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Impfpflicht für Ärzteschaft und Pflegende: Wie viele würden dadurch erreicht?

  • Wird es in Deutschland bald eine Impfpflicht für Ärzteschaft und Pflegende geben?
  • Der Vorstand der Deutschen Krankenhausgesellschaft pocht auf eine Stellungnahme des Ethikrats.
  • Umfragen zeigen, dass die Impfquote im Gesundheitssektor bereits sehr hoch ist.
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Eine Pflicht zur Impfung gegen Covid-19 bei bestimmten Berufen gibt es in Deutschland nicht. Diskutiert wird aber darüber, insbesondere beim medizinischen Personal - also Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegenden. Der Deutsche Ethikrat hat dazu bislang noch nicht Stellung bezogen, die Politik noch nichts beschlossen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert deshalb eine Positionierung des Gremiums. Sie appellierte am Montag in Berlin an die Bundesregierung, den Ethikrat zu beauftragen, eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen zu bewerten.

Die seit Wochen schwelende Debatte über eine Impfpflicht sei kontraproduktiv und werde die Impfbereitschaft sowohl in den betroffenen Berufsgruppen als auch in der allgemeinen Bevölkerung eher absenken als fördern, kritisierte der DKG-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß. Arbeitgeber und Beschäftige würden mit dieser Frage allein gelassen. „Es liegt in der politischen Verantwortung der Regierung, hier durch den Ethikrat Leitplanken einziehen zu lassen“, erklärte der Vertreter der Krankenhäuser in Deutschland.

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Angestoßen hatte die Debatte vergangene Woche der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ hatte er gesagt: „Wenn viele Beschäftigte in Kitas, Schulen und Kliniken Impfungen weiter verweigern, sollte der Gesetzgeber ernsthaft über eine Impfpflicht in diesen sensiblen Bereichen nachdenken.“ Und: „Wer mit vulnerablen Gruppen zu tun hat und die eigene Immunisierung ablehnt, hat seinen Verstand ausgeschaltet.“

Umfragen zeigen: Hohe Impfquote in Krankenhäusern und Praxen

Ob die Einführung einer Impfpflicht akut zu weitaus mehr Geimpften im Gesundheitssektor führt, ist allerdings fraglich - weil die allermeisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits geimpft sind. Das zeigt zumindest eine Online-Befragung der vom Robert Koch Institut (RKI) betreuten Studie „Kroco“, die am Montag veröffentlicht wurde. Im Frühjahr und Sommer dieses Jahres wurden Beweggründe von Krankenhauspersonal für oder gegen die Impfung erfragt. Rund 17.000 Mitarbeitende aus 111 Einrichtungen nahmen daran teil.

Von den Befragten gaben 91 Prozent an, vollständig geimpft zu sein, vier Prozent unvollständig. Fünf Prozent der Teilnehmenden gab an, ungeimpft zu sein. Auch das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat Ärztinnen und Ärzte befragt. Von rund 5000 Personen gaben bis Mitte August 97,7 Prozent an, vollständig geimpft zu sein. Für das nicht-ärztliche Personal in den Praxen liegt der Anteil bei 90,4 Prozent.

Die Alternative zur Impfpflicht: Aufklärung

Die Hauptgründe gegen eine Impfung waren der „Kroco“-Umfrage zufolge die Angst vor bleibenden Schäden, die Sorge, dass die neuen Impftechnologien nicht sicher sein könnten, der Wunsch noch abwarten zu wollen und die Furcht vor starken Nebenwirkungen. Der Antrieb für eine Impfung waren der Wunsch, das private Umfeld und sich selbst zu schützen, eine Aufforderung durch den Arbeitgeber erhalten zu haben, sowie der Wunsch, Kollegium, Patientinnen und Patienten zu schützen.

Die Ergebnisse decken sich mit den Erfahrungen weiterer Kommunikationsexpertinnen und Experten, die auf Basis von Umfrageergebnissen unter Ungeimpften verstärkt auf bessere Aufklärungs- und Informationsangebote statt eine Impfpflicht setzen. „Unsichere Menschen wollen mit Argumenten und Informationen überzeugt werden, und nicht überredet. Sonst springen innere Widerstände an“, sagte etwa die Psychologin und Verhaltensökonomin Katrin Schmelz, die an der Universität Konstanz zur Impfmotivation forscht, dem RND.

Entscheidend wird also am Ende die Einschätzung des Ethikrats sein. Dieser habe sich bereits 2019 differenziert zur Masern-Impfpflicht positioniert, sagte DKG-Chef Gaß. Auf dieser Basis könne die Bewertung für eine Corona-Impfpflicht durch den Ethikrat auch sehr kurzfristig erfolgen. „Wir brauchen jetzt Klarheit, wohin der Weg führt, damit die Diskussionen ein Ende nehmen und die Akzeptanz einer politischen Entscheidung für oder gegen eine Impfpflicht gestärkt wird“, forderte er. Ungeachtet dessen müsse die Impfkampagne weiter verbessert und genauer auf die Zielgruppen ausgerichtet werden. Dazu seien vor allem niedrigschwellige Angebote sowie eine zielgruppengerechte Ansprache und Aufklärung nötig, sagte Gaß.

Mit Material von dpa

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