Ende der Maskenpflicht an Schulen: Ist das zu riskant im Corona-Herbst?

  • Mehrere Bundesländer wollen ab Oktober die Maskenpflicht an Schulen abschaffen.
  • Fachleute rechnen allerdings mit einer starken Welle im Herbst und Winter.
  • Müssen Schülerinnen und Schüler wieder bei offenem Fenster bibbern?
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Mehrere Bundesländer wollen die Maskenpflicht an Schulen lockern. Und das, obwohl Corona-Expertinnen und -Experten damit rechnen, dass sich das Infektionsgeschehen im Herbst und Winter beschleunigen könnte – insbesondere unter Ungeimpften. Wie eine Balance finden zwischen dem Infektionsschutz in der Schule auf der einen Seite und möglichst normalem Unterricht auf der anderen? Was die Politik abwägt, weicht von den medizinisch-wissenschaftlichen Empfehlungen ab. Ein Überblick.

Maskenpflicht: Was planen die Bundesländer an Schulen?

In Bayern soll die Verpflichtung zum Tragen einer Maske im Unterricht ab nächster Woche wegfallen. Auch in Baden-Württemberg wird ein solcher Schritt erwogen. Im Saarland muss ab diesem Freitag in Schulen generell keine Maske mehr getragen werden. In Berliner Schulen wird ab Montag die Maskenpflicht bis zur einschließlich sechsten Klasse aufgehoben. In Brandenburg ist das bereits der Fall. Nordrhein-Westfalen will in der nächsten Woche entscheiden, wie es mit dem Thema nach den Herbstferien weitergeht.

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Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht begrüßte die Lockerungen bei der Maskenpflicht an den Schulen. „Das freut mich für die Schülerinnen und Schüler sehr“, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. „Kinder haben es mehr als verdient, dass sie – überall wo es möglich und verantwortbar ist – jetzt weitere Schritte in die Normalität gehen können.“ SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach pochte hingegen darauf, dass es beim Wegfall der Maske andere Instrumente zur Kontrolle der Infektionen geben müsste. „Meines Erachtens muss dreimal pro Woche in der Klasse getestet werden, will man auf Maske verzichten“, tweetete er am Donnerstag.

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Braucht es die Maske für sicheren Schulunterricht?

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Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC hat die eigene Empfehlung an Schulen aktualisiert – unter Berücksichtigung der Impfungen. Seit August empfiehlt sie allen Kindern ab dem zweiten Lebensjahr, Mitarbeitenden, Lehrpersonal und Besucherinnen und Besuchern von Schulgebäuden, die Maske zu tragen – unabhängig vom Impfstatus. Dabei verweist die Behörde auf drei Studien, die den Nutzen von mehreren Präventionsstrategien inklusive Masketragen hervorheben. Die vergleichenden Untersuchungen ergaben, dass in Schulbezirken, wo das Masketragen nicht vorgegeben war, die Wahrscheinlichkeit von Covid-19-Ausbrüchen höher war. Die Fälle in Landkreisen ohne Maskenpflicht stiegen im selben Zeitraum fast doppelt so schnell – ein Argument für die US-Behörde, das Masketragen beizubehalten.

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Nach den Sommerferien ist in allen Bundesländern wieder Schule. Wird es das dritte Corona-Schuljahr in Folge?  © dpa

Ein Fahrplan für möglichst sicheren Schulbetrieb in der Pandemie in Deutschland ist die sogenannte S3-Leitlinie mit „Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der Sars-CoV-2-Übertragung an Schulen“. Diese wird fortlaufend aktualisiert, eine Anpassung an Teststrategien und Impfdynamik steht allerdings noch aus. Daran sind rund 40 Fachgesellschaften beteiligt – etwa die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), die Deutsche Gesellschaft für Public Health (DGPH) und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Gemeinsam bewerten sie die Studienlage und sprechen evidenzbasierte Empfehlungen aus.

„Ab hohem Infektionsgeschehen soll ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz zum Einsatz kommen“, heißt es auch darin. Das solle dann für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal gelten. Pausen vom Maskentragen sollte es demnach nicht im Klassenraum geben. Dafür aber im Freien, also außerhalb des Schulgebäudes. Sportunterricht soll in kleinen und konstanten Gruppen durchgeführt werden – ohne Maske, aber mit Abstands- und Lüftungsregeln. Der Nutzen vom Masketragen überwiege, resümieren auch die Expertinnen und Experten in der deutschen Leitlinie – in Kombination mit weiteren Maßnahmen wie Wechselunterricht und Kohortenbildung werde das Infektionsrisiko in Schulen verringert.

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Auch das Umweltbundesamt betont in einer Einschätzung zu Maßnahmen zum Infektionsschutz, dass Masken (FFP2 und medizinisch) maßgeblich zur Vermeidung direkter Infektionen im Nahfeld, also unter anderthalb Metern, zur Abschwächung virushaltiger Partikel in der Raumluft beitragen. Die Behörde verweist auf Untersuchungen der Universität Bonn, der zufolge eine Reduzierung infektiöser Aerosolpartikel im Raum um mehr als 99 Prozent nachgewiesen wurde.

Wie sieht es eigentlich mit Luftreinigern aus?

Der Einbau stationärer raumlufttechnischer RLT-Anlagen kann nach Einschätzung des Umweltbundesamts nur als Ergänzung vor indirekten Infektionen über die Raumluft helfen, neben der Einhaltung der Hygieneregeln, dem Masketragen und regelmäßigem Lüften über die Fenster. Allerdings hätten erst rund 10 Prozent der Schulen solche fest installierten Lüftungsanlagen, hieß es in einem Bericht von Anfang Juli.

Der Bund hat inzwischen zwar Fördergelder für den Ausbau in Schulen und Kitas bereitgestellt. Diese fließen einer Stellungnahme der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft von Ende September zufolge nur langsam ab. Mit einem flächendeckenden Einsatz in allen Schulen ist in diesem Corona-Herbst also nicht mehr zu rechnen.

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Kommt überhaupt eine Herbst- und Winterwelle?

Auch wenn die Infektionsdynamik im September nicht so dramatisch ausfällt, wie einige Szenarien beschrieben haben: Expertinnen und Experten aus Virologie und Epidemiologie rechnen damit, dass die Infektionszahlen im Oktober wieder steigen. Es sei bereits zu sehen, dass in ostdeutschen Bundesländern die Inzidenz offenbar unabhängig vom Ferienende wieder Fahrt aufnehme, sagte am Dienstag etwa der Virologe Christian Drosten bei NDR Info. „Ich denke, da deutet sich jetzt die Herbst- und Winterwelle an, die wir im Oktober wohl wieder sehen werden.“

Auch der Virologe Hendrik Streeck rechnet im Herbst und Winter mit einem deutlichen Anstieg der Fallzahlen. Man müsse „in dieser Übergangsphase von Pandemie in Endemie auch mit Übergangsmethoden arbeiten und da quick und agil versuchen, Maßnahmen anzuziehen oder auch zurückzunehmen“, empfahl er im Gespräch mit N-TV.

Dass die Fachwelt mit einem Anstieg der Fallzahlen rechnet, liegt zum einen an der Erfahrung in dieser Pandemie. Es hat sich gezeigt, dass der Höhepunkt der Infektionswellen eher in den kalten Jahreszeiten stattfindet. Zum anderen ist aber auch ein wichtiger Faktor, dass es deutschlandweit in allen Altersgruppen noch große Impflücken gibt. Auch bei den Jüngeren: Rund 66 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen haben keinen vollständigen Impfschutz (Stand: 30. September).

Auch wenn Bundesfamilienministerin Lambrecht von einer „großen Erleichterung“ bei der Aufhebung der Maskenpflicht gerade für die jüngeren Kinder spricht, mahnte sie an, weiter vorsichtig zu bleiben, regelmäßig zu testen und zu impfen. „Die Impfung der über Zwölfjährigen und aller Erwachsenen im Umfeld von Kindern bleibt der wichtigste Schutz für die Jüngsten, die sich noch nicht impfen lassen können“, betonte die Politikerin.

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