Impfstoffexperte zur Corona-Lage: „Sollten Idee einer Herdenimmunität vergessen“

  • Bereits Anfang des Monats erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die dritte Corona-Welle sei gebrochen.
  • Vom ursprünglichen Ziel einer Herdenimmunität sind wir dem Chefentwickler des Astrazeneca-Vakzins nach jedoch weit entfernt.
  • Er rät sogar dazu, die Idee zu begraben.
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Berlin. Der Chefentwickler des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca dämpft Hoffnungen auf eine Herdenimmunität. „Wir sollten die Idee einer Herdenimmunität vergessen“, sagte Andrew Pollard im Interview mit der „Welt“. „Wenn wir es mit einem Virus zu tun hätten, das sich nicht verändert, könnten Mathematiker den nötigen Bevölkerungsanteil ausrechnen“, erklärte der Immunologe. So seien es bei Masern etwa 95 Prozent. „Wenn es bei Covid-19 bei dem Strang aus dem vergangenen Jahr geblieben wäre, dann ginge das Konzept der Herdenimmunität noch auf“, sagte Pollard. „Aber das ist bekanntlich nicht der Fall.“

Nun sei die eigentliche Frage, wie viele Menschen geimpft werden müssten, um die Zahl jener zu minimieren, die schwer erkranken, sagte der Direktor der Oxford Vaccine Group. „Wenn wir bei den über 50-Jährigen aufhören, können die jüngeren immer noch schwer erkranken“, mahnte er. Zumindest in Europa sei aber davon auszugehen, dass die meisten Menschen mit hohem Risiko in diesem Sommer geschützt sein werden.

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Spahn will Biontech-Impfstoffe für Schüler reservieren

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rief derweil dazu auf, Biontech-Impfdosen für Schüler bereitzuhalten, damit die Schulen wieder öffnen können. „Ein Weg zu regulärem Unterricht nach den Sommerferien ist das Impfen der Jugendlichen“, sagte Spahn der „Bild am Sonntag“. Als Ziel wurde ausgegeben, Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren bis zum kommenden Schuljahr ein Impfangebot zu machen. Spahn sagte: „Weil für sie wegen der Zulassung nur ein bestimmter Impfstoff infrage kommt, müssen dafür genügend Biontech-Dosen reserviert werden.“

„Das Leid der Kinder in der Pandemie beschäftigt mich sehr“, erklärte Spahn. Zu viele Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern hätten nicht stattgefunden, Impfungen gegen Kinderkrankheiten seien ausgefallen, dazu kämen psychische Belastungen. Er wolle in den kommenden Wochen mit Kinderärzten, Psychologen und Erziehungswissenschaftlern darüber sprechen, wie „wir diese Versäumnisse auffangen können“, sagte der Minister.

Für weitreichende Öffnungen im Sommer will Spahn die Corona-Inzidenz auf unter 20 drücken: „Für einen unbeschwerten Sommer müssen wir die Inzidenz weiter senken“, sagte er der Zeitung. „Im vergangenen Sommer lag sie unter 20. Das sollten wir wieder anstreben. Vorsicht und Umsicht gelten weiterhin.“

RND/epd

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