Studie: Corona-Infizierte leiden am häufigsten unter Geruchs- und Geschmacksverlust

  • Um die Ausbreitung des Coronavirus weiter eindämmen zu können, ist es wichtig, die Symptome der Krankheit genauestens zu kennen.
  • Eine Smartphone-App soll dieser Frage nachgehen: Nutzer können in Echtzeit Auskunft über ihren Zustand geben.
  • Erste Ergebnisse liegen nun vor, und die meistgenannten Symptome waren der Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn.
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Hannover. Unter welchen Symptomen leiden Corona-Infizierte? Eine wichtig Frage, um die Krankheit weiter erforschen zu können und mögliche Ansteckungen zu verhindern. Denn die Lage zu den Symptomen ist verzwickt: Einige merken gar nichts, andere Betroffene berichten von Grippe-ähnlichen Symptomen und vereinzelt kommen außerdem Symptome wie Taubheit und Schwindel hinzu, immer öfter wurden auch die Anzeichen von Geschmacks- und Geruchsverlust gemeldet.

Doch eine neue Studie mit über zwei Millionen Teilnehmern gibt Hoffnung, zumindest ein - beziehungsweise zwei - typische Corona-Symptome hervorzuheben: den Geschmacks- und Geruchsverlust. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal “Nature” veröffentlicht. In einem Selbsttest gaben 65 Prozent der Teilnehmer, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren, diese Symptome an. Bei der Studie sollte zudem ausgeschlossen werden, dass die Probanden möglicherweise durch Medien, die über den Verlust der Geschmacksnerven berichteten, beeinflusst wurden. Nur mit einem aussagekräftigem Ergebnis können Studien dafür sorgen, dass Symptome in den Symptome-Katalog der Weltgesundheitsorganisation WHO aufgenommen werden.

Selbsttest in den USA und Großbritannien

Der Selbsttest, eine Smartphone-basierte App mit dem Namen “COVID Symptom Study”, startete am 24. März 2020 in Großbritannien und am 29. März 2020 in den USA. Die App wurde von Zoe Global in Zusammenarbeit mit dem King’s College London und dem Massachusetts General Hospital entwickelt und ermöglicht die Erfassung von selbst gemeldeten Informationen zu COVID-19. Drei Wochen nach ihrer Einführung erreichte die kostenlose App bereits 2.618.862 Nutzer (2.450.569 britische und 168.293 US-amerikanische Nutzer).

Von den über zwei Millionen Teilnehmern gaben 7.178 an, positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden zu sein, 11.223 wurden negativ getestet. Personen ohne offensichtliche Symptome wurden ebenfalls aufgefordert, die App zu verwenden.

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Bei der ersten Verwendung zeichnete die App selbst gemeldete Standorte, Alter, Geschlecht und mögliche Gesundheitsrisikofaktoren auf. Ab dann berichteten die Testpersonen täglich und in Echtzeit über ihre Symptome, Krankenhausaufenthalte, COVID-19-Testergebnisse und darüber, ob sie sich selbst unter Quarantäne stellen oder medizinische Versorgung benötigen.

Häufigste Symptome: Geschmacks- und Geruchsverlust

Hinsichtlich des Geschmacks- und Geruchsverlusts, konnte mit “ja” oder “nein” geantwortet werden. Von den infizierten Befragten gaben 65 Prozent den Verlust des Geschmacks-und Geruchssinns (Anosmie) an - das damit am häufigsten gemeldete Symptom. Am zweit häufigsten wurde mit 56 Prozent - bei den positiv getesteten Teilnehmern - “anhaltender Husten” angegeben. Die Studie nennt die kombinierten Symptome aus Anosmie, Müdigkeit, anhaltendem Husten und Appetitlosigkeit als die häufigsten Symptome bei Covid-19.

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Medienberichte beeinflussten teils die Antworten

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Die Forscher untersuchten außerdem, ob die Antworten der Teilnehmer durch Medienberichte beeinflusst wurden. Dafür wurden drei Zeiträume gewählt in denen britische Medien verstärkt über Geruchs- und Geschmacksverlust als mögliches Symptom bei Covid-19 berichteten. Tatsächlich fanden die Forscher in diesen Zeiträumen einen Anstieg der Symptome. In den USA hingegen wurde im selbem Zeitraum keinerlei Anstieg festgestellt.

Trotz des verzerrten Bildes in Großbritannien bleiben die Wissenschaftler bei ihrer Annahme, “dass der Zusammenhang zwischen COVID-19 und dem Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn ungeachtet der durch Medienberichte hervorgerufenen Verzerrung weiterhin stark ist".

Vorhersagemodell berechnet den Teilnehmern mögliche Infektion

Mit den Ergebnissen der Umfrage haben die Forscher außerdem ein Vorhersagemodell erarbeitet, dass anhand der Symptome voraussagen soll, ob ein Teilnehmer infiziert ist. Dass Modell, das Symptome kombiniert, um eine wahrscheinliche Infektion vorherzusagen, wurde auf die Daten aller App-Benutzer angewendet, die von den häufigsten Symptomen in Kombination (Anosmie, Müdigkeit, anhaltender Husten und Appetitlosigkeit) berichteten, aber nicht getestet wurden. Von diesen 805.753 Menschen sagen die Forscher 140.312 Teilnehmern (17,42%) eine wahrscheinliche COVID-19-Infektion voraus.

Das Vorhersagemodell soll weiter erforscht und befüllt werden, um zur Erforschung des Virus und einhergehender Symptome beizutragen, heißt es in der Studie.

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Die Forscher hoffen darüberhinaus, dass die Symptome des Geschmacks- und Geruchsverlusts in den Katalog der WHO aufgenommen werden. So ist es möglich, dass Patienten geschützt werden, indem sie schneller getestet werden oder sich in Selbstquarantäne begeben können.

RND/Alice Mecke



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