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Forschende entdecken Varianten bei Weißwedelhirschen

Corona breitet sich unter Hirschen aus: Was bedeutet das für die Pandemie?

Studien legen nahe, dass das Coronavirus auch unter Weißwedelhirschen mutiert.

Wie neue Varianten des Coronavirus entstehen, ist bislang noch ein Rätsel. Forschende haben noch immer nur Theorien zum Ursprung von Omikron und anderen Mutanten. Einige Studien weisen darauf hin, dass neue Varianten in immungeschwächten Menschen entstehen. Andere Fachleute legen dagegen nahe, dass Sars-CoV-2 vor allem in einem tierischen Wirt mutiert und sich anschließend auf den Menschen überträgt.

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Bei der letzteren Theorie stellt sich jedoch die Frage, welche Tiere als Wirte infrage kommen. Schon 2020 haben dänische Forscherinnen und Forscher etwa eine mutierte Version des Coronavirus bei Nerzen nachgewiesen, mit der sich zahlreiche Menschen infiziert hatten. Und nun breitet sich das Coronavirus auch zunehmend unter Hirschen aus, wie Forschende aus Kanada in einer im Preprint-Server „Biorxiv“ veröffentlichten Studie berichten: Demnach ist das Virus in wildlebenden nordamerikanischen Weißwedelhirschen mutiert und mindestens einmal wohl auch schon auf einen Menschen zurück übertragen worden.

Studien: neue Variante bei Weißwedelhirschen nachgewiesen

Die kanadischen Forscherinnen und Forscher hatten im November und Dezember 2021 in Ontario Nasenabstriche von rund 300 Weißwedelhirschen genommen. In der Anfang März veröffentlichten Studie schrieben sie, dass die mutmaßlich unter den Hirschen entstandene Variante in 21 Proben nachgewiesen werden konnte.

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Den Forschenden zufolge war das mutierte Virus am engsten mit der Variante verwandt, die unter anderem in einer Nerzfarm im US-Bundesstaat Michigan von Nerzen auf Menschen übertragen wurde. Zudem stellten sie fest, dass sich ein Mensch wahrscheinlich im vergangenen August bei einem Hirsch angesteckt hat. Er hatte demnach engen Kontakt zu den Tieren – und die bei ihm nachgewiesenen Viren ähnelten sehr der Hirsch-Variante.

Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Ohio State University College of Veterinary Medicine in Columbus fanden im Nordosten des US-Bundesstaats Ohio bei 129 von 360 Hirschen den Sars-CoV-2-Erreger, wie sie im vergangenen Dezember in einer im Fachblatt „Nature“ veröffentlichten Studie berichten. Die Forschenden gehen davon aus, dass Menschen die Hirsche mit dem Virus angesteckt haben. Denkbar sei aber auch, dass sie sich in der Nähe von Städten auf der Suche nach Nahrung im Müll infizierten. Doch das sind nur Vermutungen – wie sich die Tiere infizierten, ist bislang noch nicht geklärt.

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Forschende besorgt: Profitiert Corona von der Geselligkeit von Hirschen?

Die Ausbreitung des Coronavirus unter Hirschen ist ein Grund zur Sorge für Forschende. Schließlich leben allein in den USA knapp 30 Millionen Hirsche und einige Millionen in Kanada. Zwar verlaufen die Infektionen bei Hirschen bisherigen Erkenntnissen zufolge recht mild, jedoch könnte das Virus auf vulnerablere wildlebende Tiere überspringen. „Wenn es [das Coronavirus, Anm. d. Red.] im Wildleben ankommt, gibt es anfangs prinzipiell keinen Weg, es unter Kontrolle zu halten“, sagte die Virolgin Marietjie Venter von der University of Pretoria in Südafrika dem Fachmagazin „Nature“.

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Ein weiteres Problem ist, dass Weißwedelhirsche sehr gesellige Tiere sind, sagt Michael Tonkovich vom Ohio Department of Natural Resources in Athen gegenüber „Nature“. „Um Familie oder Freunde zu besuchen“, reisten weibliche Tiere gern bis zu 100 Kilometer – und auch Männchen legten Strecken von dutzenden Kilometern zurück. Das wären in der Theorie günstige Bedingungen für die Evolution von Sars-CoV-2. Denn so hat das Virus viele Gelegenheiten und Zeit, in Populationen von Hirschen zu mutieren.

Corona bei Hirschen: Variante weist zahlreichen Mutationen auf – Reinfektion wohl möglich

Inzwischen gibt es immer mehr Anhaltspunkte dafür, dass das Coronavirus unter Hirschen gut mutieren kann. Die Forschenden aus Kanada konnten für ihre Studie bei drei gut erhaltenen Proben eine Genomanalyse durchführen. Diese zeigte, wie stark sich das Virus verändert hat: Im Vergleich zur ursprünglichen Corona-Variante aus dem chinesischen Wuhan wies es 76 Mutationen auf.

Eine weitere Studie von Forschenden der University of Pennsylvania legt nahe, dass schon die Alpha-Variante in Hirschen mutierte. Sie fanden Genome der Alpha-Variante in Hirschen, jedoch unterschieden sie sich von denen, die in Menschen nachgewiesen wurden, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der im Februar auf dem Preprint-Server „Medrxiv“ veröffentlichten Studie berichten. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Varianten unabhängig vom Menschen auch in Hirschpopulationen mutieren können.

Besorgniserregend sind auch die Befunde von US-Forschenden, die sie im Februar in „Biorxiv“ in Form einer Preprint-Studie teilten. Demnach können sich Weißwedelhirsche womöglich auch mehrmals mit dem Coronavirus infizieren – ebenso wie Menschen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten einen Hirsch identifizieren, der mit der Omikron-Variante infiziert war, aber auch spezifische Antikörper gegen die Delta-Variante aufwies.

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Forschende geben Entwarnung – wollen aber Hirsche stärker auf Corona testen

Was die Befunde für den weiteren Verlauf der Pandemie bedeuten, ist jedoch noch unklar. Die kanadischen Forschenden können in ihrer Studie aber zumindest vorerst noch Entwarnung geben: Die in Hirschen nachgewiesene Variante könne wohl durch die Antikörper von Geimpften gut bekämpft werden, wie Neutralisationstests zeigten. Daraus schlussfolgern sie, dass das Virus in Hirschen vor allem deshalb mutiert, weil es sich an einen neuen Wirt anpassen will – und nicht, damit es dem Immunsystem von Menschen besser entkommen kann.

Jedoch gilt es nun für Forschende, die Ausbreitung und Mutation des Virus innerhalb von Tierpopulationen weiterhin zu untersuchen. Schließlich suggerieren Studien, dass das Coronavirus in Tieren mutieren und auf Menschen übertragen werden kann. Wegen der zunehmenden Corona-Befunde werden bereits immer mehr Hirsche in Nordamerika getestet. Zudem sind experimentelle Studien geplant, in denen die Virenaktivität und -verbreitung in wildlebenden Tieren wie Weißwedelhirschen oder auch Rotfüchsen untersucht wird.

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