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Corona-Antikörpertests: Wann sind sie sinnvoll – und wie aussagekräftig sind sie?

  • Den Corona-Antikörper­tests könnte in dieser Pandemie eine neue Bedeutung zukommen.
  • Für Menschen, die sich unbemerkt mit dem Virus angesteckt haben, sollen die Tests – zusätzlich zu einer Impfung – als Genesenennachweis dienen.
  • Allerdings ist die Aussagekraft der Antikörper­nachweise begrenzt.
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Wer eine Corona-Infektion überstanden hat, ist genesen. Doch um etwa bei Restaurant­besuchen als genesen zu gelten, benötigen Menschen, die eine Infektion mit dem Coronavirus durchgemacht haben, einen positiven PCR-Test, der nicht älter als sechs Monate ist. Danach brauchen Genesene zusätzlich eine Impfdosis, um als genesen beziehungsweise vollständig geimpft zu gelten. Diese rechtliche Verordnung will Bundes­gesundheits­minister Jens Spahn nun erweitern: Er will Bürgerinnen und Bürgern nach einer unbemerkten Corona-Infektion ermöglichen, sich mithilfe eines Antikörpertests und einer Impfung als Genesene auszuweisen. „Viele Bürgerinnen und Bürger waren infiziert, ohne es zu merken“, sagte der CDU-Politiker der „Bild“-Zeitung (Samstag). „Mit einem qualitativ hochwertigen Antikörpertest kann man das mittlerweile sicher nachweisen.“

Antikörpertests als Genesenen­nachweise einzusetzen, hatte zunächst auch die Ständige Impfkommission (Stiko) vorgeschlagen. In seiner Corona-Impf­empfehlung vom 24. Juni 2021 schrieb das Experten­gremium in einer Fußnote: „Der Nachweis einer gesicherten, durchgemachten Infektion kann durch direkten Erreger­nachweis (PCR) zum Zeitpunkt der Infektion oder einen spezifischen Infektions­nachweis mittels validierter Sars-CoV-2-Antikörper­serologie erfolgen.“ In den darauf­folgenden, aktualisierten Fassungen fehlt dieser Satz jedoch, die Stiko hatte ihn wieder gestrichen. Warum, ist unklar.

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Dabei sei der Vorschlag, dass sich Genesene mittels Antikörpertest und Impfung ausweisen können, durchaus „legitim“, sagt Martin Stürmer, Virologe und Laborleiter am IMD-Labor für interdisziplinäre Medizin und Diagnostik in Frankfurt. „Es sollte dann dafür kein Schnelltest aus der Kassette eingesetzt werden, sondern ein gut validierter Test aus dem Labor“, sagte er dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

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Tests liefern keine Aussagen zum Immunstatus

Tatsächlich können Antikörper­tests sehr hilfreich dabei sein, um etwa Infizierte zu erkennen, die keine corona­typischen Symptome entwickelt haben – also asymptomatisch gewesen sind. Denn anders als PCR- und Antigen­schnelltests weisen die Antikörper­tests keine Bestandteile des Coronavirus nach, sondern Antikörper, die das Immun­system bei Kontakt mit dem Krankheits­erreger produziert. Diese bilden sich auch bei asympto­matischen Krankheits­verläufen und lassen sich noch mehrere Monate nach einer Infektion im Blut feststellen. Das heißt, selbst wenn die Corona-Infektion schon überstanden ist, lässt sie sich später noch anhand der Antikörper nachweisen.

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Antikörpertest zur Überprüfung von Impfung nicht empfohlen

Bisher werden die Corona-Antikörper­tests vor allem in klinischen Studien verwendet. Zum Beispiel nutzt das Robert Koch-Institut (RKI) die Tests für seine Antiköper­studien. In diesen Untersuchungen kontrolliert die Behörde, wie weit das Coronavirus in Deutschland verbreitet ist und wie viele Menschen bereits infiziert gewesen sind. Den Einsatz in anderen Gebieten – etwa um als Privatperson zu überprüfen, wie wirksam eine Impfung gewesen ist – empfiehlt das RKI derzeit nicht.

Stattdessen weist das Institut auf seiner Internetseite darauf hin, dass ein Antikörper­nachweis „keine eindeutige Aussage zur Infektiosität oder zum Immunstatus“ zulasse. Das bedeutet: Ein Antikörper­test kann zwar eine durch­gemachte Infektion mit dem Coronavirus anzeigen, jedoch sagt er nur bedingt etwas darüber aus, wie gut die getesteten Personen vor einer erneuten Ansteckung geschützt sind. Darauf machte auch Virologe Stürmer aufmerksam: „Habe ich noch eine ausreichende Immunität? Brauche ich eine dritte Impfung? Solche Fragen lassen sich mithilfe der Tests bislang kaum oder gar nicht beantworten.“

Zeitpunkt der Infektion mit Tests nicht nachweisbar

Die Testergeb­nisse müssen zudem mit Vorsicht interpretiert werden. Fällt ein Antikörpertest positiv aus, deutet dies auf eine durchgemachte Infektion hin. Es gibt jedoch keinen klar definierten Antikörperwert, ab dem eine Person als immun gilt. Zudem lässt sich mithilfe der Tests nicht sagen, wann eine Ansteckung mit dem Coronavirus stattgefunden hat. Es ist also möglich, dass die Infektion schon länger zurückliegt, noch Antikörper vorhanden sind, aber der Immunschutz bereits etwas nachgelassen hat.

„Es kann vorkommen, dass Personen nach einer Sars-CoV-2-Infektion nur für einen kürzeren Zeitraum von einigen Wochen oder Monaten Sars-CoV-2-Antikörper im Blut nachweisbar haben“, schreibt der Verband der akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) auf seiner Internetseite. Die Menge der Antikörper und der Zeitraum ihrer Nachweis­barkeit variiere von Testperson zu Testperson.

Gedächtniszellen beeinflussen Immunität

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Ein negativer Antikör­pertest muss wiederum nicht bedeuten, dass gar kein Schutz vor dem Coronavirus vorhanden ist. Inzwischen ist bekannt, dass die Anti­körper­konzen­trationen mit der Zeit nachlassen. Noch ungeklärt ist hingegen, inwiefern dies den Immunschutz beeinträchtigt. Von Bedeutung sind hierbei auch die Gedächtnis­zellen (T- und B-Zellen), die langfristig im Körper bleiben und bei erneutem Kontakt mit dem Erreger sofort aktiviert werden.

Auch niedrige Anti­körper­konzentra­tionen sind mit Unsicherheiten behaftet. Virologe Stürmer stellt in diesem Zusammen­hang klar: „Niedrige Anti­körper­konzen­trationen bedeuten beispielsweise noch lange nicht, dass der- oder diejenige hochgradig gefährdet ist, sich mit dem Virus zu infizieren.“ Antikörper seien am Ende nur ein Teil des Immunsystems.

„Abschließend ist wissenschaftlich ebenso noch nicht geklärt, wann der geeignete Zeitpunkt für die Anti­körper­bestim­mung nach einer Sars-CoV-2-Infektion beziehungsweise -Impfung ist, um eine möglichst zuverlässige Aussage treffen zu können“, heißt es vom Laborverband ALM. Beachtet werden müsse auch, dass die verwendeten Antikörpertests der Hersteller nicht standardisiert, also nicht vergleichbar seien, und unterschiedliche Zielstrukturen haben. Das heißt, sie weisen unterschiedliche Antikörper nach. „All das sollte bei der Nutzen­bewertung von Anti­körper­bestim­mungen berücksichtigt werden.“

RND

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