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„Anfangs können wir nicht alle mit einem Impfstoff versorgen“: Diese Personengruppen sollen bevorzugt werden

  • Die Bundesregierung und Vertreter aus der Wissenschaft gehen davon aus, dass bald erste Impfstoffe gegen Covid-19 zur Verfügung stehen.
  • Die Ständige Impfkommission, die Leopoldina und der deutsche Ethikrat haben nun erste Rahmenbedingungen für eine Priorisierung festgelegt.
  • Klar ist: Ausreichend Impfdosen für alle Impfwilligen gibt es zu Beginn nicht.
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Wissenschaftliche Regierungsberater haben Vorranggruppen bei der Priorisierung eines Impfstoffes gegen Covid-19 definiert. Demnach haben Personal aus dem Gesundheitswesen und Menschen aus Risikogruppen zuerst Anspruch auf eine Impfung. Die Bundesregierung geht davon aus, dass bei der erfolgreich abgeschlossenen Phase-III-Studie Ende 2020 beziehungsweise Anfang 2021 ein Impfstoffkandidat zugelassen wird – und damit auch die Impfkampagne starten kann.

Die Parameter für die ethischen Rahmenbedingungen seien Selbstbestimmung, Freiwilligkeit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Die Kriterien haben der Deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die am Robert-Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission in einem Positionspapier erarbeitet und bei einer Pressekonferenz am Montag vorgestellt.

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BioNTech plant Zulassungsantrag von Corona-Impfstoff
1:43 min
Zahlreiche Regierungen haben sich bereits Millionen Dosen der Impfung vorab gesichert.  © Reuters

„Anfangs können wir nicht alle mit einem Impfstoff versorgen“, betonte Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Es gebe vier primäre Impfziele: die Verhinderung schwerer Fälle, der Schutz von Personen mit hohem Ansteckungsrisiko bei der Arbeit, die Verhinderung der Übertragungen und die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens. „Eine Priorisierung von Personengruppen leitet sich nicht nur aus medizinischen und epidemiologischen Parametern ab“, so Buyx. Auch ethisch-rechtliche Grundsätze müssten beachtet werden.

Mit Blick auf die Dringlichkeit der Pandemie macht das Gremium gemäß grober Richtlinien drei Gruppen aus, die zuerst Anspruch auf eine Impfung haben:

  • Personen mit signifikant erhöhtem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf
  • Mitarbeiter im Gesundheitssystem, die ein signifikant erhöhtes Risiko für eine Infektion haben und Multiplikatoren in den Einrichtungen und in der Gesellschaft sein könnten
  • Für das Gemeinwesen relevante Personen in der Daseinsvorsorge, insbesondere wenn sie direkten Risikokontakt haben: also beispielsweise aus Gesundheitsämtern, Feuerwehr, Schulwesen
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Eine detaillierte Priorisierung sei derzeit noch nicht möglich. Es fehlten noch feingliedrige Modellierungen zu den unterschiedlichen Risikofaktoren. Es gebe auch noch nicht ausreichend Daten zu den einzelnen Impfstoffen. Klar sei, dass zu Beginn auch nicht alle aus Risikogruppen, beispielsweise die 60 Jahre alten Personen, per se Anspruch auf das Mittel haben. Was genau ein signifikant erhöhtes Risiko sei, könne erst festgelegt werden, wenn die Daten vorliegen, so Buyx.

Corona-Impfzentren in den Bundesländern geplant

Auf ein einheitliches und abgestimmtes Vorgehen zur Versorgung mit Impfstoffen hatten sich die Gesundheitsminister der Länder und Bundesressortchef Jens Spahn (CDU) am Freitag geeinigt. Der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz sieht vor, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und finanziert und die Länder Impfzentren einrichten.

Die Impfstoffe sollen den Angaben zufolge durch die Bundeswehr oder durch die Hersteller angeliefert werden. Die Impfdosen sollen dem Bevölkerungsanteil entsprechend an die Länder verteilt werden. In dem Beschluss ist auch festgehalten, dass die Impfung freiwillig erfolgt.

Künstliche Herdenimmunität nicht im Jahr 2021

Über solche Impfzentren sei auch eine zentrale Dokumentation gewährleistet, durch die etwaige Nebenwirkungen zurückgemeldet werden könnten, erklärte der Stiko-Vorsitzende und Virologe Thomas Mertens bereits in einem Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die ethischen Rahmenbedingungen seien derzeit noch sehr allgemein formuliert. Die Stiko werde sich noch mit den Details beschäftigen müssen.

Derzeit fehlten noch wesentliche Daten aus den Phase-III-Studien der aussichtsreichen Kandidatenimpfstoffe der Hersteller Biontech und Astra Zeneca. Diese Informationen seien für die ganz konkreten Angaben der prioritär zu impfenden Personengruppen ganz entscheidend, so Mertens. Es könnten auch nicht alle Fragen in den bisherigen Phase-III-Studien beantwortet werden. Beispielsweise würden noch keine Tests mit Schwangeren und Kindern durchgeführt, erklärte der Virologe auch bei der Pressekonferenz. Es werde in Zukunft noch viele weitere Studien geben müssen.

Eine künstlich hergestellte Herdenimmunität im Jahr 2021 ist dem Virologen zufolge unrealistisch. Dafür bräuchte es mindestens 50 bis 60 Millionen Geimpfte, also rund 60 Prozent der Bevölkerung. Es werde noch lange dauern, bis sich die Bevölkerung wieder wie 2019 verhalten könne. „Der Beginn einer Impfkampagne bedeutet nicht, dass für die Menschen plötzlich keine Infektionsschutzmaßnahmen mehr gelten – wie Maske tragen, Abstand halten, Handhygiene, Lüften“, betonte Mertens.

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„Ich blicke optimistisch ins Jahr 2021“, sagte Gerald Hauf, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, bei der Pressekonferenz. Er gehe davon aus, dass bis zum kommenden Sommer riesige Schritte gemacht werden, die Pandemie zu besiegen. Schon sehr bald stünden sehr wahrscheinlich wirksame Impfstoffe zur Verfügung. Für den Erfolg sei nicht zuletzt auch eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung nötig. 50 bis 60 Prozent der Menschen in Deutschland seien laut derzeitigen Umfragen bereit, sich impfen zu lassen. Für das Vertrauen in den Impfstoff brauche es eine klare, verständliche und transparente Kommunikation. Die geltenden Empfehlungen und Entscheidungen müssten immer an die aktuelle Datenlage angepasst werden.


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