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  • Corona: Folgen für Krebspatienten – was hat die Corona-Impfung damit zu tun?

„Es herrscht große Verzweiflung“: Diese Folgen hat die Corona-Pandemie auf die Versorgung von Krebspatienten in Deutschland

  • Immer mehr Covid-19-Erkrankte müssen in Kliniken behandelt werden.
  • Mittlerweile ist deswegen auch die medizinische Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten eingeschränkt.
  • Für Betroffene hat das mitunter verheerende Folgen.
Inga Schönfeldt
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Erst 67 Prozent der Deutschen sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Für die ungeimpften Bürgerinnen und Bürger besteht immer noch die Gefahr, schwer an dem Virus zu erkranken. Sie gefährden jedoch nicht nur sich selbst, sondern bringen indirekt auch andere Menschen in eine schwierige Situation.

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Was hat die Corona-Impfung mit Krebs zu tun?

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Zu ihnen gehören zum Beispiel Krebspatientinnen und -patienten. Der Patientenbeirat Krebsforschung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) weist in einem offenen Brief auf die dramatischen Folgen der niedrigen Impfquote für die Betroffenen hin.

Denn Menschen, die sich in einer Krebstherapie befinden oder sie vor Kurzem abgeschlossen haben, können sich zwar gegen das Coronavirus impfen lassen, haben aber danach für längere Zeit noch ein schwaches Immunsystem. Die Impfung wirkt daher bei ihnen nicht so gut, wie bei gesunden Menschen. „Sie haben ein erhöhtes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken und keine Möglichkeit, sich selbst zu schützen“, schreibt der Beirat. Helfen würde ihnen daher nur eine viel höhere Impfquote im Land.

Trotz Impfung keine Corona-Antikörper

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Ihr Vorsitzender, Rudolf Hauke, ist selbst an Krebs im Lymphsystem erkrankt. Bis April dieses Jahres war der 66-Jährige in Behandlung. Er selbst ist schon zweimal gegen das Coronavirus geimpft – doch vollständig geschützt ist er nicht. „Die Chemotherapie hat Zellen zerstört. Es sind keine Antikörper nach der Corona-Impfung nachweisbar“, erzählt er. „Ich hoffe, dass mein Immunsystem in einigen Monaten wieder besser funktioniert, aber genau weiß das niemand.“

Auch Menschen, die dauerhaft das Immunsystem unterdrückende Medikamente nehmen müssen, wie zum Beispiel Organtransplantierte, betrifft dies.

Angesicht der derzeitigen Corona-Fallzahlen in Deutschland hat Hauke deshalb bereits Konsequenzen gezogen. „Ich ziehe mich zurück und schränke meine Kontakte ein.“

Rudolf Hauke, Vorsitzender des Patientenbeirats in der Krebsforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), appelliert an die Deutschen, sich schnell impfen zu lassen. © Quelle: privat

Krebspatienten fühlen sich vergessen

Dem Beirat geht es darum, das Thema Krebssorge in der Bevölkerung in Erinnerung zu rufen. „Teilweise herrscht eine große Verzweiflung, weil die Patienten das Gefühl haben, dass sie in den Diskussionen vergessen werden“, sagt Hauke.

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Denn die Patientinnen und Patienten haben nicht nur ein schwaches Immunsystem – auch die medizinische Behandlung ist in einigen Regionen bereits jetzt eingeschränkt. „Es gibt einzelne Kliniken, in denen Operationen verschoben werden, um Kapazitäten für Covid-Patienten freizumachen.“ Das betrifft auch Tumoroperationen. „Die Patienten haben Angst, dass die Tumore weiterwachsen. Viele wissen nicht, wann die Operation nachgeholt werden kann“, sagt Hauke.

Im vergangenen Jahr mussten allein zwischen März und Juni mehr als 50.000 Krebsoperationen pandemiebedingt verschoben werden. Danach entspannte sich die Lage wieder. Aktuelle Zahlen für diesen Herbst liegen noch nicht vor.

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Patienten vermeiden Arztbesuche

Neben der stationären habe sich auch die ambulante Krebsversorgung verschlechtert. „Ich kenne Patienten, die aus Sorge sich anzustecken, die Ambulanzen zur Behandlung nicht aufsuchen“, berichtet Hauke. „Viele Tageskliniken, die Chemotherapien durchführen, müssen auch Termine verschieben, weil die Teams vermehrt in anderen Bereichen aushelfen müssen.“ Der Beirat appelliert deshalb nun mit Nachdruck an alle Menschen, sich impfen zu lassen.

Eine Befragung des DKFZ habe gezeigt, dass sich zudem die Vorsorge während der Pandemie deutlich verschlechtert hat. „Menschen, die Symptome haben, gehen nicht zum Arzt, um sie abklären zu lassen. Aber bei Krebs ist es wichtig, dass er frühzeitig erkannt wird. Das bereitet uns Sorgen.“

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Das Wissenschaftliche Institut der AOK gab kürzlich bekannt, dass 2020 deutlich weniger Menschen für eine Vorsorge­untersuchung eine Arztpraxis aufgesucht haben. Besonders stark waren die Rückgänge bei der Früherkennung von Hautkrebs (minus 19,8 Prozent gegenüber 2019). Auch beim Mammo­grafie­scree­ning sowie bei der Pros­tata­krebs­früh­er­ken­nung wurden 2020 deutliche Rückgänge von jeweils 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet.

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„Wohlergehen kann Schaden nehmen“

Krebspatientinnen und -patienten sind aber nicht die einzigen Erkrankten, deren Behandlung sich verzögert. Von den verschobenen OP-Terminen sind auch Menschen betroffen, die einen Eingriff am Herzen, den Gefäßen oder am Gehirn benötigen. Das berichtet etwa Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin an der Uniklinik Köln. „Das kann dazu führen, dass das Wohlergehen der Patienten Schaden nimmt“, sagte er am Mittwoch bei einem Expertenbriefing des Science Media Centers Germany zur Lage auf den deutschen Intensivstationen.

Schlaganfall: Rettungswagen müssen stundenlang umherfahren

Auch bei der Versorgung von Notfällen sind die Folgen der Überlastung der Krankenhäuser spürbar. Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Insituts, mahnte am Mittwoch in einer Videokonferenz mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, dass auch die normale Notfallversorgung schon eingeschränkt ist. Das Rettungswagenpersonal müsste teilweise ein bis zwei Stunden nach einer Klinik suchen, die einen Schlaganfallpatienten aufnehmen kann. Dabei kommt es gerade bei diesen Betroffenen auf eine schnelle Behandlung an, damit keine Langzeitschäden bleiben.

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