„Zwei von drei Ungeimpften fühlen sich durch Politik und Gesellschaft unter Druck gesetzt“

  • Ungeimpfte fühlen sich bestärkt darin, die Impfung gegen Covid-19 abzulehnen, wenn der Druck aus Gesellschaft und Politik zunimmt.
  • Das zeigt eine aktuelle Analyse des „European Covid Survey“ (ECOS).
  • Braucht Deutschland einen Strategiewechsel?
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Wer zurzeit noch nicht geimpft ist, zeigt sich offensichtlich unbeeindruckt von aktuellen Maßnahmen wie 2G oder kostenpflichtigen Tests – und zieht die Impfung erst Recht nicht mehr in Betracht. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie des Projekts „European Covid Survey“ (ECOS). Darin befragen Forschende des Hamburger Center for Health Economics mit drei weiteren europäischen Universitäten seit April vergangenen Jahres regelmäßig 7000 Menschen zu ihrer Einstellung zum Impfen gegen Covid-19.

Gegenwärtig sind laut Daten des Robert Koch-Instituts rund 35 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland nicht geimpft (Stand: 5. Oktober). Von den befragten Ungeimpften in der Studie gaben in der letzten Befragungswelle im September vier Prozent an, durch die 2G-Regel und kostenpflichtige Tests eine Impfung zu erwägen. Bei den meisten führten die Maßnahmen aber vielmehr zu einer Gegenreaktion: 30 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, dass eine Impfung dadurch noch unwahrscheinlicher würde.

Druck auf Ungeimpfte: Eine Strategie ohne Erfolg?

Das deckt sich mit Beobachtungen weiterer Kommunikationsexpertinnen und Experten. „Unsichere Menschen wollen mit Argumenten und Informationen überzeugt werden, und nicht überredet. Sonst springen innere Widerstände an“, sagte etwa die Psychologin und Verhaltensökonomin Katrin Schmelz, die an der Universität Konstanz zur Impfmotivation forscht, dem RND. Sie empfiehlt, noch verstärkt auf bessere Aufklärungs- und Informationsangebote zu setzen. Dass durch Aufklärung noch Menschen erreicht werden können, zeigt auch die ECOS-Befragung. Zwölf Prozent aller befragter Ungeimpfter in der Studie gab an, grundsätzlich impfbereit zu sein, weitere 22 Prozent sind unsicher.

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„Neben der größten Sorge, dass die Impfung gegen Covid-19 möglicherweise nicht sicher genug ist, fühlen sich zwei von drei Ungeimpften durch Politik und Gesellschaft unter Druck gesetzt“, wird Prof. Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor des HCHE, in einer Mitteilung zur Studie zitiert. Zu hoher Erwartungsdruck sei einer der Hauptgründe für Menschen, sich nicht impfen zu lassen.

„Waren zunächst mehr Menschen mit geringer Bildung eher nicht überzeugt davon, sich impfen zu lassen, hat sich das inzwischen angeglichen. Auch sehen wir kaum mehr Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Geblieben ist, dass Menschen, die sich viel über die Pandemie informieren und den Informationen aus der Regierung und den Ministerien vertrauen, impfbereiter sind“, sagt Schreyögg.

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Kinder in der Pandemie: Sorge nicht nur in Deutschland

Leichte Zuwächse ließen sich in der September-Erhebung bei der Impfbereitschaft von Eltern feststellen. Nach 53 Prozent im Juni würden jetzt 60 Prozent der Eltern hierzulande ihre Kinder gegen Covid-19 impfen lassen. Waren im Juni noch 23 Prozent unsicher, sind dies aktuell nur noch 13 Prozent. „Überraschend ist, dass der Anstieg bei der Impfbereitschaft nach der Stiko-Empfehlung Mitte August so moderat ausgefallen ist“, erklärt Schreyögg.

Ob nun ungeimpft oder geimpft: 81 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, sich einige oder große Sorgen um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Schülerinnen und Schüler zu machen. Ähnliche Werte werden laut Erhebung auch in anderen europäischen Ländern erreicht. In Portugal, Spanien und Italien sind die Sorgen mit um die 90 Prozent am größten.

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