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Studie: Hälfte aller Covid-19-Patienten leidet unter neurologischen Symptomen

  • Laut eines Forscherteams aus den USA leiden Covid-19-Patienten häufig unter neurologischen Komplikationen wie Schwindel oder Krampfanfällen.
  • Das Virus kann auch eine direkte Infektion des Gehirns verursachen.
  • Die Langzeitfolgen sind bislang noch unbekannt.
Alice Mecke
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Hannover. Eine neue US-Studie zeigt, dass etwa die Hälfte aller Coronavirus-Patienten die sich im Krankenhaus befinden, an neurologischen Symptomen leidet. Dazu gehören Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten, Geruchs- und Geschmacksverlust, Krampfanfälle, Schlaganfälle und Schwäche. Die Ergebnisse wurden in den Annals of Neurology veröffentlicht.

Die Autoren der Studie verdeutlichen, dass Covid-19 mehr als eine Atemwegserkrankung ist. Vielmehr sei es eine “globale Bedrohung” für das gesamte Nervensystem, mitsamt Gehirn, Rückenmark und Nerven. Weitere neurologische Symptome, die bei Patienten auftraten, waren Kopfschmerzen, verminderte Aufmerksamkeit und Muskelschmerzen.

Neurologische Störungen entwickeln sich vor Fieber-Symptomen

“Für die breite Öffentlichkeit und die Ärzte ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein, da eine Sars-CoV-2- Infektion zunächst neurologische Symptome aufweisen kann, bevor Fieber, Husten oder Atemprobleme auftreten”, sagt der leitende Studienautor Igor Koralnik. Er ist Professor für Neurologie an der Feinberg School of Medicine der Northwestern University.

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Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © Alice Mecke/RND

Es gebe verschiedene Möglichkeiten, wie Covid-19 neurologische Funktionsstörungen verursachen könne, erklärt Koralnik. Da die Krankheit verschiedene Organe wie Lunge, Niere oder Herz betreffen könne, leide das Gehirn auch unter Sauerstoffmangel oder Gerinnungsstörungen. Dies könne wiederum zu den Schlaganfällen beitragen, die einige Covid-19-Patienten erlebt hätten. Laut Studie kann das Virus auch eine direkte Infektion des Gehirns und der Hirnhäute verursachen. Die Reaktion des Immunsystems darauf kann Entzündungen verursachen, die das Gehirn und die Nerven schädigen.

Patienten werden auch nach Aufenthalt untersucht

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Koralnik und sein Team haben ein “Neuro-Covid-Forschungsteam” gebildet und eine Analyse unter allen Covid-19 Patienten durchgeführt, die im Northwestern Medicine in Chigago eingeliefert worden waren. Damit sollte die Häufigkeit und Art der neurologischen Komplikationen bestimmt werden. Die Ärzte konnten auch untersuchen, wie die Patienten auf die Behandlungen ansprachen.

Noch ist unklar, ob und wie lange die neurologischen Folgen bestehen und bei wem sie überhaupt auftreten. Koralnik will daher einige Patienten, die Covid-19 überstanden haben, weiter untersuchen. Sie sollen in seiner neuen ambulanten Neuro-Covid-Klinik regelmäßig untersucht werden. Die Ergebnisse sollen die Grundlage für die Diagnose und Behandlung der vielen neurologischen Auswirkungen von Covid-19 bilden, sagte er.

Herz- und Lungenprobleme als Folge

Auch deutsche Mediziner berichten von häufig auftretenden Folgeerkrankungen. So leiden Covid-19-Patienten, die lange auf der Intensivstation lagen, unter einem massiven Muskelverlust, weil sie sich nicht bewegen konnten. “Bis zu einem Kilo Muskelmasse am Tag kann dabei wegschmelzen”, erklärt Rembert Koczulla, Chefarzt des Fachzentrums für Pneumologie an der Schön Klinik. Zudem scheint das Virus stark in das Gefäßsystem einzugreifen und die Gefäßwände zu verändern.

Die Folge sind Herzprobleme, Schlaganfälle oder auch neurologische Schäden wie etwa Kopfschmerzen. All diese Folgeerkrankungen treffen nach derzeitigen Erkenntnissen schwer erkrankte Patienten häufiger und schlimmer. Auch bei leichten Verläufen könne man teilweise ähnliche Beobachtungen machen, sagt Koczulla.

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Mediziner: “Luftnot geht mit Angst einher”

Allen voran ist natürlich die Lunge stark betroffen: In einigen Fällen - wenn Patienten zum Beispiel nicht mehr selbst atmen konnten - bleibt die Lunge auch hinterher durch die Entzündungen schwer geschädigt. Generell haben Koczulla und seine Kollegen festgestellt, dass einige der Covid-19-Patienten an Angststörungen leiden. “Luftnot geht häufig mit Angst einher”, sagt der Mediziner. Allerdings gebe es auch Hinweise darauf, dass die Schäden, die Sars-CoV-2 an den Gefäßen anrichtet, auch das Gehirn - und somit die Angstverarbeitung - betreffen könnten.

Neu konzipierte Reha

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Wie den Patienten mit ihren schweren Folgeerkrankungen geholfen werden kann, ist noch nicht klar zu definieren. “Wir beginnen gerade erst, die akute Phase von Covid-19 zu verstehen, über die Reha-Phase gibt es noch gar keine richtigen Daten”, erklärt Koczulla. Der Chefarzt und Lehrstuhlinhaber der einzigen pneumologischen Rehabilitationstselle in Deutschland an der Philipps Universität Marburg habe aus der "Not heraus selbst Konzepte erstellt.”

Die Schön Klinik ist eine der ersten, die mit der Reha-Behandlung von Covid-19-Patienten begonnen hat. Neben den körperlichen Untersuchungen, bei denen etwa die Funktionsfähigkeit der Lunge und des Herzens getestet werden, haben die Ärzte auch die Psyche ihrer Patienten im Blick: “Dabei wird ermittelt, ob die Patienten auch psychologische Bedürfnisse haben und einen Platz in einer Angst-Gruppe oder Einzeltherapie brauchen”, sagt Koczulla.

Alice Mecke/RND/asu

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