Studie: So kann das Corona-Infektionsrisiko bei Autofahrten reduziert werden

  • Richtiges Lüften ist zum Schutz vor Corona nicht nur in Räumen, sondern auch im Auto wichtig – besonders bei Taxifahrten oder beim Carsharing.
  • Den besten Schutz vor einer Infektion bieten vier geöffnete Fenster – doch das ist witterungsbedingt nicht immer möglich.
  • Forscher haben in einer Studie nun herausgefunden, dass Fahrer und Mitfahrer in diesem Fall möglichst die Fenster öffnen sollten, die am weitesten von ihnen entfernt sind.
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Im Kampf gegen das Coronavirus ist regelmäßiges und vor allem richtiges Lüften eine wichtige Maßnahme. Denn so soll in geschlossenen Räumen die Konzentration von möglicherweise mit Viren belasteten Aerosolen reduziert werden. Diese könnten ansonsten stundenlang in der Luft schweben – und eingeatmet werden. Auch während einer Autofahrt mit mindestens zwei Menschen gilt es, regelmäßig im Wagen zu lüften – vor allem bei Fahrten im Taxi oder beim Carsharing, wenn man mit fremden Menschen unterwegs ist. Doch auch hier stellt sich die Frage: Wie lüfte ich richtig, damit das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus reduziert wird? Mit dieser Frage haben sich Forscher der University of Massachusetts Amherst in einer Studie beschäftigt.

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Fahrer und Mitfahrer sollten die am weitesten entfernten Fenster öffnen

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Bei Fahrten mit zwei Menschen ist es zunächst wichtig, dass Fahrer und Mitfahrer möglichst weit voneinander entfernt sitzen, so die Studie, die im Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlicht wurde. Der Beifahrer sollte somit am hinteren, rechten Sitz Platz nehmen. Doch auch das richtige Lüften ist bei Fahrten im oft stickigen Auto eine wichtige Maßnahme, um eine Infektion zu vermeiden. Eine naheliegende Lösung wäre für viele womöglich, die Fenster zu öffnen, die dem Fahrer und den Insassen am nächsten sind. Das ist nach Ansicht der Forscher aber gerade nicht der richtige Weg: Wenn nicht alle Fenster geöffnet werden können, sollten möglichst die Fenster rechts vom Fahrer und links hinten vom Mitfahrer runtergefahren werden, betonen sie in der Studie.

Je mehr Fenster bei Autofahrten geöffnet sind, desto besser

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In verschiedenen Szenarien haben die Wissenschaftler per Computersimulationen getestet, welche geöffneten Fenster – entweder bei einem infizierten Fahrer oder bei einem infizierten Insassen – den besten Schutz vor einer Infektion bieten. Demnach galt grundsätzlich: Je mehr Fenster geöffnet wurden, desto besser. Eine entscheidende Rolle spielte aber auch, welche Fenster runtergefahren wurden. Das war vor allem in Szenarien wichtig, in denen nicht alle Fenster wegen den Wetterbedingungen geöffnet werden können.

Die Infektionsgefahr war grundsätzlich am niedrigsten, wenn alle vier Fenster geöffnet blieben. Wurde nur das Fenster am Sitz des nicht infizierten Insassen geschlossen, war dies der zweitbeste Schutz. Können beispielsweise witterungsbedingt nicht alle Fenster runtergefahren werden, sollten möglichst die Fenster geöffnet werden, die weit vom Fahrer und Beifahrer entfernt sind – das waren im Szenario die rechts vom Fahrer und links hinten vom Mitfahrer. Die Forscher betonten zudem, dass das Risiko einer Infektion in einem Auto am höchsten ist, wenn alle Fenster geschlossen sind – und nur der Umluftfilter an ist.

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Luftstrom erzeugt eine Art Schutzbarriere zwischen Fahrer und Insasse

Die Forscher untersuchten in den Szenarien die komplexen Luftströme während einer Autofahrt und fokussierten sich dabei primär auf Taxifahrten und Carsharing. Demnach erzeugen die Ströme einen niedrigeren Druck auf die vorderen Fenster als auf die hinteren Fenster. „Wir hatten diese Idee, dass man einen Luftstrom von dem hinteren bis zum vorderen Teil des Wagens kreiert, wenn man das hintere und das entgegengesetzte, vordere Fenster öffnet“, sagte der Studienhauptautor Varghese Mathai, assistierender Professor für Physik an der University of Massachusetts Amherst in einer Mitteilung. „Zu unserer Überraschung zeigten die Simulationen einen Luftstrom, der wie eine Art Schutzbarriere zwischen dem Fahrer und dem Mitfahrer wirkte“, sagte er.

Studie liefert keine Erkenntnisse für Fahrten in Lastwagen und Cabrios

Die Forscher merkten an, dass das Automodell in den Computersimulationen der Größe eines Toyata Prius entspricht – also einem Viersitzer, der etwa 4,5 Meter lang ist. Somit können keine genauen Schlüsse darüber gezogen werden, wie sich die Luftströme in einem Lastwagen, Minivan oder Cabrio verhalten. Unklar ist auch, welchen Einfluss starker Wind auf die Luftströme hat. Das Lüften ist laut Mathai zudem kein Ersatz für das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in einem Auto. Die Maßnahme könne aber dabei helfen, die mit Viruspartikeln belasteten Aerosole innerhalb des Fahrzeugs zu reduzieren. „Diese Ergebnisse haben eine hohe Bedeutung für die Maßnahmen zur Eindämmung einer Infektion für die Hunderten Millionen Menschen, die weltweit in Mietwagen oder Taxis fahren, und können potentiell auch zu sichereren und risikoärmeren Ansätzen im Personentransport führen“, betonten die Studienautoren.

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