Wenn die Impf­pflicht kommt: vier Ansätze gegen Ärger und Trotz

  • Mit einer Corona-Impf­pflicht ist Wider­stand erwartbar, zeigt eine aktuelle Umfrage.
  • Von Sicherheits­bedenken bis hin zu Verschwörungs­erzählungen: Ungeimpfte würden die Pandemie anders wahrnehmen als Geimpfte.
  • Deshalb brauche es weitere Angebote – wie eine medizinische Pflicht­aufklärung oder Impf­paten gegen die Angst.
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Die Motivation unter Ungeimpften, eine Impf­pflicht abzuwehren, ist einer aktuellen Umfrage zufolge hoch. „Die Demonstrations­bereitschaft ist etwas gestiegen“, heißt es in der aktuellen Auswertung der Cosmo-Studie, die seit Pandemie­beginn bevölkerungs­repräsentativ Menschen in Deutschland zu ihrer Einstellungen zum Impfen abfragt. „Mit Wider­stand ist zu rechnen.“

Ärger und Trotz­reaktionen seien erwartbar. Komme die Impf­pflicht, empfehlen die Studien­autorinnen und -autoren um die Psychologin Cornelia Betsch von der Universität Erfurt deshalb gezielte Kommunikations­maßnahmen, um Impf­kritikern zu begegnen. Der soziale und wirtschaftliche Nutzen durch die Corona-Impfung sollten betont werden, heißt es in der Untersuchung von Anfang Dezember.

Zustimmung zur Impf­pflicht in Deutschland gestiegen

Die Zustimmung zu einer allgemeinen Impf­pflicht sei aber zuletzt auch „deutlich gestiegen“, heißt es im Bericht. Sie werde von rund 67 Prozent der Befragten befürwortet. Eine Impf­pflicht speziell für Ärzteschaft und Pflege­personal befürworteten Ende November 74 Prozent, für Polizistinnen und Polizisten 67 Prozent. Eine Impf­pflicht lehne eher ab, wer jünger ist, weiblich, wer Kinder hat oder nicht gegen Corona geimpft ist.

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Hintergrund ist, dass der Bundestag in dieser Woche weitere Regelungen zu einer Impf­pflicht für bestimmte Berufsgruppen – wie das Personal in Pflegeheimen – beschließen soll. Ab Mitte März 2022 könnte diese greifen. Bund und Länder haben sich zudem darauf verständigt, dass der Bundestag auch zeitnah über eine allgemeine Impfpflicht entscheidet.

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Aus psychologischer Sicht empfehle sich eine allgemeine Impf­pflicht für alle Erwachsenen eher, statt explizit für einzelne Gruppen nach Alter oder Beruf, heißt es dazu in der Cosmo-Studie. Eine zielgruppen­spezifische Impf­pflicht könne sich negativ auf die Gesamt­impfquote auswirken. Unter 60-Jährige seien dann weniger bereit, sich impfen zu lassen.

Impf­bereitschaft leicht gestiegen – aber Ablehnung bleibt groß

Insgesamt steige der Anteil der Impf­bereiten gerade zwar leicht an. 19 Prozent der befragten Ungeimpften seien impfbereit, 21 Prozent zögerlich oder unsicher. Aber: „60 Prozent sagen, sie wollen sich auf keinen Fall impfen lassen“, heißt es in der Studie. Der Anteil der Verweigerer liege aktuell bei 7 Prozent aller Befragten. Auch unter den Genesenen sei nur ein Drittel bereit, sich impfen zu lassen, wenn das Zertifikat abgelaufen ist.

Was sind die Gründe dafür, dass sich Menschen trotz sehr hohem Gesundheits­risiko in der vierten Corona-Welle nicht gegen Covid-19 impfen lassen? 63 Prozent der befragten Ungeimpften gaben an, Angst vor der Impfung zu haben. Sie hätten weniger Vertrauen in die Sicherheit der Impfung: „Je stärker Impfen abgelehnt wird, desto mehr wird auch die Sicherheit bezweifelt“, heißt es in der Studie. Impf­verweigerer hielten die Impfung eher für überflüssig, sie wägten auch mehr Risiken und Nutzen ab. Es gebe auch Trittbrett­fahrer: Wer gar nicht oder mittel­mäßig impf­bereit ist, wolle sich eher darauf verlassen, dass andere sich impfen lassen.

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„Ungeimpfte nehmen die Pandemie anders wahr als Geimpfte“, betont die Auswertung. Im Vergleich zu geimpften Personen sorgten sich Ungeimpfte weniger um die Überlastung des Gesundheits­systems. „Sie denken auch, dass sie sich weniger wahrscheinlich infizieren; haben weniger Vertrauen in die Regierung und die Wissenschaft; hängen eher Verschwörungs­erzählungen an“, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Corona als ein menschen­gemachter Schwindel – durch solche Überzeugungen hielten Ungeimpfte die Maßnahmen eher für übertrieben und hielten sich auch weniger an Regeln wie das Masketragen. Ungeimpfte nutzten schul­medizinische Angebote zudem minimal weniger als Geimpfte.

Kampf gegen Corona: Wie lassen sich mehr Menschen impfen?

Außer der Impf­pflicht sei eine Reihe weiterer Angebote nötig, um Menschen für eine Corona-Impfung zu gewinnen, macht die Cosmo-Studie deutlich. Vier Ansätze bringen die Autorinnen und Autoren ins Gespräch:

  • Pflichtaufklärung: Die 3G-Regel am Arbeits­platz könnte kombiniert werden mit einem Aufklärungs­gespräch zur Impfung mit einem Arzt oder einer Ärztin. Impfen werde dadurch zur Regel – wer es nicht wolle, müsse das abzeichnen lassen und vorlegen. Die Vorteile: Das Nicht­impfen werde damit ebenso aufwändig wie Impfen, eine Beratung zum Nutzen der Impfung finde in jedem Fall statt. „Dies hat in anderen Kontexten zur Steigerung der Impf­quote geführt“, heißt es laut Studie.
  • Umgang mit der Angst: Impf­paten, die ängstliche Menschen zur Impfung begleiten, oder Impf­hunde könnten versuchs­weise eingesetzt werden, um die Angst vor der Impfung abzuschwächen. „Angst vor Impfungen könnte auch eine große Hürde für die Akzeptanz einer allgemeinen Impf­pflicht sein und sollte so oder so durch wertschätzende Aufklärung abgebaut werden“, betonen die Forschenden.
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  • Impftermin bekommen: Sich impfen zu lassen sollte weiterhin so einfach wie möglich sein. Sehr relevant sei das Impfen direkt am Arbeits­platz und im Bildungs­sektor. So könnten große Gruppen mit vielen Kontakten erreicht werden. Der Aufwand, an eine Impfung zu kommen, werde dadurch drastisch reduziert. „Das Zusenden eines Termins, der bei Bedarf abgesagt werden kann, hat sich in diesen Kontexten als effektiv erwiesen“, heißt es. Auch das Impfen in Apotheken könne den Zugang erleichtern. Aufsuchendes Impfen und Beratung sei immer noch nötig – etwa im Verein, im öffentlichen Nahverkehr oder Fernzügen, im Testzentrum und bei Sprachkursen.
  • Gute Beratung durch Ärztinnen und Ärzte: Um kompetent und sicher zu beraten, sollten Ärztinnen und Ärzte mit aktuellen Informationen zur Corona-Impfung versorgt sein. Ihre Empfehlung und Entscheidungs­sicherheit habe „ein großes Gewicht“. Das sei insbesondere der Fall, wenn es um Schwangere, Kinder und die Drittimpfung gehe. Der individuelle Beitrag zur Pandemie­bewältigung und die Reduktion der Transmission durch die Impfung solle zudem stärker verdeutlicht werden.
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