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Newsletter „Die Pandemie und wir“

Maske ab, Impfpflicht weg?

Eine Frau trägt bei ihrem Einkauf in einem Supermarkt eine FFP2-Schutzmaske.

Liebe Leserinnen und Leser,

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ich sehne schon seit Langem den Tag herbei, an dem ich nicht erst die zerknitterte FFP2-Maske in allen Jackentaschen suchen muss, um ein Geschäft betreten zu können. Aus dem Wunsch ist Realität geworden: Am Wochenende haben die meisten Bundesländer die Maskenpflicht weitgehend abgeschafft. Ohne Mundschutz einkaufen – bis vor Kurzem war das noch undenkbar. Aber ist es auch der richtige Schritt?

So sehr ich auch dem Ende der Maskenpflicht entgegengefiebert habe, die Vorstellung, ab sofort „oben ohne“ durch den Supermarkt zu schlendern, sorgt bei mir immer noch für Unbehagen. Schließlich stecken sich nach wie vor täglich Tausende Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus an, das Infektionsrisiko ist weiterhin hoch. Deshalb habe ich für mich entschieden: Die Maske bleibt. Und nicht nur ich habe diesen Entschluss gefasst, wie ich beim letzten Einkauf feststellen konnte. Nur vereinzelt sah ich Kundinnen und Kunden, die auf einen Mundschutz verzichteten.

Eigenverantwortung ist die neue Corona-Politik

Eigentlich ist das ein gutes Zeichen: Die Menschen scheinen weiter mehrheitlich darauf bedacht zu sein, sich selbst und andere vor Infektionen zu schützen – und bei beidem hilft der Mundschutz. Doch kann das Prinzip der Eigenverantwortung, auf das die Politik setzt, dauerhaft funktionieren? Spätestens im Herbst, wenn eine neue Infektionswelle droht, braucht es wohl wieder feste Regeln.

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Und auch jetzt könnten sie nicht schaden, meint Sozialpsychologe Ulrich Wagner. Er hält das Auslaufen der Corona-Regeln für ein „extrem riskantes Vorgehen“, weil es suggeriere, dass die Infektionslage nicht mehr so schlimm sei. „Wir sind alle völlig verunsichert, was wir jetzt mit Corona machen sollen“, sagt er. In einer solchen Situation brauche es Regeln. Das hat auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erkennen müssen, als er in dieser Woche die Isolation- und Quarantänevorgaben ändern wollte. Mehr dazu in unserer Rubrik „Was kommt“.

Sollten wir nach zwei Jahren Pandemie nicht eigentlich genau wissen, was am besten gegen das Coronavirus hilft? Meine Kollegin Melina Runde hat in dieser Woche zehn Verhaltenstipps aufgeschrieben, die das Robert Koch-Institut derzeit empfiehlt (RND+). Dazu zählt etwa, bei coronatypischen Symptomen zu Hause zu bleiben, bei einem positiven Corona-Test Kontaktpersonen zu informieren, vor Treffen mit Risikopersonen geimpft, genesen oder tagesaktuell negativ getestet zu sein, in Innenräumen freiwillig Masken zu tragen, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und Rücksicht auf Long-Covid-Betroffene zu nehmen. Wenn sich alle an diese Empfehlungen halten, kann es auch ohne gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen gelingen, das Virus unter Kontrolle zu bringen.

Bleiben Sie zuversichtlich!

Ihre Laura Beigel

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Erkenntnis der Woche

Nach monatelangen Diskussionen steht nun fest: Eine Corona-Impfpflicht in Deutschland wird es vorerst nicht geben. Die Mitglieder des Bundestags haben am Donnerstag den von der Ampelkoalition erarbeiteten Gesetzesentwurf zur Einführung einer Impfpflicht ab 60 Jahren mit klarer Mehrheit abgelehnt. Auch der Antrag der Union, der vorsah, nicht jetzt, sondern je nach Infektionslage im Herbst über eine Impfpflicht zu entscheiden, ist gescheitert – ebenso wie der Antrag der FDP, die Impfbereitschaft ohne eine allgemeine Impfpflicht zu erhöhen, und der Antrag der AfD, keine Impfpflicht einzuführen.

Was bedeutet das jetzt für die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens? (RND+) Auf jeden Fall nichts Gutes, so viel steht fest. „Wir laufen weiter der Pandemie hinterher“, fasst es Stefan Kluge, Intensivmediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, auf Twitter zusammen. Ohne eine Pflicht werden sich Ungeimpfte kaum mehr überzeugen lassen, sich gegen Covid-19 zu impfen, wie Meinungsumfragen wie die Cosmo-Studie der Universität Erfurt nahelegen. Die Impflücke bleibt also unverändert groß – was gerade mit Blick auf den Herbst zum Problem werden könnte, wenn voraussichtlich eine neue Infektionswelle droht. Je geringer dann die Immunität in der Bevölkerung ist, desto mehr Menschen könnten schwer erkranken und zur Belastung für das Gesundheitssystem werden.

„Wir Ärztinnen und Ärzte werden natürlich weiter aufklären, behandeln und impfen“, erklärte Cihan Çelik, Oberarzt auf der Covid-Normalstation im Klinikum Darmstadt, auf Twitter. „Aber wahrscheinlich verlängert sich unsere Sonderlage durch langsamere Immunisierung.“ Auch ist noch ungewiss, welche Varianten das Coronavirus noch hervorbringen wird. Vielleicht entsteht bald eine gefährlichere Virusvariante als Omikron. Dann bräuchte es auf jeden Fall einen breiten Immunschutz in der Bevölkerung.

 

Pandemie in Zahlen

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Alltagswissen

Die Corona-Infektion ist überstanden – und jetzt? Müssen die eigenen vier Wände, in denen man sich tagelang isoliert hat, von oben bis unten geschrubbt und teils desinfiziert werden? Zumindest häufig berührte Oberflächen wie Lichtschalter, Türklinken oder Smartphones, an denen beim Husten, Niesen oder Sprechen freigesetzte Viren anhaften können, sollten mit einem haushaltsüblichen Reinigungsmittel gereinigt werden, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Zudem sollte die Wäsche einer infizierten Person in einem separaten Wäschesack gesammelt und nicht direkt berührt oder geschüttelt werden. Ein weiterer Tipp der BZgA: Handtücher und Bettwäsche bei mindestens 60 Grad mit Vollwaschmittel waschen und gründlich trocknen.

Peter Walger vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene hält es hingegen für „absolut überflüssig“, nach einer Corona-Infektion das ganze Haus zu putzen. „Auf diesem Wege werden keine Infektionen übertragen“, sagt der Facharzt für Innere Medizin, Intensivmedizin und Infektiologie. Die Übertragung des Coronavirus geschehe vielmehr über die Atmung. Selbst im Badezimmer sei das Ansteckungsrisiko gering, wenn man Waschbecken nacheinander nutzt. „Und wenn man dort, wo man sich wäscht und seine Naseninhalte hineinspuckt, alles wegspült und normal sauber macht.“ Auch Bettwäsche, die nachts Schweiß und Speichel abbekommt, benötige keine hygienische Sonderbehandlung während und nach einer Corona-Infektion, sagt Walger. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, kann durchaus zum Putzlappen greifen. Schaden tut es in keinem Fall.

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Zitat der Woche

Ich mache mir große Sorgen, dass wir im Herbst in eine neue große Welle geraten und schon wieder ein Déjà-vu erleben. Wir sehen kein Licht am Ende des Tunnels. Wir sehen den Herbst am Ende des Tunnels und haben die große Befürchtung, dass die Krankenhäuser wieder enormen Belastungen ausgesetzt sind, wir wieder planbare Eingriffe verschieben müssen und es wieder umfangreiche Corona-Maßnahmen braucht.

Susanne Johna,

Vorsitzende des Marburger Bundes

 

Forschungsfortschritt

Internationale Gesundheitsbehörden raten, Covid-19 nicht mit dem Wurmmittel Ivermectin zu behandeln.

Internationale Gesundheitsbehörden raten, Covid-19 nicht mit dem Wurmmittel Ivermectin zu behandeln.

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„Du bist kein Pferd. Du bist keine Kuh. Ernsthaft, ihr alle. Hört auf.“ Mit diesen Worten hatte im Sommer vergangenen Jahres die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA vor der Einnahme des Wurmmittels Ivermectin gegen Covid-19 gewarnt. Nicht nur, weil sich das Präparat als unwirksam gegen Corona-Erkrankungen erwiesen hatte, sondern auch weil es falsch dosiert hochgiftig sein kann. Eine Studie aus Brasilien, die im Fachmagazin „The New England Journal of Medicine“ erschienen ist, bestätigt nun die Aussagen der FDA.

Die Forscherinnen und Forscher schlossen mehr als 3500 Teilnehmende mit einem erhöhten Risiko für schwere Covid-19-Krankheitsverläufe in ihrer Studie ein, von denen 679 Ivermectin erhielten. Die restlichen Probandinnen und Probanden bekamen ein Scheinpräparat oder wurden anders behandelt. Es zeigte sich, dass das Wurmmittel weder das Risiko einer Krankenhauseinweisung senkt noch maßgeblich Einfluss auf die Dauer eines Klinikaufenthalts oder auf die Genesung nach einer Infektion nimmt. Bis heute sprechen sich die Weltgesundheitsorganisation, das Robert Koch-Institut und die Europäische Arzneimittelagentur gegen den Einsatz des Medikaments in der Pandemie aus.

 

Pandemie im Ausland

In Großbritannien verzeichnen die Gesundheitsbehörden zahlreiche Fälle mit einer neuen Corona-Variante. Es handelt sich dabei um ein rekombinantes Virus, dessen Erbgut Genabschnitte der beiden Omikron-Subtypen BA.1 und BA.2 enthält. Es ist noch unklar, welche Eigenschaften die Variante mit der Bezeichnung XE hat.

Die britische UK Health Security Agency (UKHSA) berechnete in ihrem jüngsten Bericht, dass die Wachstumsrate der Virusvariante um 9,8 Prozent größer ist als die des Omikron-Subtyps BA.2 – das heißt, sie wäre noch leichter übertragbar. „Bislang gibt es nicht genügend Beweise, um Schlussfolgerungen über die Übertragbarkeit, den Schweregrad oder die Wirksamkeit des Impfstoffs zu ziehen“, sagte Susan Hopkins, leitende medizinische Beraterin der UKHSA. Die Behörde weist noch auf zwei weitere rekombinante Viren hin: XD und XF, die genetisches Material von BA.1 und Delta vereinen. Auch zu ihren Eigenschaften lassen sich bislang jedoch keine verlässlichen Aussagen treffen.

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Was kommt

Noch am Montag verkündete Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), dass sich Corona-Infizierte und deren Kontaktpersonen ab dem 1. Mai nicht mehr verpflichtend in Isolation beziehungsweise Quarantäne begeben müssten. Stattdessen solle jeder und jede – mit Ausnahme von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen – selbst darüber entscheiden können, ob er oder sie sich im Fall einer Infektion häuslich isoliert oder nicht.

Nach scharfer Kritik, unter anderem vonseiten der Wissenschaft, liegen diese Pläne nun wieder auf Eis. Am Dienstagabend gab Lauterbach in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ bekannt, dass es doch keine freiwillige Isolation von Corona-Infizierten geben soll. Zumindest eine Änderung will der Bundesgesundheitsminister aber vornehmen: Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat, soll sich künftig nur noch fünf Tage isolieren.

 

Was die Pandemie leichter macht

Wer nach einer Covid-19-Erkrankung unter starker Erschöpfung leidet, sollte sich nicht überfordern.

Wer nach einer Covid-19-Erkrankung unter starker Erschöpfung leidet, sollte sich nicht überfordern.

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Eine starke Erschöpfung, auch Fatigue genannt, ist eine der am häufigsten beobachteten Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung. Einfache, alltägliche Dinge wie Staubsaugen oder einkaufen gehen sind für Betroffene ein großer Kraftakt. Um die eigenen Energieressourcen besser einschätzen und einteilen zu können, rät Martina Lukas, Chefärztin der Inneren Medizin in der Helios Klinik Wiesbaden, zu einer sogenannten Pacing-Strategie. Diese sei eine ganz individuelle Angelegenheit, an deren Anfang die Frage stehe: Wie viel Energie habe ich?

„Man kann sich vorstellen, dass man für jeden Tag einen Sack mit Energieperlen zur Verfügung hat“, sagt Lukas. „Jede Aktivität kostet eine Energieperle – das Ausräumen des Geschirrspülers, die Runde mit dem Hund, das Kochen des Mittagessens.“ Zur besseren Krafteinteilung kann es helfen, ein Tagebuch zu führen, in dem man alle Aktivitäten notiert. „Stellt man dann fest, dass es einem heute schlecht geht, blättert man eine Seite zurück und kann nachvollziehen, woran es liegen könnte“, so die Ärztin. Wichtig sei es zudem, die eigenen Ansprüche an sich selbst anzupassen und Prioritäten zu setzen: Was muss unbedingt noch gemacht werden? Und was nicht? Fordern, aber nicht überfordern, sei das Motto.

 

Was sonst noch wichtig ist

Knapp ein Drittel der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren in Deutschland leidet nach Angaben des Robert Koch-Instituts unter einer Allergie. Besonders verbreitet ist Heuschnupfen. Kurzfristig können Allergietabletten oder Nasensprays das Kribbeln in der Nase, Niesanfälle oder Husten lindern; langfristig soll dagegen eine Hyposensibilisierung helfen. Meine Kollegin Katrin Schreiter hat recherchiert, wie genau diese Therapie funktioniert (RND+).

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Damit das Immunsystem nicht mehr auf harmlose Stoffe aus der Umwelt überempfindlich reagiert, wird es bei der Hyposensibilisierung über einen längeren Zeitraum an die entsprechenden Allergene gewöhnt. Patientinnen und Patienten bekommen dafür in ansteigenden Mengen Allergenextrakte verabreicht – meist in Form von Spritzen oder auch von Tabletten und Tropfen. Besonders ratsam sei eine Hyposensibilisierung bei allergischen Reaktionen durch Pollen, Schimmelpilze oder Hausstaubmilben sowie bei Insektengiftallergien. Vor der Therapie sollte der Auslöser für die Allergie ermittelt werden, um ein individuell geeignetes Präparat wählen zu können. Wichtig: Mit der Hyposensibilisierung beginnen sollten Allergikerinnen und Allergiker möglichst in der pollenfreien Zeit, idealerweise schon vier Monate vor Beginn der Pollenflugsaison.

 

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gerne direkt bei unserem Redaktionsteam: magazin@rnd.de Wir freuen uns!

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