Auch Finnland stoppt Moderna-Impfung bei Jüngeren: Welche Daten gibt es aus Deutschland?

  • Als letztes der skandinavischen Länder hat nun auch Finnland die Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Moderna bei Jüngeren ausgesetzt.
  • Der Grund sind Herzmuskelentzündungen, die nach der Impfung gehäuft aufgetreten sein sollen. Wie viele Geimpfte genau betroffen waren, wurde noch nicht bekannt.
  • Welche Daten liegen den deutschen Behörden hierzu vor?
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Finnland will bei Männern und männlichen Jugendlichen unter 30 Jahren in Zukunft nicht mehr den Corona-Impfstoff von Moderna einsetzen. Das gaben die zuständigen Behörden heute bekannt. Der Grund sind Herzmuskelentzündungen, die nach der Impfung in dieser Altersgruppe vermehrt aufgetreten waren. Finnland ist bereits der vierte nordeuropäische Staat, der den Impfstoff von Moderna nur noch begrenzt einsetzen will.

Schweden und Dänemark hatten bereits am Mittwoch bekannt gegeben, unter 30-Jährigen künftig nicht mehr die Impfung von Moderna anzubieten, weil nach der Impfung mit mRNA-Impfstoffen Herzmuskelentzündungen in dieser Altersgruppe aufgetreten waren. Der Effekt sei bei dem Vakzin von Moderna besonders deutlich gewesen, teilten die schwedischen Behörden mit. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die Nebenwirkungen seien insgesamt nur selten aufgetreten, hieß es außerdem. Genaue Zahlen wurden jedoch nicht mitgeteilt. Anstelle des Vakzins von Moderna wird nun der Impfstoff Corminaty von Biontech/ Pfizer empfohlen. Auch dieser kann Herzmuskelentzündungen auslösen, was aber seltener der Fall sein soll.

Die norwegischen Behörden hatten schon länger empfohlen, bei Minderjährigen das Vakzin von Biontech/Pfizer einzusetzen, da es mit diesem schon mehr Erfahrungswerte in jüngeren Altersgruppen gebe. Männern unter 30 wird in Norwegen ebenfalls empfohlen, auf einen anderen Impfstoff auszuweichen, wenn sie sich impfen lassen wollen. Wegen des bekannten Risikos von Herzmuskelentzündungen nach der mRNA-Impfung wurde die Impfung in Norwegen Zwölf- bis 15-Jährigen erst seit Anfang September empfohlen, diese erhalten außerdem nur eine Dosis. Dies sehe man als den besten Weg, um den Nutzen der Impfung gegen deren Risiken abzuwägen, so die Begründung.

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Herzmuskelentzündungen erstmals in Israel aufgefallen

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Die nordischen Länder arbeiten bei der Erfassung und Bewertung von seltenen, aber potenziell gefährlichen Nebenwirkungen zusammen und tauschen Daten dazu aus. Die Auswertung der Daten zu Herzmuskelentzündungen sei noch nicht abgeschlossen und daher auch noch nicht veröffentlicht worden, teilte das Norwegian Institute of Public Health (NIPH) mit. Die Zahlen deuteten aber darauf hin, dass Herzmuskelentzündungen nach der zweiten Dosis des Moderna-Vakzins häufiger als nach anderen Impfungen auftreten. Damit würde sich bestätigen, was auch schon Analysen aus den USA und Kanada ergeben hätten.

Herzmuskelentzündungen nach der Impfung mit mRNA-Impfstoffen waren zu Beginn des Jahres erstmals in Israel aufgefallen. Dort waren überwiegend junge Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren erkrankt, die den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten hatten. Eine 22-jährige Frau und ein 35-jähriger Mann waren aufgrund der Symptome verstorben. Eine Herzmuskelentzündung verläuft in den meisten Fällen mild und heilt oft wieder aus. Sie kann aber in einigen Fällen auch gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen und zum Herzversagen führen.

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Dazu, wie häufig Herzmuskelentzündungen bei Jüngeren nach der mRNA-Impfung auftreten, gibt es bisher nur Schätzungen. Einer Auswertung von Daten des israelischen Gesundheitsministeriums zufolge, die im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht wurde, könnte einer von 3000 bis zu einer von 6000 jungen Männern zwischen 16 und 24 Jahren nach der Impfung mit Biontech/Pfizer an einer Herzmuskelentzündung erkranken. Die Rate unter geimpften jungen Männern wäre damit fünf- bis 25-mal höher als bei Ungeimpften dieser Altersgruppe. In den meisten Fällen sollen Erkrankungen demnach eher mild verlaufen, in etwa 5 Prozent der Fälle könnten Geimpften aber auch stärkere Symptome entwickeln.

Junge Männer am häufigsten betroffen

Auch einer Auswertung der amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zufolge kamen Herzmuskelentzündungen bei jüngeren Geimpften deutlich häufiger vor als normalerweise in dieser Altersgruppe. Die Wahrscheinlichkeit, eine Myokarditis zu entwickeln, war demnach bei 16- bis 17-jährigen männlichen und weiblichen Geimpften vier- bis 40-mal höher als bei Ungeimpften in diesem Alter. In der Altersgruppe zwischen 18 und 24 kamen Herzmuskelentzündungen nach der Impfung zwei- bis 25-mal häufiger vor als bei Ungeimpften. Die großen Spannen ergeben sich daraus, dass unklar ist, wie häufig eine Myokarditis in diesen Altersgruppen ist.

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In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) für die Überwachung der Impfnebenwirkungen zuständig. Eine neue Warnung in Bezug auf den Impfstoff von Moderna hat das PEI noch nicht ausgesprochen, eine Anfrage des RND dazu hat das Institut bisher nicht beantwortet. Dem letzten „Sicherheitsbericht“ des Paul-Ehrlich-Instituts ist zu entnehmen, dass bei unter 30-Jährigen bis Ende August 48 Fälle von Myokarditis nach einer Impfung mit dem Moderna-Impfstoff Spikevax und 279 Fälle nach der Impfung mit Comirnaty von Biontech/Pfizer gemeldet wurden.

Ein Fall von Myokarditis auf 8600 Komplettimpfungen

Wie viele Impfdosen mit dem jeweiligen Vakzin in dieser Altersgruppe verimpft wurden, ist jedoch nicht zu entnehmen. Wurden alle in Deutschland eingesetzten Impfstoffe mitberücksichtigt, dann kam bei männlichen Jugendlichen unter 18 ein gemeldeter Fall von Myokarditis auf 17.271 Impfdosen, also etwa 8600 vollständige Impfungen. Das wären laut PEI-Bericht etwa sieben- bis neunmal so viele, wie in der normalen Bevölkerung zu erwarten wären.

Bei weiblichen minderjährigen Geimpften wurden laut PEI nach der Impfung nicht mehr Herzmuskelentzündungen gemeldet, als in dieser Altersgruppe statistisch normalerweise zu erwarten wären. Bei den Berichten des Paul-Ehrlich-Instituts ist zu beachten, dass nur Fälle erfasst werden, die von Betroffenen oder ihren Ärzte erkannt und aktiv gemeldet werden. In früheren Berichten hatte das PEI bereits darauf hingewiesen, dass von einer Dunkelziffer auszugehen ist, auch da milde Verläufe einer Myokarditis nicht immer erkannt würden.

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