Immun gegen Corona: Italien plant Antikörpertests mit 150.000 Menschen

  • In Italien sollen Hunderttausende Menschen auf Antikörper getestet werden.
  • Die Regierung will dadurch mehr Klarheit zur Dunkelziffer der Corona-Infizierten bekommen - auch Deutschland plant solche Tests.
  • Die Zuverlässigkeit von Antikörpertests müsse aber weiter geprüft werden, betont die WHO.
Anzeige
Anzeige

Rom. Italien möchte mit Antikörpertests an zunächst 150.000 Menschen die Dunkelziffer der Corona-Infizierten bestimmen. Die Studie soll ab dem 4. Mai stattfinden. Das geht aus einem Beschluss hervor, den die Regierung in Rom am Wochenende verabschiedet hat.

Der für die Coronavirus-Krise zuständige Regierungskommissar Domenico Arcuri sagte am Samstag, es seien zahlreiche Anbieter von Tests gesichtet worden. Die Entscheidung sei nach wissenschaftlichen Kriterien gefallen, außerdem bekomme man die Test-Kits kostenlos. Auch in Deutschland plant die Regierung einen groß angelegten Test, kleinere Projekte sind bereits gestartet.

Antikörper als Hinweis auf Corona-Infektion

Derartige Tests sind wichtig, um herauszufinden, ob jemand bereits mit Corona infiziert war und dagegen Antikörper im Blut gebildet hat. So lässt sich der Kontakt mit dem Virus auch bei Menschen nachweisen, die kaum oder keine Symptome der Covid-19-Krankheit hatten. Sie wissen oft gar nichts von ihrer Infektion.

Coronavirus: Immer informiert
Abonnieren Sie Updates für das Thema "Coronavirus" und wir benachrichtigen Sie bei neuen Entwicklungen
Anzeige

Für die Untersuchung hätten die italienischen Behörden mit Hilfe statistischer Daten Menschen ausgewählt, die für eine Stichprobe geeignet seien, erläuterte Arcuri. Der italienische Zivilschutz registrierte bisher fast 200.000 Menschen im Land, die bei einem Abstrich positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet worden waren. Experten gehen allerdings von einer sehr hohen Dunkelziffer von Fällen aus. Die Antikörper-Studie soll nun helfen zu verstehen, wie weit das Virus wirklich in der Bevölkerung verbreitet ist.

Falsche Sicherheit durch Antikörper-Tests?

Es sind verschiedene Antikörpertests auf dem internationalen Markt. Deren Zuverlässigkeit müsse aber weiter geprüft werden, hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO unlängst erläutert. Qualitativ mangelhafte Tests könnten bei Menschen, die infiziert waren, keine Antikörper anzeigen. Und bei Menschen, die nicht mit dem Virus in Kontakt waren, könnten fälschlicherweise Antikörper angezeigt werden. Grundsätzlich unterstütze die WHO jedoch Tests, die Aufschluss über den Prozentsatz der betroffenen Bevölkerung geben.

Die WHO warnte zuletzt auch vor sogenannten Immunitätsnachweisen für Menschen nach durchgemachter Corona-Infektion. Einige Regierungen hatten vorgeschlagen, Ex-Infizierten mit Corona-Antikörpern im Blut eine Art Covid-Pass auszustellen, damit sie beispielsweise früher zurück zur Arbeit können. Wissenschaftlich ist aber bislang nicht abschließend geklärt, inwieweit Menschen nach einer Infektion immun gegen das Virus bleiben.

RND/ dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen