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  • Corona-Folgen: Diese Long-Covid-Symptome haben Patienten aus Wuhan noch sechs Monate nach der Infektion

Long Covid: Patienten aus Wuhan liefern neue Erkenntnisse

  • Einige der ersten Covid-19-Patienten in Wuhan wurden auf Langzeitfolgen durch das Coronavirus untersucht.
  • 76 Prozent von ihnen litten ein halbes Jahr nach der Akutinfektion noch unter mindestens einem Symptom.
  • Das geht aus einer neuen Studie chinesischer Wissenschaftler hervor.
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Im Verlauf der Coronavirus-Pandemie zeigen sich inzwischen die möglichen Spätfolgen nach einer Infektion immer klarer. Unter dem Begriff Long Covid lässt sich eine Reihe von Symptomen und Krankheitsbildern zusammenfassen, von denen viele Menschen noch Monate nach einer Akutinfektion berichten. Neben Berichten von Patienten und Ärzten gibt es inzwischen auch erste Studiendaten aus der ganzen Welt. Chinesische Forscher haben nun erstmals nach einem sechsmonatigen und damit recht langen Untersuchungszeitraum Ergebnisse zu lang anhaltenden Beschwerden bei einigen der ersten Covid-19-Patienten aus Wuhan vorgelegt. Dort breitete sich Sars-CoV-2 im Dezember 2019 erstmals nach einem größeren Ausbruch aus.

Die Anfang Januar in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Ergebnisse der Beobachtungen zeigen: Auch ein halbes Jahr nach der akuten Infektion berichteten rund drei Viertel der Studienteilnehmer von noch mindestens einem Symptom. Dazu zählen hauptsächlich Müdigkeit, Muskelschwäche, Angstzustände, Schlafstörungen und Depressionen. Schwerer erkrankte Klinikpatienten, die auf eine Sauerstoffgabe angewiesen waren, zeigten zudem noch eine stärkere Beeinträchtigung der Lungenfunktion. Das zeigten auch Bilder vom Organ, die auf Schäden hindeuten.

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Covid-19: Müdigkeit und Muskelschwäche noch Monate später

Für ihre Ergebnisse haben die Forscher 1733 Patienten aus Wuhan von Anfang Januar bis Ende Mai 2020 beobachtet, Folgeuntersuchungen gab es zwischen Juni und September. Alle Studienteilnehmer wurden im Krankenhaus behandelt, sie waren im Schnitt 57 Jahre alt, 52 Prozent von ihnen war männlich, der Rest weiblich. 76 Prozent der Patienten wiesen nach sechs Monaten mindestens ein Symptom auf. Unter Müdigkeit oder Muskelschwäche litten 63 Prozent der Studienteilnehmer, Angststörungen und Depressionen hatten 23 Prozent der Untersuchten.

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Die Forscher untersuchten zudem auch das Blut einiger Genesener und fanden Hinweise auf die Entwicklung der Antikörper gegen Sars-CoV-2. Das Ergebnis: Bei 94 Teilnehmenden fiel die Konzentration der Antikörper und damit die Immunantwort nach einem halben Jahr um rund die Hälfte (52,5 Prozent) geringer aus. Auch andere Studien hätten den Rückgang neutralisierender Antikörper bereits beobachtet, resümieren die Forscher. Das gebe Anlass zur Sorge über eine erneute Sars-CoV-2-Infektion. Die Forscher empfehlen, das Risiko einer erneuten Infektion bei Patienten mit lang anhaltenden Covid-19-Symptomen zu überwachen.

Bislang gibt es noch keine eindeutigen Erkenntnisse dazu, wie die Immunantwort auf das Virus im Körper abläuft. Mehrere Studien haben bereits darauf aufmerksam gemacht, dass weniger Antikörper nicht unbedingt bedeuten müssen, dass Genesene nicht mehr gegen eine erneute Sars-CoV-2-Infektion geschützt sind. Auch andere Bestandteile der Immunantwort auf das Virus könnten für den Aufbau eines Schutzes vor erneuter Infektion relevant sein, etwa sogenannte T-Zellen. Es brauche aber weitere und länger laufende Studien mit mehr Studienteilnehmern, um das gesamte Spektrum der gesundheitlichen Folgen von Covid-19 zu verstehen, betonen die Autoren.

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Langzeitfolgen bei Schwerkranken - aber auch nach milden Verläufen möglich

Mannigfaltige und lange nach abgeklungener Infektion auftretende Symptome bei Patienten beobachten Mediziner auch in Deutschland. So berichtete der Infektiologe Clemens Wendtner von der München-Klinik Schwabing dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, dass im Schnitt rund die Hälfte der Covid-19-Patienten, die in seinem Krankenhaus behandelt werden, noch rund acht Wochen nach einer Entlassung eine eingeschränkte Lungenfunktion, schwere Nierenschädigungen oder neurologische Defizite aufweisen.

Bei Covid-19 können Wochen beziehungsweise Monate nach der akuten Erkrankung noch Symptome vorhanden sein oder neu auftreten, vermerkt inzwischen auch das Robert-Koch-Institut in seinem epidemiologischen Steckbrief zu Sars-CoV-2 und Covid-19. Es ließen sich beispielsweise organspezifische Langzeitfolgen nach Intensivbehandlungen beobachten. „Darüber hinaus kommen, auch bei milderen Verläufen, längerfristige Müdigkeitserscheinungen, Merkstörungen, Gedächtnisprobleme oder Wortfindungsstörungen vor“, heißt es in den Erläuterungen.

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In der Forschungsliteratur werde teils auch von ungewöhnlichen Symptomen wie plötzlichem Erbrechen und starkem Schwindel berichtet. Aber: Über den klinischen Verlauf von Covid-19 nach sehr milden Krankheitsverläufen oder asymptomatischen Infektionen ist bislang nur wenig bekannt. „Verlässliche, repräsentative Daten zum Anteil der Erkrankten mit Langzeitfolgen liegen derzeitig nicht vor“, resümiert das RKI.

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