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  • Corona: Anstieg der Sieben-Tages-Inzidenz - Was die steigenden Fallzahlen bedeuten

Was die steigenden Inzidenzen bedeuten

  • Das Robert Koch-Institut meldet einen weiteren Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz, die jetzt bei rund elf liegt.
  • Die steigenden Fallzahlen könnten der Beginn einer neuen Welle sein.
  • Dennoch könnte die Zahl der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern niedrig bleiben.
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Die neue Delta-Variante des Virus sorgt in Deutschland für steigende Fallzahlen. Mit elf Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen ist die Sieben-Tage-Inzidenz momentan immer noch niedrig, es könnte sich aber bereits um den Beginn einer vierten Welle handeln.

Allerdings dürften selbst hohe Infektionszahlen künftig zu weniger schweren Verläufen führen als vorherige Wellen: Da die Hauptrisikogruppe der älteren Menschen zum Großteil geimpft ist, würden Neuinfektionen vor allem Jüngere betreffen, die nur selten Symptome entwickeln. Wie sich inzwischen gezeigt hat, sind die in der EU zugelassenen Impfstoffe auch gegen die Delta-Variante des Virus wirksam. Sie können zwar nicht alle Infektionen mit dem Erreger verhindern, aber einen Großteil der symptomatischen Erkrankungen und über 90 Prozent der Krankenhausaufenthalte.

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Belegung der Krankenhäuser niedrig trotz steigender Infektionszahlen

Wie sehr sich die Anzahl der schweren Verläufe inzwischen von der rein statistischen Inzidenz entkoppelt, zeigt ein Blick auf die Daten: Seit Mitte April ist die Zahl der an oder mit Corona Verstorbenen in Deutschland kontinuierlich gesunken, von damals noch durchschnittlich 239 pro Tag auf momentan gerade einmal 19. Auch die dritte Welle mit teilweise ähnlich hohen Fallzahlen wie im Winter – damals waren noch fast 900 Covid-19-Patienten und ‑Patientinnen pro Tag gestorben – konnte daran nichts ändern.

Die Delta-Variante hat bereits in mehreren Ländern für steigende Infektionszahlen gesorgt, ohne dass gleichzeitig die Zahl der Todesfälle deutlich gestiegen wäre. Das gilt zumindest dort, wo die in der EU zugelassenen Impfstoffe eingesetzt werden. So war in Spanien oder den Niederlanden die Zahl der gemeldeten Infektionen erheblich gestiegen, die Todeszahlen und die Belegung der Krankenhäuser ist in beiden Ländern aber weiterhin niedrig.

Trotz hoher Inzidenz weiterhin wenig Todesfälle

Erst dann, wenn die Infektionszahlen über einen längeren Zeitraum hinweg deutlich zunehmen, scheint sich das trotz der Impfungen auch allmählich auf die Zahl der symptomatischen Infektionen und schweren Verläufe auszuwirken. So hatte sich in Großbritannien die Delta-Variante schon sehr früh ausgebreitet. Die Inzidenz war dort bereits seit Anfang Juni gestiegen und liegt momentan bei 460. Lange Zeit machte sich das kaum an der Patientenzahl bemerkbar. Auch aus diesem Grund hatte der britische Premierminister Boris Johnson die Corona-Beschränkungen aufgehoben.

Seit einigen Tagen müssen nun wieder mehr Patienten mit Covid-19 in Großbritannien im Krankenhaus behandelt werden, aber immer noch deutlich weniger als während der letzten Welle im Januar. Momentan werden zwischen 400 und 500 Covid-19-Patienten in Großbritannien intensivmedizinisch behandelt, im Januar waren es fast 4000 gewesen. Die Zahl der Toten ist ebenfalls leicht gestiegen, aber nach wie vor gering: In Großbritannien sterben derzeit durchschnittlich 40 Personen pro Tag an oder mit Corona, bei einer Bevölkerung von etwa 68 Millionen.

Modellierer hatte Effekt der Alpha-Variante überschätzt

Auch in Deutschland will sich das Robert Koch-Institut (RKI) offenbar künftig weniger stark an den reinen Inzidenzen orientieren und mehr die tatsächliche Krankheitslast durch Corona berücksichtigen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei einem Besuch des RKI gesagt, dank der Impfungen gebe es nun „die Möglichkeit, selbst höhere Inzidenzen zu bewältigen“, ohne dass das Gesundheitssystem überlastet werde. Was genau das für die Corona-Politik in Deutschland bedeuten wird, ist aber noch unklar.

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, und die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, hatten nachdrücklich eine Abkehr von der reinen Orientierung an der immer weniger aussagekräftigen Inzidenz gefordert. Beide wollen bundesweit einen neuen „Warnwert“ in der Corona-Politik einführen. Dabei sollten Impfungen und Krankenhauseinweisungen berücksichtigt werden.

Ein Team um den Mobilitätsforscher Kai Nagel an der TU Berlin hingegen hat vor einer vierten Welle gewarnt und glaubt, dass es durch die Verbreitung der Delta-Variante trotz der Impfungen zur einem deutlichen Anstieg der Krankenhausbelegungen kommen könnte. Als sich im Frühjahr die Alpha-Variante des Virus in Deutschland ausgebreitet hatte, hatten dieselben Wissenschaftler die Auswirkung auf die Infektionszahlen allerdings überschätzt: So hatte Nagels Team für die Welle im Frühjahr Inzidenzen von 500 bis zu 2000 vorhergesagt, es waren aber nur Inzidenzen von 170 erreicht worden.

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