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  • Corona-Immunität: Neue Studien stützen Annahme über langanhaltenden Schutz vor erneuter Erkrankung - möglicherweise sogar über Jahre hinweg

Neue Studien: Immunität nach Corona-Infektion könnte Jahre anhalten

  • Gibt es überhaupt eine verlässliche Immunität nach einer Infektion mit dem Coronavirus? Einige wissenschaftliche Stimmen hatten das angezweifelt.
  • Jetzt stützen zwei neue Studien die verbreitete These, dass nach einer Erkrankung eine Immunität vorhanden sei.
  • Womöglich könnte sie sogar über Jahre hinweg Bestand haben.
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Das Thema Immunität nach einer überstandenen Corona-Infektion treibt die Forschung um. Wie lange hält sie vor – und ist das verlässlich? Zwei neue Studien kommen jetzt zu dem Ergebnis, dass ein Schutz vor erneuter Ansteckung sogar über Jahrzehnte Bestand haben könnte.

Eine Studie unter Federführung des La Jolla Institute for Immunology (LJI) in San Diego (Kalifornien), an der auch der österreichische Virologe und Impfstoffforscher Florian Krammer von der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital in New York beteiligt war, macht jetzt Hoffnung. Der Analyse zufolge verfügten die meisten Genesenen auch acht Monate nach der Infektion mit Sars-CoV-2 über genügend Immunzellen, um das Virus abzuwehren und eine Erkrankung zu verhindern. Was die Forscher zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass der langsame Abbau dieser Zellen dafür spricht, dass sie über einen sehr langen Zeitraum im Körper bleiben.

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Die Studie, die bei bioRxiv, einer Plattform für noch nicht publizierte Studien, zur Verfügung steht, hat noch keine Peer-Review (Begutachtung) durchlaufen. Sie gilt aber als bisher umfangreichste ihrer Art. Shane Crotty, Virologin in La Jolla und eine der Leiterinnen der Studie, sagte der New York Times: „Die Anzahl an Zellen wird voraussichtlich eine große Anzahl von Menschen für viele Jahre davor bewahren, wegen Covid-19 ins Krankenhaus zu müssen oder schwer zu erkranken.“

Zwischenzeitlich waren Befürchtungen aufgetaucht, die zunächst durch einzelne Untersuchungen gestützt wurden, dass die Immunität gegen das Sars-CoV-2-Virus schnell abnähme, was dazu geführt hätte, dass auch etwaige Impfungen häufig hätten wiederholt werden müssen. Anscheinend waren aber die vereinzelten Probanden, bei denen man eine Zweitinfizierung befürchtete, nicht erneut erkrankt, sondern hatten von einem symptomfreien Verlauf schlicht zu wenig Antikörper um Blut, um dauerhaft resistent zu sein.

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Die Forscher fanden auch heraus, dass Überlebende der Lungenkrankheit, die 2003 am ersten Sars-CoV-Virus erkrankt waren, 17 Jahre nach ihrer Genesung noch über wichtige Immunzellen verfügten - die sogenannten Gedächtniszellen.

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Immunzellen kommunizieren miteinander

Diese Immunzellen kommunizieren offensichtlich untereinander. „Während der integrierten Untersuchung der unterschiedlichen Antikörper“, heißt es in der Studie, „der Memory B-Zellen, T-Zellen, CD8+ T-Zellen sowie CD4+ T-Zellen, stellten wir fest, dass jede Komponente des Sars-CoV-2-Immunitäts-Gedächtnisses über eine unterschiedliche Kinetik verfügte".

Die Anzahl von Antikörpern sank bei manchen Patienten zwischenzeitlich. Doch das allein ist nicht ausschlaggebend für eine Immunität. Denn obwohl Antikörper im Blut notwendig sind, um eine Zweitinfektion zu verhindern, indem sie das Virus blocken – ein Phänomen, das sterile Immunität genannt wird –, sind Immunzellen, die sich an das Virus „erinnern“ häufiger für das Verhindern schwerer Verläufe ausschlaggebend.

„Sterile Immunität ist recht selten, das ist nicht die Norm“, sagte Alessandro Sette, Immunologe am La Jolla Institute of Immunology und Co-Leiter der Studie, der New York Times. Häufiger sei es hingegen, dass Menschen sich mit einem entsprechenden Pathogen ein zweites Mal infizierten, das Immunsystem den Eindringling erkenne und die Infektion schnell unterbinde. Das Coronavirus sei besonders langsam und gebe dem Immunsystem reichlich Zeit zu reagieren. Das erkläre auch, warum der mittlere Zeitpunkt für eine schwere Corona-Symptomatik mit tödlichem Verlauf bei immungeschwächten Patienten bei 19 Tagen nach der Infektion liegt.

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Mehrheit der Probanden hatte leichte Verläufe

Für Menschen mit einem stabilen Immunsystem gilt: „Das Virus kann so schnell erledigt sein, dass man weder eine Symptomatik entwickelt noch ansteckend ist“, so Sette. Das Forscherteam untersuchte 185 Männer und Frauen zwischen 19 und 81 Jahren, die alle von Corona genesen waren. Die Mehrheit hatte nur eine milde Symptomatik gespürt und musste nicht in stationäre Behandlung. Einigen wurde nur einmal Blut abgenommen, 38 Probanden gaben über mehrere Monate auch mehrere Proben ab.

Die Wissenschaftler fokussierten sich auf vier Komponenten des Immunsystems: Antikörper, B-Zellen, die mehr Antikörper produzieren als notwendig, sowie CD8+ T-Zellen und CD4+ T-Zellen, die andere infizierte Zellen vernichten.

Dabei stellte sich heraus, dass es zwar bis zu 200-fache Schwankungen der Werte unter den Probanden gab, die Antikörper aber stabil waren und sechs bis acht Monate nach der Infektion nur leicht abnahmen. Während die T-Zellen auch ganz langsam weniger wurden, vermehrten sich die B-Zellen – warum, das ist noch unklar.

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Genauso schwierig ist es vorherzusagen, wie lange denn nun eine Corona-Immunität anhalten könne. Das liegt daran, dass die Wissenschaftler noch nicht wissen, welche Werte der unterschiedlichen Immunzellen notwendig sind, um vor dem Virus zu schützen. Bislang sehe es allerdings danach aus, so die Forscher, dass selbst ein kleiner Anteil von Antikörpern oder T- und B-Zellen ausreichen könnte, um diejenigen zu schützen, die eine Infektion überstanden haben.

Zweite Studie untermauert Immunitäts-These

Eine zweite jüngst veröffentlichte Studie untermauert die These der länger anhaltenden Immunität. Sie wurde von Forschern der Huazhong University im chinesischen Wuhan und dem Institut für Virologie an der Universität Duisburg-Essen durchgeführt., auch dort wurde die Immunantwort Genesener über einen längeren Zeitraum beobachtet. Wuhan war der Ausgangspunkt der Pandemie. Ein Sars-CoV-2-typisches Gedächtnis der T-Zellen halte bei den meisten Probanden lange vor, so die Wissenschaftler um Prof. Jia Liu.

„In Wuhan angesiedelt zu sein, wo die Pandemie ausbrach, versetzt uns in die Lage, die längst-andauernden Analysen von T-Gedächtnis-Zellen auf Sars-CoV-2 in rekonvaleszenten Covid-19-Patienten durchzuführen“, heißt es zu Beginn der Studie, die ebenfalls auf dem Preprint-Server bioRxiv einzusehen ist. Das Ergebnis: „Sars-CoV-2-spezifische Antikörperreaktionen sind eher kurzlebig – während das T-Zellen-Gedächtnis nachhaltiger ist.“

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