Corona: Die Lage weltweit

  • Das Coronavirus breitet sich weltweit aus.
  • Kaum eine Region ist noch nicht von der Pandemie betroffen.
  • Die Länder ergreifen zunehmend Maßnahmen zur Eindämmung.
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In immer mehr Regionen werden strengere Maßnahmen gegen das Coronavirus ergriffen. Vielerorts findet kaum noch öffentliches Leben statt, die Gesundheitssysteme sind in einigen Ländern stark überlastet. Die Lage weltweit.

Amerika

In den USA hat die Zahl der durch das Coronavirus ums Leben gekommenen Menschen am Mittwoch die Marke von 1000 überschritten. Das geht aus Daten der Universität Johns Hopkins hervor. Demnach starben mittlerweile sogar mehr als 1030 Menschen an Covid-19. Mehr als 68.500 Infizierte wurden bestätigt. New York ist die US-Stadt mit den meisten Opfern – hier wurden allein 280 Tote gezählt. Für das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum gelten weitreichende Ausgangssperren. Restaurants, Bars, Schulen, Museen und Broadway-Shows sind geschlossen.

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Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro spricht sich immer wieder gegen Einschränkungen des öffentlichen Lebens und die Isolation der Bevölkerung in Brasilien aus. Der rechtsgerichtete Politiker, der von dem neoliberalen Wirtschaftsminister Paulo Guedes beraten wird, begründete seine Haltung damit, dass eine Isolation zu einer Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit führen könnte. In Brasilien gab es bis Dienstag 2200 Infektionen mit dem Virus und 46 Tote. Besonders schlimm verläuft die Krankheit tatsächlich meist bei alten Menschen und bei jenen mit Vorerkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte aber, dass auch Junge und Gesunde schwer erkranken könnten.

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Andere lateinamerikanische Länder haben ihre Grenzen dichtgemacht. Argentinien, Kolumbien oder Bolivien verhängten weitgehende Ausgangssperren von bis zu drei Wochen. In Bolivien wurden die für den 3. Mai vorgesehene Präsidenten- und Parlamentswahlen auf einen noch nicht festgelegten Termin verschoben.

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Zuletzt waren auch in Südamerika die Infektionszahlen deutlich angestiegen. In Paraguay gibt es bislang 22 bestätigte Fälle und ein Todesopfer.

In Argentinien waren den Einwohnern lediglich Besorgungen in nahe gelegenen Lebensmittelgeschäften und Apotheken erlaubt. Polizisten patrouillierten auf den Straßen, fast 250 Menschen waren am Freitag wegen Verstößen gegen die Anordnung festgenommen worden.

Fernost

China als Ausgangsort des Virus ist weiterhin das mit mehr als 81.700 Fällen am stärksten betroffene Land der Welt. Mittlerweile ist aber nach offiziellen Angaben nur noch ein Bruchteil der neuen Infektionen im Inland übertragen worden – die meisten sind laut der chinesischen Gesundheitskommission “importierte” Fälle, also jüngst aus dem Ausland nach China zurückgekehrte Erkrankte. Um eine sogenannte zweite Welle der Ansteckung durch Einreisende zu verhindern, wurde etwa für alle, die aus dem Ausland in die Hauptstadt reisen wollten, eine Quarantäne angeordnet. Die besonders stark betroffene Provinz Hubei hat ihre Grenzen inzwischen wieder weitgehend geöffnet.

Im Inselstaat Taiwan stieg die Furcht vor einer zweiten Infektionsphase. Bei den täglich um die 16 neu hinzukommenden Covid-19-Fällen handele es sich zumeist um Taiwaner, die von Auslandsreisen zurückgekehrt seien, teilte Taiwans zentrales Epidemienkommandozentrum (CECC) mit. Sie seien unterschiedlichen Alters, von Menschen in den Zwanzigern bis in den Siebzigern.

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Australien und Neuseeland

Auch in Australien wurden weitere Einschränkungen vorgenommen. Premierminister Scott Morrison forderte die Bürger am Sonntag auf, alle unnötigen Reisen im Inland zu unterlassen. Gleichzeitig kündigte er drastische Maßnahmen an, um die Menschen dazu zu bringen, voneinander Abstand zu halten. Strikte Ausgangssperren in besonders vom Virus betroffenen Gebieten wollte er nicht ausschließen. Versammlungen im Freien von mehr als 500 Menschen sind verboten, im geschlossenen Raum dürfen nicht mehr als 100 zusammenkommen.

Viele Strände rund um die Metropole Sydney wurden gesperrt, darunter auch der berühmte Bondi Beach, wo sich davor noch Tausende Strandgänger getummelt hatten. Weil immer noch Besucher die Strandabsperrungen ignorierten, kündigte die Polizei ein hartes Durchgreifen an. Auch wer gegen die Anweisung zur Selbstisolation verstößt, muss im Bundesstaat New South Wales sogar mit einer Gefängnisstrafe von bis zu sechs Monaten rechnen.

Neuseeland hat in Vorbereitung auf eine Ausgangssperre wegen der Coronavirus-Pandemie den Notstand ausgerufen. Polizei und Militär bekommen dadurch weitreichende Befugnisse, während sich das Land auf einen vierwöchigen Ausnahmezustand vorbereitet, der am Mittwochabend begonnen hat.

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Südostasien

Auch südostasiatische Länder haben ihre Maßnahmen verstärkt. Thailand schließt zur Eindämmung der Corona-Pandemie von diesem Donnerstag an bis Ende April seine Grenzen. Ältere und gesundheitlich schwache Menschen sollten zu Hause bleiben, sagte Regierungschef Prayut Chan-o-cha in einer Fernsehansprache am Mittwoch. Zudem werde es Maßnahmen gegen Hamsterkäufe und die Verbreitung von Fake News geben. Thailand stünden schwere Zeiten bevor, sagte Prayut weiter.

Vietnam setzt alle internationalen Flüge aus. Zudem sollten alle Einreisenden zunächst in eine 14-tägige Isolation gehen.

In Malaysia hat die Regierung wegen der Coronavirus-Ausbreitung die Beschränkungen für den Reiseverkehr und für Geschäfte bis zum 14. April verlängert. Man gehe davon aus, dass sich der Trend der Neuinfektionen noch eine Weile fortsetzen werde, sagte Ministerpräsident Muhyiddin Yassin am Mittwoch in einer TV-Ansprache. Daher würden die vor einer Woche verhängten Sperren verlängert.

Südasien

Für Indiens 1,3 Milliarden Einwohner gilt die kommenden 21 Tage eine Ausgangssperre. Die wegen der Corona-Krise verhängte Sperre begann am Dienstag. Premierminister Narendra Modi forderte seine Landsleute auf, zu vergessen, wie es sich anfühlt, das Haus zu verlassen. “Wenn wir diese 21 Tage nicht gut bewältigen, dann wird das Land um 21 Jahre zurückgeworfen. Viele Familien werden für immer zerstört”, sagte der Premier. “Wenn ihr eure Türschwellen überschreitet, dann ladet ihr die gefürchtete Pandemie nach Hause ein.” Modi teilte außerdem mit, dass seine Regierung umgerechnet rund 1,83 Milliarden Euro zur Stärkung der Gesundheitsinfrastruktur einsetzen werde.

Nachdem etliche Inder nach der Rede Lebensmittel kauften, rief Modi sie auf, keine Hamsterkäufe zu tätigen. Das indische Innenministerium stellte klar, dass Lebensmittelläden, Apotheken und Banken weiter offen seien. Metros, Züge, Rikschas und Flüge im In- und Ausland operieren in Indien inzwischen nicht mehr. Seit Montag galt bereits eine Ausgangssperre in vielen Regionen und großen Städten Indiens.

Vorderasien und Nahost

Die Zahl der Todesopfer durch Covid-19 ist in der Türkei auf fast 60 gestiegen. Der türkische Innenminister veröffentlichte am Dienstag eine neue Regelung, womit unter anderem die Anzahl der Kunden, die gleichzeitig einen Supermarkt besuchen dürfen, begrenzt wird. Die Anzahl der erlaubten Besucher variiert je nach Größe des Marktes. In öffentlichen Verkehrsmitteln sind zudem nur noch 50 Prozent der zugelassenen Kapazität an Fahrgästen erlaubt.

Ankara hat bereits zahlreiche Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus erlassen. Unter anderem sind Cafés und Bars geschlossen und Sport- und Kulturveranstaltungen abgesagt. Seit Sonntag ist eine Ausgangssperre für Menschen ab 65 Jahren und chronisch Kranke in Kraft.

Mehrere arabische Länder verhängten zum Teil drastische Ausgangssperren. In Jordanien verhaftete die Polizei am Samstag mehr als 227 Menschen, die gegen die am Morgen begonnene Ausgangssperre verstoßen hätten. Sicherheitskräfte patrouillierten nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Petra im Land, um die Einhaltung der Ausgangssperre zu überwachen.

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Das neuartige Coronavirus hat Deutschland erreicht, doch es gibt viele Möglichkeiten, um sich vor dem Anstecken zu schützen.  © RND

Afrika

In Afrika haben rund 45 Länder bisher insgesamt mehr als 2000 Infektionen registriert, darunter seit Mittwoch erstmals auch Libyen.

In Nordafrikas bevölkerungsreichsten Land Ägypten ordneten die religiösen Autoritäten am Wochenende die zweiwöchige Schließung der Moscheen und Kirchen an. Auch die koptisch-orthodoxe Kirche teilte mit, keine öffentlichen Gottesdienste mehr abzuhalten. Nach offiziellen Angaben sollen sich in Ägypten knapp 300 Menschen mit dem Corona-Erreger infiziert haben.

RND/dpa

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