Spahn rechnet mit Impfstoffzulassung Mitte Dezember

  • Gesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass es schon Mitte Dezember eine Zulassung für einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben wird.
  • Dann sollen auch die Impfzentren der Länder einsatzbereit sein.
  • Doch Städtetagspräsident Burkhard Jung warnt vor zu hohen Erwartungen. Er gehe davon aus, dass es erst mal vor allem mobile Impfteams geben wird.
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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet damit, dass Mitte Dezember ein erster Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen werden kann. „Das sei absehbar“, sagte Spahn dem Bayerischen Rundfunk. „Das macht mich schon auch stolz, dass mit Biontech eine deutsche Entwicklung ganz vorn ist und vor allem nicht nur vorn, sondern auch sicher und wirksam“, sagte er. Dennoch habe Deutschland sich Impfdosen von unterschiedlichen Herstellern gesichert, insgesamt gut 300 Millionen. Man wolle auf Nummer sicher gehen und nicht nur auf einen Impfstoffkandidaten setzen.

Auch Impfzentren sollen Mitte Dezember starten

Spahn hat die Länder nach eigenen Angaben gebeten, dass auch die Impfzentren Mitte Dezember einsatzbereit sein sollen. Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) warnte aber vor zu hohen Erwartungen. „Wir sind etwas unglücklich über die Bezeichnung Impfzentrum, weil die Menschen so vielleicht den Eindruck bekommen, dass ab Januar in jeder kreisfreien Stadt und in jedem Kreis eine Einrichtung in Betrieb ist, wo man sich impfen lassen kann“, sagte der Städtetagspräsident.

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„Tatsächlich gehen wir aber davon aus, dass bis weit ins Frühjahr hinein vor allem mobile Impfteams in Pflege­einrichtungen und Krankenhäuser fahren. Dort werden dann vorrangig chronisch kranke, hochbetagte Menschen und das dortige Personal geimpft“, so Jung. Es dürften keine unrealistischen Erwartungen geweckt werden. „Massenimpfungen für die breite Bevölkerung werden nach den Plänen von Bund und Ländern frühestens ab dem Sommer möglich sein.“

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Beschäftigte im Gesundheitswesen sollen sich impfen lassen

Gesundheitsminister Spahn machte deutlich, dass er vor allem von Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen erwartet, sich so bald wie möglich impfen zu lassen. Jeder könne für sich entscheiden, ob er dieses Angebot annehme, sagte Spahn dem Bayerischen Rundfunk. Aber: „Im Ziel habe ich schon die Erwartung und die Bitte, dass die allermeisten, die im Gesundheitswesen arbeiten, sich auch impfen lassen.“ Es gehe nicht nur darum, sich zu schützen, sondern auch die, die man pflege.

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Auch Merkel hatte in ihrer Regierungserklärung am Donnerstag gesagt: „Wir haben verabredet, dass diese Impfstoffe dann den Menschen angeboten werden, die im medizinischen, pflegerischen Bereich arbeiten, und sie als Erste Zugriff darauf haben.“

Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert Regierung

Der Deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschafts­akademie Leopoldina und die Ständige Impfkommission hatten empfohlen, dass Ältere und Vorerkrankte in die vorrangig zu priorisierende Personengruppe gehören sollen. Zu einer zweiten bevorzugten Gruppe sollen demnach Gesundheits- und Pflegebeschäftigte gehören. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt nun davor, dass der Impfstoff doch nicht zunächst für Pflegebedürftige, schwer und chronisch Kranke zur Verfügung steht. „Die Hochrisikogruppe darf ihren ersten Platz nicht verlieren“, forderte Vorstand Eugen Brysch. „Deshalb muss der Bundestag unverzüglich eine eindeutige Priorisierung für Personen und Berufe festlegen.“

Schäuble erwartet wachsende Impfbereitschaft

Laut einer Umfrage der Krankenkasse Barmer ist knapp über die Hälfte der deutschen Bevölkerung zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit. Während 53 Prozent der Befragten über 16 Jahre eine Impfung gegen das Virus planen, wollen nur 42 Prozent ihre Kinder impfen lassen. Insgesamt wurden gut 2000 Menschen repräsentativ befragt. 15 Prozent sagten, sie wollten sich vielleicht impfen lassen, 9 Prozent „eher nicht“ und 13 Prozent „sicher nicht“. 10 Prozent der Befragten waren unentschieden.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) geht davon aus, dass die Zustimmung in der Bevölkerung wächst, sobald die Versorgung mit Impfstoffen anläuft. „Wir brauchen die Bereitschaft der Menschen, sich impfen zu lassen“, sagte der CDU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“ (Samstag). „Aber eine Impfpflicht wird es nicht geben. Das will niemand, der Verantwortung trägt.“

RND/dpa/ang

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