Impfdurchbrüche: die wichtigsten Fragen und Antworten

  • Impfdurchbrüche machen einen wachsenden Anteil der Neuinfektionen aus – vor allem bei Älteren.
  • Das liegt zum Teil an der Ausbreitung der Delta-Variante, aber auch daran, dass der Impfschutz mit der Zeit nachlässt.
  • Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.
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Infektionen bei Geimpften sind für einen immer größeren Anteil der sympto­matischen Neu­infektionen verantwortlich, zeigt ein aktueller Bericht des Robert Koch-Instituts. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Impf­durch­brüche.

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

1. Wie ist ein Impf­durch­bruch definiert?

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Das Robert Koch-Institut (RKI) definiert einen Impf­durch­bruch als eine Infektion bei vollständig Geimpften, die auch mit Symptomen einhergeht. Symptomlose Infektionen bei Geimpften werden hingegen nicht als Impf­durch­bruch gewertet und werden in den allermeisten Fällen wohl auch nicht erkannt. Seit einigen Wochen veröffentlicht das RKI Zahlen dazu, wie hoch der Anteil der auf diese Weise definierten Impf­durch­brüche an den sympto­matischen Neu­infektionen ist.

2. Welche Rolle spielen Impf­durch­brüche für das Infektions­geschehen?

Impfdurchbrüche machen inzwischen einen deutlich höheren Anteil der Neu­infektionen aus, als noch vor wenigen Monaten und die Tendenz ist weiterhin steigend. Das geht aus einem aktuellen Lagebericht des Robert Koch-Instituts hervor.

So waren 42 Prozent der über 60-Jährigen, die in den vergangenen Wochen an Covid-19 erkrankten, geimpft, sowie 20 Prozent der über 60-Jährigen, die deswegen im Krankenhaus behandelt werden mussten, und 20 Prozent der Intensivpatienten aus dieser Altersgruppe. Von den über 60-Jährigen, die seit dem 9. August an oder mit Covid-19 verstorben sind, waren 27 Prozent geimpft.

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Bei den 18- bis 59-Jährigen waren 18 Prozent der sympto­matischen Neu­infektionen der vergangenen Wochen Impf­durch­brüche, in der Alters­gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen waren es ein Prozent (allerdings gibt es für diese Gruppe noch keine Langzeitdaten, weil sie erst seit einigen Wochen geimpft wird). Aus dem Bericht des RKI geht auch hervor, dass der Anteil der Impfdurchbrüche jeweils höher liegen könnte, da sich Geimpfte seltener testen lassen.

3. Ist die Delta-Variante der Grund?

Die Zahl der Impf­durch­brüche hat sich seit der Ausbreitung der Delta-Variante erhöht, dies wurde in mehreren Ländern beobachtet. Dafür werden zum Teil die Mutationen des Erregers verantwortlich gemacht. Allerdings wurde auch festgestellt, dass die Schutzwirkung der Impfung nach einigen Monaten nachlässt. Parallel zur Ausbreitung der Delta-Variante ist auch der zeitliche Abstand zum Impfbeginn größer geworden, auch dies dürfte eine wichtige Rolle bei der Zunahme der Impfdurchbrüche spielen.

4. Wie gut schützt die Impfung?

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Bei der Schutzwirkung der Impfung ist zwischen dem Schutz vor Infektionen und dem Schutz vor milden oder schweren Verläufen zu unterscheiden. Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts schützt eine Impfung noch zu mindestens 80 Prozent vor schwerem Covid-19, was für alle in Deutschland verwendeten Impfstoffe gelte (Stand 27.8.2021). Zu beachten ist insgesamt, dass die Impfwirkung mit der Zeit abnimmt und die Wirkung vor allem bei älteren oder immun­suppri­mierten Menschen geringer ausfallen kann als im Durchschnitt.

Laut einer Studie des Imperial College London konnte eine Impfung Infektionen mit der Delta-Variante nur noch zu etwa 49 Prozent verhindern, wenn asympto­matische Infektionen mitgezählt wurden, wobei nicht nach einzelnen Impfstoffen unterschieden wurde. Den Schutz vor symptomatischen Infektionen schätzten die Forschenden auf etwa 59 Prozent.

5. Wird eine Auffrischimpfung benötigt?

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Die ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (Stiko) empfiehlt die dreimalige Impfung bisher nicht. Trotzdem haben die Bundesländer bereits mit Dritt­impfungen begonnen, angeboten werden diese vorrangig älteren Menschen. Eine Stellungnahme hat das RKI für Ende September oder Oktober angekündigt, bis dahin soll die Datenlage ausgewertet werden. Eine dritte Impfdosis ist auch politisch umstritten. So hat die Welt­gesund­heits­organisation WHO den Beginn von Drittimpfungen in den Industrie­nationen kritisiert und gefordert, den Impfstoff stattdessen ärmeren Ländern zur Verfügung zu stellen. Dort hatten selbst Risiko­gruppen oft noch keinen Zugang zur Erstimpfung.

6. Können Geimpfte andere anstecken?

Ja, das ist möglich. Auch wenn Infektionen bei Geimpften tendenziell milder verlaufen, haben sie im Fall einer Infektion eine ähnlich hohe Viruslast wie Ungeimpfte, sind also womöglich ähnlich ansteckend. Geimpfte sind aber offenbar für einen kürzeren Zeitraum infektiös als Ungeimpfte. Das Robert Koch-Institut empfiehlt wegen des möglichen Ansteckungs­risikos auch nach einer vollständigen Impfung die allgemeinen Schutz­maßnahmen (AHA und L-Regeln) weiterhin einzuhalten.

7. Wie erkenne ich als Geimpfter oder Geimpfte, ob ich infiziert bin?

Die aktuellen staatlichen Corona-Beschränkungen wie die 3G-Regel oder die 2G-Regel sehen keine Testpflicht für Geimpfte vor. Infektionen werden daher wahrscheinlich häufiger übersehen, als bei Ungeimpften. Wer als vollständig Geimpfter Symptome aufweist, die auf eine Atem­wegs­erkrankung hindeuten, sollte sich in jedem Fall freiwillig testen lassen. Das gilt vor allem dann, man in regelmäßigem Kontakt mit Risiko­personen ist. In der „Zoe Covid Symptoms“-Studie des King’s College London wurde festgestellt, dass die ersten Symptome bei Infektionen mit der Delta-Variante etwas anders ausfallen können als bei Infektionen mit vorherigen Varianten. So kommen Husten, Atemnot und Geruchs- oder Geschmacks­verlust offenbar seltener vor. Dafür sind die typischen Symptome nun Kopf­schmerzen, Halsweh, eine laufende Nase und Niesen. Vor allem Niesen soll bei Geimpften häufiger vorkommen als bei Unge­impften, die sich ein erstes Mal infizieren.

RND

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