Delta-Untervarianten: Ist AY.3 noch gefährlicher?

  • Nach Delta Plus breitet sich eine weitere Sublinie der Delta-Variante zunehmend aus.
  • Auch in Deutschland wurde AY.3 bereits nachgewiesen.
  • Erste Forschende sind in Sorge, weil diese Coronalinie womöglich noch ansteckender sein könnte als der noch dominierende Delta-Strang.
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Corona-Expertinnen und Experten sind wegen einer womöglich noch ansteckenderen Mutation des Coronavirus in Sorge. Die Rede ist von AY.3, einer Sublinie der Delta-Variante. Diese Untervariante breitet sich gerade nachgewiesenermaßen verstärkt im Süden der USA sowie in Teilen Großbritanniens und Israels aus.

Auch in Deutschland wurde AY.3 bereits vereinzelt nachgewiesen – laut letztem Bericht zu besorgniserregenden Varianten in der ersten Augustwoche 37-mal in untersuchten Proben, was einem Anteil von 3,6 Prozent aus der Stichprobe entspricht.

Delta-Untervariante AY.3 im Auge behalten

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„Das ist definitiv das erste deutliche Anzeichen einer möglicherweise besorgniserregenden Variante hier seit einiger Zeit”, schrieb Christina Pagel, Mathematikerin und Professorin am University College London, in einem Thread zur Variante bei Twitter. Die Zahl der Infektionen mit der Delta-Untervariante AY.3 steige deutlich an, wenn auch auf noch niedrigem Niveau. Es sei denkbar, dass die Variante die ursprüngliche Delta-Mutation, also B.1.617.2, verdrängen werde.

Es gebe vieles, was wir über AY.3 nicht wissen, schrieb Pagel auf Twitter. „Es ‚könnte’ übertragbarer sein als Delta, es ‚könnte’ immun-ausweichender sein.” Sprich: Konkrete Beweise zu einem noch einmal erhöhten Ansteckungsrisiko abseits epidemiologischer Hinweise fehlen bislang. Das jüngste Wachstum dieses Subtyps bei den registrierten Fällen könne auch nur Zufall sein, räumt auch Pagel ein. „Aber wir haben dies schon einmal gesehen und sollten daher mit der Planung beginnen, was zu tun ist, und mehr über AY.3 erfahren”, betonte die Wissenschaftlerin.

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Delta Plus – gefährlich oder nicht?

Neben dieser Untervariante gibt es noch zwei weitere, die Forschende seit einiger Zeit verstärkt auf dem Radar haben: AY.1, auch als Delta-Plus-Variante bekannt, und AY.2. Erste Hinweise deuten allerdings darauf hin, dass diese Subtypen weniger problematisch sein könnten als zunächst befürchtet.

Die Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) in Großbritannien berichtet in einem aktuellen Briefing vom Freitag (20. August) von Daten, denen zufolge bei diesen Ausprägungen der Variante weder mit erneut höherem Transmissionsrisiko noch mit stärkerem Einfluss auf den Impfschutz im Gegensatz zur bereits dominanten Delta-Variante auszugehen sei.

Hohe Impfquote hilft gegen weitere Corona-Mutationen

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Viren mutieren ständig – auch Corona. Allerdings klassifizieren nationale Gesundheitsbehörden und die Weltgesundheitsorganisation nur manche Viruslinien als besorgniserregend. Sie unterscheiden sich dann nachweislich besonders stark von herkömmlichen Varianten – etwa weil sie übertragbarer sind, virulenter, und/oder die Immunantwort von genesenen oder geimpften Personen schlechter ausfällt. Bei AY.3 fehlt dieser Nachweis noch.

Dass das Coronavirus aber durch Strategien wie erhöhte Übertragbarkeit und die Beeinträchtigung der Immunantwort im weiteren Pandemieverlauf noch gefährlicher werden könnte, sehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon länger als ein mögliches Szenario an. Was also am besten tun? „Die Wahrscheinlichkeit von zukünftigen Mutationen hängt sehr stark von der Impfquote in Ländern ab”, schrieb zuletzt SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bei Twitter. „Somit werden wir erst dann frei von neuen Varianten sein, wenn weltweit eine hohe Impfquote erreicht wurde.”

Mit seiner Aussage bezieht sich der Epidemiologe auf eine Studie von Forschenden, die Anfang August auf dem Preprint-Server „Medrxiv„ erschienenen ist und noch von unabhängigen Fachleuten begutachtet wird. Darin kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Ergebnis, dass in Ländern mit einer hohen Impfquote wie Israel und dem Vereinigten Königreich die Mutationsrate deutlich geringer als in Ländern wie Japan und Indien sei, die einen niedrigen Anteil an vollständig geimpften Menschen in der Bevölkerung aufweisen.

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