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  • Corona: Sieben-Tage-Inzidenz von 35 – was bedeutet der neue Grenzwert für die Maskenpflicht?

Verschärfte Maskenpflicht: Was eine Sieben-Tage-Inzidenz von 35 bedeutet

  • Der Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gilt weiter als maßgeblich bei der deutschen Corona-Strategie.
  • Der Bund hätte diesen Warnwert gern auf ein niedrigeres Niveau gesetzt und die Corona-Maßnahmen verschärft, wenn es 35 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche gibt.
  • Nur für die Maskenpflicht gilt künftig ein strengerer Grenzwert.
Michèle Förster
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Hinweis: Wir haben diesen Text am 14.10.2020 um 19.00 Uhr mit den aktuellen Beschlüssen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder aktualisiert.

Seit Ende Juli steigt die täglich gemeldete Zahl der positiv auf das Coronavirus Getesteten stetig an. Bisher galt die Sieben-Tage-Inzidenz als wichtige Kennziffer, um das regionale Infektionsgeschehen zu bewerten. Bund und Länder haben in den letzten Wochen den Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen mit Blick auf Kreise und kreisfreie Städte als maßgeblich für neue Einschränkungen in der Corona-Pandemie festgelegt.

Weitere Beschränkungen bei Überschreiten des Grenzwerts geplant

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Der Bund hätte dies gerne in vielen Punkten geändert. Einem Entwurf für die Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder zufolge wollte der Bund eine Sperrstunde in der Gastronomie schon dann einführen, wenn die Zahl der Neuinfektionen 35 pro 100.000 Einwohner in einer Region innerhalb einer Woche überschreitet. Der Bund plädierte zudem dafür, die Zahl der Teilnehmer bei privaten Feiern sowie bei öffentlichen Veranstaltungen spätestens dann zu beschränken, wenn es 35 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Region innerhalb einer Woche gibt.

Strengerer Grenzwert für Maskenpflicht

Doch die endgültigen Beschlüsse sehen nun anderes vor: In Städten und Regionen mit stark steigenden Corona-Zahlen soll es künftig generell eine Sperrstunde um 23 Uhr in der Gastronomie geben. Dies soll ab 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche gelten. Private Feiern werden künftig generell auf maximal zehn Teilnehmer und zwei Hausstände begrenzt, wenn es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche gibt.

Nur bei der Maskenpflicht gilt künftig ein strengerer Grenzwert: Sie soll ab 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen auch überall da gelten, wo Menschen dichter beziehungsweise länger zusammenkommen.

Was sagt die Sieben-Tage-Inzidenz aus?

Die sogenannte Inzidenz gilt als wichtiger Richtwert in der Pandemiebekämpfung. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner an. In Deutschland liegt die zulässige Obergrenze bisher bei 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Eine Grenze von 35 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Region innerhalb einer Woche überschreiten derzeit deutlich mehr Landkreise.

RKI registriert bundesweiten Anstieg der Inzidenz

Laut den aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts ist derzeit ein „beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland“ zu beobachten. So würden bereits 40 Kreise den zuletzt geltenden Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche überschreiten.

Auch die Inzidenz der letzten sieben Tage ist bundesweit auf 29,6 Fälle pro 100.000 Einwohner angestiegen, wie aus dem aktuellen Situationsbericht des RKI (Stand 13. Oktober 2020) hervorgeht. Zum Vergleich: Vor einem Monat lag die kumulative Inzidenz deutschlandweit noch bei 9,6 (Stand 8. September 2020). Dabei lässt sich auch ein Trend in den Bundesländern erkennen: Während die Sieben-Tage-Inzidenz in den Bundesländern Berlin und Bremen sehr deutlich über dem bundesweiten Durchschnittswert liegt, liegen Nordrhein-Westfalen und Hessen deutlich sowie Baden-Württemberg leicht darüber, heißt es in dem Papier.

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Wie sinnvoll ist der neue Grenzwert?

Am Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gab es anfangs viel Kritik. So befürchteten Experten etwa, der Wert sei zu hoch angesetzt und führe zu einer Überlastung der Gesundheitsämter. Aus diesem Grund führte Bayern, gefolgt von weiteren Bundesländern, zusätzlich einen sogenannten Frühwarnwert ein. Dieser gilt ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern.

Mittlerweile werden deutlich mehr Corona-Tests durchgeführt als zu Beginn der Pandemie – und dadurch auch mehr Infektionen erfasst. Stefan Willich, der Direktor des Instituts für Epidemiologie an der Charité Berlin, bezweifelt daher die Sinnhaftigkeit des 50er-Grenzwerts. „Man hat vor mittlerweile fünf Monaten diesen Schwellenwert von 50 sogenannten Neuinfektionen pro Woche pro 100.000 definiert“, sagte Willich gegenüber dem rbb Inforadio. „Das schien damals präzise, war aber immer nur ein grober Anhaltspunkt.“

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Experten halten Grenzwert von 50 bei mehr Tests für zu niedrig

Durch die gestiegene Testanzahl sei es auch immer wahrscheinlicher, dass der Inzidenzwert überschritten wird, kritisiert der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte er, der Grenzwert müsse den Entwicklungen angepasst werden. Denn dieser sei Anfang Mai festgelegt worden, als es wöchentlich 400.000 Tests gab und die Rate der positiven Tests hoch war.

Inzwischen werden mehr als eine Million Tests pro Woche durchgeführt – bei verhältnismäßig deutlich weniger positiven Ergebnissen. „Unter Berücksichtigung der niedrigeren Positivquote käme man aktuell auf einen Schwellenwert von 84 pro 100.000“, so Gassen. Auch der Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung rät von einer reinen Fokussierung auf die Infektionszahlen ab. Gegenüber dem „Deutschlandfunk“ sagte Krause: „Es ist wichtig zu bedenken, dass die Infektionszahlen eigentlich nicht unser Kernfokus sein sollten, sondern die Erkrankungszahlen.“

Kontaktnachverfolgung stößt an Grenzen

Das Robert-Koch-Institut hingegen nennt mehrere Gründe dafür, weshalb die Fallzahlen an vielen Orten in ganz Deutschland ausschlaggebend sind und Maßnahmen erforderlich machen. Kritisch werde es vor allem dann, wenn die Gesundheitsämter mit der Nachverfolgung nicht mehr hinterherkommen. Schon jetzt gebe es Engpässe, berichtete auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. „Die Gesundheitsämter kommen an ihre Grenzen.“

Laut RKI gibt es derzeit viele kleinere Ausbruchsgeschehen in verschiedenen Landkreisen, die mit unterschiedlichen Situationen in Zusammenhang stehen. Darunter fallen zum Beispiel größere Feiern im Familien- und Freundeskreis, Freizeitaktivitäten, Infektionen am Arbeitsplatz, aber auch in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen oder bei Reiserückkehrern.

mit dpa

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