Entgegen ersten Annahmen: Corona-Dunkelziffer bei Schülern ist niedrig

  • Entgegen ersten Annahmen gibt es keine hohe Dunkelziffer an Infektionen bei Kindern und Jugendlichen.
  • Die Ansteckungsgefahr in Schulen dürfte daher geringer sein als bislang angenommen, sagen Kinder- und Jugendärzte.
  • Hygienemaßnahmen in Schulen sollten trotzdem weiterhin eingehalten werden.
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Hannover. Kinder erkranken nur selten an Covid-19, und sie entwickeln meist keine Symptome. Diskutiert wird deshalb seit Langem, ob viele Infektionen bei Kindern und Jugendlichen übersehen werden und diese den Erreger in sich tragen, ohne dass das erkannt wird. Das Virus könnte sich dann in Schulen unbemerkt ausbreiten und so Lehrern oder dem Umfeld der Kinder gefährlich werden. Eine aktuelle Untersuchung konnte jetzt zeigen, dass diese Sorge unbegründet ist, unterstützt worden war diese vom Verband Leitender Kinder- und Jugendärzte und Kinderchirurgen (VLKKD).

Für die Datenanalyse wurden über 110.000 PCR-Tests von Kindern zwischen null und 18 Jahren ausgewertet worden, die in den letzten sechs Monaten überwiegend routinemäßig in Kinder- und Jugendkliniken durchgeführt worden waren. Ein Großteil der Kinder hatte wegen anderer Erkrankungen die Kliniken aufgesucht. Bei ihnen hatte es keinen Anfangsverdacht gegeben, es handelte sich also um eine Zufallsstichprobe. Im Ergebnis zeigte sich, dass nur 0,53 Prozent der Untersuchten positiv getestet wurden.

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Zahl passt zu RKI-Daten

Die Zahl passe in etwa zu den offiziell bestätigten Fällen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) für unter 18-Jährige erfasst, sagt Matthias Keller, Leiter einer Kinderklinik in Passau und Mitinitiator der Untersuchung. „Daher zeigen unsere Daten, dass nicht von einer hohen Dunkelziffer bei Kindern und Jugendlichen auszugehen ist.“

Keller und die anderen an der Untersuchung beteiligten Ärzte gehen daher auch nicht davon aus, das sich das Virus in Schulen bei Anwendung der Hygienemaßnahmen in besonderer Weise ausbreitet. Zuletzt hatten Lehrerverbände protestiert, weil sie sich durch die aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung nicht ausreichend geschützt fühlen.

Ältere Schüler häufiger positiv

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Bei den Infektionsraten bei Schülern gilt es dabei zu differenzieren: Während Kinder bis zu zehn Jahren sich seltener infizieren, werden Jugendliche ähnlich häufig positiv getestet wie junge Erwachsene. Allerdings haben sie oft keine Symptome. Und auch von symptomlos Infizierten geht insgesamt eine geringere Ansteckungsgefahr aus. Sicher beziffern lässt sich das genaue Ansteckungsrisiko, das von Jugendlichen ausgeht, zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht: „Um besser festzustellen, wie infektiös ältere Schüler sind, müssten die Ct-Werte erhoben werden“, sagt Keller (der Ct-Wert gibt Aufschluss darüber, wie hoch die Viruslast bei positivem Testergebnis ist). „Diese Daten haben wir aber bisher nicht, sie werden nicht übermittelt.“

Da eine Übertragung des Virus grundsätzlich möglich sei, sollten an Schulen aber natürlich Hygienekonzepte eingehalten werden, sagt Keller. Er sieht nur keinen Anlass dafür, Schulen voreilig zu schließen. Das könne sogar kontraproduktiv sein, weil sich Kontakte dann in die Freizeit verlagerten, wo die Ansteckungsgefahr höher sein könne: „Jugendliche brauchen soziale Kontakte. Dann sollten diese doch besser in einem strukturierten Rahmen stattfinden, also in der Schule, wo die Corona-Regeln eingehalten werden können.“ Da, wo in engeren Klassenräumen nicht genug Abstand möglich sei, könnten bei älteren Schülern Masken helfen und natürlich Stoßlüften.

FFP2-Masken für Lehrer

Welche Corona-Maßnahmen im Schulalltag noch sinnvoll sind, hänge natürlich auch davon ab, wen man damit schützen wolle, sagt Keller: „Lehrern, die Angst haben, sich anzustecken, kann ich nur sagen: Man ist mit einer FFP2-Maske sehr gut geschützt. Damit arbeiten wir auch in der Klinik.“ Gehe es darum, das Infektionsgeschehen in der Bevölkerung insgesamt einzugrenzen, könne bei älteren Schülern ab etwa zwölf Jahren Wechselunterricht durchaus sinnvoll sein. Dabei wird nur jeweils die Hälfte der Klasse in der Schule unterrichtet und die andere zu Hause.

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Schulen haben jetzt schon die Möglichkeit, Wechselunterricht einzuführen, wenn es in einer Region wöchentlich mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gibt. Entscheiden soll darüber die jeweilige Schulleitung. Keller fände es allerdings sinnvoller, den Gesundheitsämtern solche Entscheidungen zu überlassen. „Diese haben den besten Überblick. Wenn das Gesundheitsamt zum Beispiel sieht, dass Neuinfektionen vor allem in einem Altenheim aufgetreten sind, müssen nicht sofort strengere Maßnahmen für Schulen beschlossen werden.”

Für Schüler besteht kaum Gefahr

Für die Schüler selbst ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus kaum gefährlich. Sie erkranken nur äußerst selten schwer. So wurden in Deutschland bisher über 15.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 registriert, laut RKI aber nur drei Todesfälle bei unter 20-Jährigen bestätigt. Drei weitere Fälle werden noch überprüft (Stand 24.11.).

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