• Startseite
  • Gesundheit
  • Corona-Folgen in allen Ländern: Wie ein Virus das weltweite Leben verändert

Corona-Folgen in allen Ländern: Wie ein Virus das weltweite Leben verändert

  • Rund um den Globus werden einschneidende Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung des Coronavirus aufzuhalten.
  • Einige Länder kehren bereits wieder schrittweise zum Alltag zurück.
  • In China ist die „Verbotene Stadt“ für Besucher offen, in Österreich stellt sich die Bahn wieder auf mehr Passagiere ein und in Spanien schließt ein Notlazarett.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Lockerungen von Kontaktbeschränkungen in der Corona-Krise sind keine Einbahnstraße. Das haben international schon mehrere Beispiele gezeigt, nun auch ein Fall in Kalifornien, wo am Strand regelrechte Corona-Partys gefeiert wurden. Und doch: Die Zeichen deuten auf ein Ende von Auflagen. In China ist die „Verbotene Stadt“ für Besucher offen, in Österreich stellt sich die Bahn wieder auf mehr Passagiere ein und in Spanien schließt ein Notlazarett.

USA: In Südkalifornien machen Strände wieder dicht

Zu Tausenden strömten Südkalifornier am vorigen Wochenende an die Strände - doch damit ist nun wieder Schluss. Der Gouverneur des Westküstenstaates, Gavin Newsom, kündigte die vorübergehende Schließung aller Strände im Bezirk Orange County, südlich von Los Angeles, an. Der Demokrat klagte über „verstörende Bilder" von Sonnenanbetern, die etwa in den Küstenorten Newport Beach und Huntington Beach dicht beieinander gesessen hätten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Der Gouverneur sah allerdings von einem Strandverbot in ganz Kalifornien als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus ab. In anderen Teilen des Westküstenstaates hätten sich die Bewohner an bestehende Auflagen gehalten, etwa mit Abstand voneinander Sport getrieben oder seien am Strand spazieren gegangen.

Coronavirus: Immer informiert
Abonnieren Sie Updates für das Thema "Coronavirus" und wir benachrichtigen Sie bei neuen Entwicklungen

Für die knapp 40 Millionen Einwohner Kaliforniens gelten seit Mitte März umfangreiche Ausgangsbeschränkungen. Die Menschen sind angewiesen, weitgehend zu Hause zu bleiben, Sport und Bewegung im Freien sind aber erlaubt. Regional riegelten einige Bezirke ihre Strände ab, etwa im Los Angeles County. Im benachbarten Orange County wurden in den vergangenen Tagen aber vielerorts wieder Strandbesucher zugelassen. In San Diego öffneten die Strände für Schwimmer, Surfer und Spaziergänger, aber Sonnenbaden und im Sand sitzen, ist dort nicht erlaubt. In vielen Regionen sind Parkplätze an Stränden gesperrt, um Besucherströmen entgegenzuwirken.

In Kalifornien sind nach Informationen vom Donnerstag mehr als 50.000 Infektionen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen, mehr als 2000 Menschen sind gestorben.

Anzeige
St. Pete Beach, Florida, USA: Seit Montag sind einige Strände in den stark vom Coronavirus betroffenen USA wieder geöffnet. © Quelle: imago images/ZUMA Wire

Japan: Behörden gehen gegen geöffnete Spielhallen vor

Japanische Behörden greifen im Kampf gegen die Corona-Pandemie mancherorts zu ungewöhnlichen Maßnahmen: Die Präfekturen von Aichi und Kyoto gaben schon am Donnerstag die Namen von Spielhallen bekannt, die einer Aufforderung zur Schließung nicht nachgekommen waren, wie japanische Medien berichteten. Sechs der sogenannten Pachinko-Hallen befänden sich in Aichi, eine in Kyoto.

Die Präfektur von Osaka hatte zuvor bereits die Namen mehrerer der beliebten Einrichtungen veröffentlicht. Diese seien mittlerweile jedoch alle geschlossen, zitierte der Sender NHK am Donnerstag den Gouverneur der Präfektur Osaka, Hirofumi Yoshimura.

Die auch für ihre grelle Beleuchtung und laute Hintergrundmusik bekannten Pachinko-Hallen sind in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt extrem populär. Metallkugeln werden in der Hoffnung in Automaten geschüttet, dass sie ein Trefferloch finden. Es gibt Sachpreise, die dank rechtlicher Schlupflöcher in Bares getauscht werden können. Dies wird offiziell nicht als Glücksspiel geführt.

China: Verbotene Stadt und Große Mauer wieder geöffnet

Mehr als drei Monate nach der Schließung wegen des Ausbruchs des neuen Coronavirus in China sind der Kaiserpalast in Peking und die Große Mauer wieder für Besucher geöffnet worden. Auch Parks und Museen öffneten am Freitag ihre Tore. Eintrittskarten mussten über das Internet bestellt werden. Die Zahl der Besucher wurde stark begrenzt. Der auch Verbotene Stadt genannte Kaiserpalast lässt nur 5000 Besucher täglich zu - früher waren 80.000 erlaubt. Städtische Parks erlauben nur 30 Prozent der üblichen Besucherzahlen.

An den Eingängen wurde Fieber gemessen. Besucher mussten ferner Mundschutz tragen und mit einem grünen Code auf einer in China jetzt weit verbreiteten Handy-App nachweisen, dass sie nicht krank sind oder Kontakt zu Infizierten mit dem Sars-CoV-2-Virus hatten. Auch mussten sie Abstand zueinander halten. Dennoch ist die Öffnung der Touristenattraktionen zum Maifeiertag ein weiteres Zeichen, dass China das Virus in den Griff bekommen hat.

Die Gesundheitskommission meldete am Freitag landesweit nur zwölf neue Ansteckungen, davon sechs bei heimkehrenden Chinesen. Seit mehr als zwei Wochen ist kein Todesfall mehr gemeldet worden. Offiziell sind seit Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 in China 4633 Tote sowie 83.000 Infektionen berichtet worden. Beobachter gehen aber davon aus, dass viele Fälle nicht in der Statistik mitgezählt worden sind. 599 Patienten werden derzeit noch in Krankenhäusern behandelt.

Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, während der fünftägigen Ferien zum Maifeiertag weiter vorsichtig zu sein und Vorkehrungen zu treffen. Es wird ein Drittel weniger Bahnreisen als im Vorjahr erwartet.

China, Badaling: Touristen, von denen einige Mundschutz tragen, besuchen die Chinesische Mauer. © Quelle: Andy Wong/AP/dpa

Österreich: Bahn erwartet mehr Fahrgäste

Die schrittweise Rückkehr zur Normalität in der Corona-Krise dürfte auch den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wieder ein höheres Fahrgastaufkommen bescheren. ÖBB-Vorstandschef Andreas Matthä kündigte eine Verdichtung des Bahnverkehrs an. Am 11. Mai werde man den Betrieb auf das ursprüngliche, volle Niveau ausdehnen. Bei der Einhaltung der Schutzmaßnahmen setzen die ÖBB auch auf die Eigenverantwortung der Fahrgäste. „Wir freuen uns, wenn die Züge wieder voller werden”, sagte Matthä.

Aktuell liegen die Fahrgastzahlen um 80 bis 90 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Noch mehr als der Nahverkehr war der Fernverkehr in Österreich von einem Rückgang der Fahrgäste betroffen. „Da wird es noch länger dauern. Wir hoffen aber, dass wir mit Einsetzen der Sommerferien und jedenfalls ab September wieder auf ein vernünftiges Niveau kommen”, so der ÖBB-Chef.

Frankreich: Corona-„Wetterkarte" sorgt für Verwirrung

Es hörte sich alles ganz einfach an: Im Stil einer Wetterkarte soll jeden Abend in Frankreich gezeigt werden, welche Départements besonders von der Covid-19-Pandemie betroffen sind und welche weniger. Die bunte Corona-Karte in den Farben grün, orange und rot gibt es nun in provisorischer Form - und erwartungsgemäß gehören die Hauptstadt Paris und der gesamte Nordosten des Landes zu einer großen roten Zone.

Aber der Teufel liegt im Detail: Premierminister Édouard Philippe hatte bei der Vorlage seines großen Plans zur Lockerung der Ausgangsbeschränkungen davon gesprochen, dass die Karte mit den Verwaltungsbezirken zwei Kategorien haben soll – grün für weniger betroffen und rot für stärker betroffen. Kein Problem, sagen die Experten, die Farbe orange sei nur provisorisch und werde vor dem Stichtag 11. Mai verschwinden. Zu diesem Termin sollen beispielsweise Geschäfte wieder öffnen können.

Ein Fahrgast steht auf einem mit Bodenmarkierungen beklebten Areal am Pariser Bahnhof «Gare du Nord». Die Markierungen zeigen den Fahrgästen die Abstandsbegrenzungen an. © Quelle: Christophe Ena/AP/dpa

Die Epidemie-Landkarte à la française dient nicht nur der Information, sondern hat auch konkrete Auswirkungen bei der Lockerung. Premier Philippe hatte angekündigt, dass in „grünen" Départements beispielsweise Parks rascher wieder öffnen könnten als anderswo. Auf dem Weg zur Normalisierung des Lebens dürfte die Karte mit den mehr als 100 Bezirken weiter für Wirbel sorgen - die eher ländlich geprägten Départements Cher in der Landesmitte und Lot im Südwesten seien zu Unrecht in die rote Kategorie gerutscht, bemängeln Kritiker bereits.

Spanien: Madrid schließt riesiges Corona-Feldkrankenhaus

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat das von der Krise schwer betroffene Spanien einen wichtigen symbolischen Erfolg errungen: Das im Madrider Messezentrum Ifema errichtete riesige Feldkrankenhaus wurde am Freitag wegen der schnell sinkenden Zahl der Covid-19-Kranken eineinhalb Monate nach der Öffnung wieder geschlossen. Nach Angaben der Behörden wurden im Ifema, wo im vergangenen Dezember der UN-Klimagipfel getagt hatte, mehr als 4000 Patienten behandelt. Lediglich 17 Kranke konnten im Ifema nicht gerettet werden.

Das provisorische Krankenhaus auf der Messe in Madrid ist mittlerweile geschlossen. © Quelle: Manu Fernandez/AP/dpa

Die meisten Kranken hätten das „Wunder-Krankenhaus gesund verlassen", darunter eine 103 Jahre alte Frau, sagte die Regierungschefin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, bei der Schließungszeremonie. Man sei zuversichtlich, dass man selbst bei einem Wiederaufflammen der Pandemie im Herbst nie wieder ein Krankenhaus im Ifema werde errichten müssen. Das Gesundheitssystem Madrids werde bereits „reformiert und modernisiert”, betonte sie.

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen