemperaturen, was den Transport und die Lagerung erschwert.

Eines haben aber alle Impfstoffe gemeinsam: Sie richten sich gegen das Spikeprotein von Sars-CoV-2. Mithilfe des Spikeproteins kann das Virus in die menschlichen Körperzellen der Atemwege eindringen – und ist somit dessen wichtigste Waffe. Gleichzeitig ist das Spikeprotein die verwundbarste Stelle des Virus, da es auch Bindungsstelle für neutralisierende Antikörper sein kann.

7. Wo ist der Impfstoff von Johnson & Johnson bereits zugelassen?

Als erstes Land weltweit hat das Königreich Bahrain dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson eine Notfallzulassung erteilt. Das Vakzin soll zunächst bei den am stärksten gefährdeten Personen eingesetzt werden, etwa bei älteren Menschen sowie solchen mit chronischen Erkrankungen.

Eine zweite Zulassung folgte Ende Februar in den USA. Dort wurden bisher mehr als 60 Millionen Menschen oder 19 Prozent der Bevölkerung zumindest einmal geimpft. Der Wirkstoff von Johnson & Johnson könnte die Impfungen weiter beschleunigen, auch wenn die ersten Lieferungen eher klein ausfallen dürften. Das Unternehmen hat den USA 20 Millionen Dosen bis Ende März und 100 Millionen bis Ende Juni in Aussicht gestellt.

Dass die EMA die bedingte Zulassung des Vakzins in Europa empfohlen hat, ist ein erster, wichtiger Schritt. Es fehlt allerdings noch die Genehmigung durch die EU-Kommission – die gilt jedoch als Formsache. Dann wäre Ad26.COV2.S der vierte Corona-Impfstoff, der in Europa zum Einsatz kommt.

Auch Südafrika peilt eine Zulassung für das Johnson & Johnson-Vakzin an. „Die notwendigen Zulassungsverfahren für die Verwendung in Südafrika laufen derzeit“, sagte Gesundheitsminister Zweli Mkhize.

8. Welche Fragen bleiben noch offen?

Bislang ist bei dem Impfstoff von Johnson & Johnson noch unklar, wie lange der Schutz der Impfung vor einem schweren Covid-19-Verlauf anhält und inwieweit die Impfung auch eine Weitergabe von Sars-CoV-2 verhindert. Zudem muss in weiterlaufenden Studien beobachtet werden, ob Langzeitfolgen nach den Impfungen auftreten. Johnson & Johnson will die Studienteilnehmer dafür bis zu zwei Jahre lang weiter beobachten.

mit dpa

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