Corona-Impfstoff von IDT Biologika: Was macht ihn besonders?

  • Biontech und Curevac stehen bei Neuigkeiten zur Impfstoffentwicklung in Deutschland regelmäßig in den Schlagzeilen.
  • Es gibt aber noch ein drittes Unternehmen, in das Bundesgesundheitsminister Spahn Hoffnung setzt: IDT Biologika.
  • Der Ansatz des Impfstoffentwicklers unterscheidet sich von denen seiner Konkurrenten.
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Bekanntheit bei der Entwicklung möglicher Coronavirus-Impfstoffe aus Deutschland haben bislang vor allem die Firmen Biontech und Curevac erlangt. Vom Bund bekommen sie Fördergelder in Millionenhöhe, um in Kooperation mit Wissenschaftlern und Kliniken möglichst schnell und sicher ein Mittel zur Eindämmung der Pandemie zu entwickeln und in großem Stile zu produzieren. Weniger im Fokus der Öffentlichkeit, aber ebenfalls stark auf nationaler Ebene beteiligt ist noch ein drittes Unternehmen: IDT Biologika.

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag teilte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) mit, auch mit dem Pharmaunternehmen aus Dessau (Sachsen-Anhalt) in Gesprächen zu sein, um mittels Finanzspritzen klinische Studien und die Produktion von Dosen zu beschleunigen. Es geht um Zeit, ein Impfstoff gilt derzeit als einzige Möglichkeit, die Pandemie langfristig unter Kontrolle zu bekommen.

Vektorimpfstoff als Technologie gegen Corona

IDT Biologika füllt bereits einen potenziellen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 im Rahmen einer klinischen Studie ab. Rund 1000 Dosen stehen bereit für erste Tests an Menschen. Dafür kooperiert die Firma mit Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), der LMU München, der Universität Marburg und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. In Kooperation mit den Kliniken soll gesunden Freiwilligen zwischen 18 und 45 Jahren der Impfstoff verabreicht werden – in der sogenannten Phase I. Die klinische Prüfung leitet die Virologin Prof. Marylyn Addo.

Curevac und Biontech sind schon etwas weiter, ihre Impfstoffe werden bereits in der letzten Phase III groß angelegt an bereits sehr vielen Menschen getestet. Wenn es keine Komplikationen gibt, fehlt nicht mehr viel bis zur Zulassung. Während sie auf mRNA-Impfstoffe setzen, fokussiert sich IDT Biologika auf einen Vektorimpfstoff. Dieser basiert laut Firmenhomepage auf dem “Modifizierten Vacciniavirus Ankara” (MVA). Entstanden ist er schon vor mehr als 30 Jahren – als Impfstoff gegen Pocken.

Damit hat die Forschung bereits gute Erfahrungen gemacht: “Es kam zudem bereits erfolgreich und mit sehr guter Verträglichkeit bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Mers-Coronavirus zum Einsatz, das auf der Arabischen Halbinsel vorkommt, von Dromedaren mit oft tödlichen Folgen auf den Menschen übertragen wird und eng mit Sars-CoV-2 verwandt ist”, erklärt das Unternehmen. IDT habe dann während der Coronavirus-Pandemie ein Verfahren entwickelt, das die großtechnische Produktion dieses Vektorimpfstoffs möglich mache.

Bis der Impfstoff groß angelegt verabreicht wird, dürfte es aber noch dauern. Noch ist unklar, wie viele Impfungen nötig sind, ob und wie lange ein Patient immun gegen das Virus bleibt und welche Nebenwirkungen auftreten können. Deshalb durchläuft auch dieser Impfstoff mehrere Phasen einer groß angelegten klinischen Studie, bevor er zugelassen werden kann.

Vektorimpfstoff und mRNA: Was passiert im Körper?

Vektorimpfstoffe und mRNA-Impfstoffe unterscheiden sich laut Paul-Ehrlich-Institut in der Art der genetischen Information und darüber, wie diese in die Zellen gelangt.

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  • Bei der Vektorimpfung von IDT Bionika ist ein wichtiger Bauteil das Spike-Protein, ein Teil des Coronavirus. Es lässt den Erreger in die menschliche Zelle eindringen. “Die entsprechende Gensequenz, der Bauplan dieses Proteins, wurde mit der genetischen Information des MVA-Vektors kombiniert”, erklärt das an der Impfstoffforschung beteiligte Institut für Virologie der Marburger Universität auf seiner Homepage. Das entstandene Virus dringt dann bei einer Impfung in die Zellen ein und synthetisiert das Spike-Protein, das vom Immunsystem als “fremd” erkannt wird und damit die Immunantwort stimuliert. So bilden sich dann spezifische Antikörper und T-Zellen gegen das Spike-Protein, die dann eine spätere Infektion mit dem Virus wirksam bekämpfen sollen.
  • mRNA-Impfstoffe wie die von Curevac und Biontech benötigen für die Impfung keinen Vektor, also kein Trägervirus. Stattdessen brauchen sie flüssige Nanopartikel, die in einige Körperzellen gelangen müssen. Sie umfassen einen Bauplan den Antigens. Für die Anwendung am Menschen wurden bisher noch keine mRNA-Impfstoffe bis zur Zulassung entwickelt. Vorteile sind laut Paul-Ehrlich-Institut unter anderem die einfache Struktur der RNA und die Möglichkeit, in wenigen Wochen viele Millionen Impfdosen herzustellen.



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